Nach der tapferen Leistung vom letzten Donnerstag flogen die Rieder, zwar nach wie vor als Außenseiter, nach Eindhoven, traten die Reise aber dennoch mit einer zusätzlichen Portion Selbstvertrauen an. Denn die augenscheinliche Dominanz der Niederländer gegenüber der Innviertler, die zeigte sich vor einer Woche nicht wirklich.
So stellte Trainer Paul Gludovatz sein obligatorisches 3-3-3-1 in ein gängiges 4-2-3-1 um. Hinum, der bereits im Hinspiel des öfteren die rechte Flanke gegen den wendigen Mertens verteidigt hatte, wurde von seinem Coach dort fixiert. Hadzic und Ziegl sollten vor der personell nicht umgestellten Abwehr die Räume eng machen; und vor ihnen sollten Lexa, Carrill und Royer schnelle Konterattacken fahren. Solospitze war diesmal der Spanier Guillem. Fred Rutten stellte sein Team genauso wenig um. Das traditionelle 4-3-3 blieb selbstverständlich erhalten. In der Innenverteidigung ersetzte der wieder genesene Hutchinson Marcelo. Weiters rückte Toivonen von der Mittelstürmerposition ins Mittelfeld zurück und für ihn agierte Labyad im Angriffszentrum. Soweit die Formationen.
Ausgesehen hat das in der Praxis so, dass sich die PSV zu Beginn der Partie sichtlich schwer tat, in selbige zu finden. So konnten die Gäste erste Offensivakzente setzen. Und wieder war Rieds Nummer Sieben, Daniel Royer, einer der Hauptinitiatoren des Rieder Angriffspiels- Und wieder war das Spielfeldzentrum auf Grund des Trios Wijnaldum-Toivonen-Strootman in niederländischer Hand. Zusätzlich verlieh Toivonens Präsenz dem Spiel der Werkself eine körperlich stärkere Komponente als es noch Ojo im Hinspiel getan hatte. Überhaupt wirkte das Mittelfeld kreativer. Dies spiegelte sich wieder, indem Wijnaldum seiner Rückennummer alle Ehre erwies und nicht nur im Zentrum, sondern auch an den Flügeln präsent war und versuchte seine Vorderleute gekonnt in Szene zu setzen. Insofern wurde das Spiel der Gastgeber nicht ganz so linkslastig wie noch im ersten Duell. So kam auch Lens am rechten Flügel besser in Szene.
Nach zwanzig, dreißig Minuten hatte sich die PSV auf ihren Gegner aber eingestellt und ließ den Ball mit ein, zwei Kontakten in den eigenen Reihe kreisen. So waren die Rieder gut bedient, dass es zur Pause noch torlos stand, wurde Toivonens Treffer (zu Recht) aberkannt und rettete bei Lens’ Schuss nur der Querbalken die Rieder vor dem Rückstand. Nach dem Wechsel zeigten die Niederländer ihre Klasse und zogen das Tempo mit Fortdauer der Begegnung mehr und mehr an. Toivonens Führungstreffer nach 53 Minuten wäre aber noch zu egalisieren gewesen.
Spielentscheidend war leider ein Patzer von Torwart Gebauer, der bei einem Steilpass am Flügel unnötigerweise seinen Kasten verließ. Lens legt den Ball am Deutschen geschickt vorbei und zirkelte das Leder von der Cornerfahne mit dem Außenrist ins Tor. Danach zeigte die Rieder Mannschaft zu Recht Auflösungserscheinungen. Zwar animierte Orf-Kommentator Michael Roscher, dass eine Wende vielleicht noch möglich sei, „immerhin lag man in Kopenhagen ja auch bereits 0:4 zurück“. Dass PSV aber mindestens zwei Klassen über Bröndby anzusiedeln ist, war nur das eine. Wie oft solche Aufholjagden in der Realität stattfinden, wissen alle die ihre praktischen Erfahrungen nicht nur auf der Play Stationen gemacht haben. Schließlich setzte die PSV ihr technisch ansehnliches „Ein-, Zweimal berühren“ fort. So erzielte der quirlige Wijnaldum nach einem übersichtlichen Pass in den Rückraum das 3:0. Labyad besorgte nur Minuten später mit seiner feinen Schusstechnik das Vierte.
Taktisch und mental strotzte die Rieder Elf immerhin drei von vier Halbzeiten ihren scheinbar überirdisch niederländischen Konkurrenten. Gen Ende hin verdeutlichte die PSV aber den eklatanten Klassenunterschied, der sich vor allem in der technischen Behandlung des Balles wieder spiegelte. Dies erlaubte den Gastgebern vermehrt Eins-gegen-Eins-Situationen zu suchen und diese auch für sich zu entscheiden. Die anschließend frei werdenden Räume wussten die Niederländern auch auf Grund ihrer besser geschulten taktischen Fertigkeiten gekonnt für sich zu nutzen.
Posts mit dem Label PSV Eindhoven werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label PSV Eindhoven werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Donnerstag, 25. August 2011
Normalzustand
Freitag, 19. August 2011
Frechheit siegt
Die Niederländer waren in der Favoritenrolle. Eigentlich wie immer wenn Niederländer gegen Österreicher kicken. Dass sich der ehemalige Europacupsieger bis auf die ersten dreißig Minuten gegen die Provinzmannschaft aus Ried aber sichtlich schwer tat, hatte mehrere Gründe.
Die Werkself trat im typisch niederländischen 4-3-3 an, während Paul Gludovatz auch im Europacup auf sein unorthodoxes 3-3-3-1-System setzte. Die Rieder agierten im ersten Durchgang aber sehr verhalten. Die drei Abwehrspieler Reifeltshammer, Riegler und Karner waren vorwiegend im Abwehrzentrum zu finden, während die nominellen Defensivmittelfeldspieler Hinum, rechts, und Ziegl, links, die Flanken sicherten. So war jedenfalls die defensive Grundordnung. Auch die offensiven Flügelspieler Royer und im Besonderen Lexa übernahmen Abwehraufgaben. Hadzic, der für den spontan zur Austria transferierten Mader ins Zentrum des Spielfeldes rückte, blieb im ersten Durchgang offensiv blass. Genauso war von Nacho in der Vorwärtsbewegung kaum etwas zu sehen. Wenn es für die PSV gefährlich wurde, dann durch Royer, der ein ums andere Mal auf der linken Seite gegen den Bulgaren Manolev durchbrach und drei, vier Schüsse auf das Tor des schwedischen Keeperes Isaksson abgab. Der Jungnationalspieler war mit Abstand der Aktivste im Offensivspiel der Wikinger. Im Konter ging es für die Gastgeber überwiegend über die andere Seite. Lexas meist langen Bälle fanden aber nur selten den Weg zu Solospitze Hammerer, der sich bei den Lackeln Marcelo und Bouma stets gut aufgehoben fand.
Dass Rieds Spiel hauptsächlich über die Flügel gefährlich wurde, hatte den simplen Grund, dass die Niederländer im Zentrum mit Wijnaldum, Stoorman und Ojo gegen Nacho und Hadzic in Überzahl agierten. Zudem ließ sich Mittelstürmer Toivonen oftmals in die Tiefe fallen und mimte Innenverteidiger Marcelo einen initiativen „freien Mann“ - eine Besonderheit im niederländischen Fußball. Der „freie Mann“ ist einer der beiden Innenverteidiger und vergleichbar mit der ehemaligen Position des Liberos. Er schaltet sich genauso ins Offensivspiel ein und geht bei Angriffen mit, ähnlich wie Inters Lucio. Der „freie Mann“ lässt sich allerdings genauso auch hinter die Verteidigungslinie fallen und mimt den letzten Mann. Bei der Spieleröffnung war dies des Öfteren zu bemerken, passte Torwart Isaksson den Ball hauptsächlich auf Marcelo, der den Ball weiter verteilte.
Im weiteren Spielaufbau war klar zu erkennen, dass die PSV sehr linkslastig agierte. Zwar hatte man mit Lens einen ambitionierten Techniker am rechten Flügel, doch absolvierte Manolev als Rechtsverteidiger seinen Part nicht annähernd überzeugend wie sein linkes Pendant Pieters. Hierfür mag zu einem gewissen Teil bestimmt der quirlige Royer der Grund sein. Zudem kommt aber erneut die Bedeutung von Marcelo als „freier Mann“ zu tragen. Bei Ballverlust hatte Pieters nämlich immer noch Bouma, den linken Innenverteidiger, als Versicherung hinter sich. Hätte jedoch Manolev in der Vorwärtsbewegung den Ball verloren, wäre Marcelo nicht zur Stelle gewesen, da er sich ja, im Sinne des „freien Mannes“, bereits ebenfalls in das Offensivspiel eingeschalten hätte. Bouma hätte als letzter Mann noch einschreiten können, hätte jedoch den längeren Weg nach rechts außen rücken müssen.
Anfangs waren die Rieder mit dem Sturmlauf über ihre rechte Seite etwas überfordert, stellten sich mit Fortdauer der Partie aber gekonnt auf den agilen Mertens und das rotierende Mittelfeld ein. Die Spielvereinigung stand mit einer fast flachen Fünferkette aber phasenweise sehr tief und ließ die Niederländer bis ins eigene Drittel vorstoßen.
Im zweiten Durchgang ließ Paul Gludovatz seine Elf mutiger nach vorne werken. Die Initialzündung war wohl der verletzungsbedingte Wechsel Casanova für Hammerer. Das Pressing der Rieder begann nun schon knapp in der Spielhälfte der Niederländer. Dabei wurde versucht die PSV im Spielaufbau, der nach wie vor überwiegend über links initiiert wurde, früh zu stören. Casanova wurde dabei meist von Lexa unterstützt. Dahinter machte der immer besser ins Spiel findende Nacho den Raum für die Niederländer weiter eng und Anspielstationen rar. Royer wirkte indes nach der ersten intensiven Hälfte immer müder. Die Philips-Elf hatte mit der forscheren Gangart der Österreicher wohl nicht gerechnet. Zumal nun mit Mertens auch der Aktivposten des Einhoveners Angriffspiels verletzungsbedingt vom Platz musste. Es schien bereits nach einer Stunde, dass Ried diese harte Nuss knacken konnte. Die niederländische Kreativabteilung kam schlicht nicht in die Gänge, weil die 9,5-Millionen-Euro-Neuzugänge Wijnaldum, Strootman und Ojo bei den Riedern gut aufgehoben waren und auch die Flanken für die Flügelspieler zugestellt waren. Der Schlüssel im zweiten Durchgang lag aber garantiert im saloppen Pressing der Hausherren, wodurch man Offensivbemühungen der Außendecker schon im Keim ersticken konnte oder bei Ballgewinn eben massig Raum für Konterattacken vorfand.
Für das Rückspiel in sechs Tagen haben die Rieder zwar keine ausgezeichnete Ausgangsposition, aber immerhin besteht eine realistische Chance um den Aufstieg in die Gruppenphase. Unliebsame Überraschungen sollten auf die Wikinger im Philips-Stadion keine mehr lauern, schickte Trainer Fred Rutten gestern seine bestmögliche Elf auf den Platz. Dies zeigt sehr wohl, dass die Niederländer ihre Gegner keineswegs unterschätzen. Eventuell könnten noch die Mittelfeldspieler Hutchinson oder Engelaar den Unterschied machen. Wichtig wird es jedenfalls sein, so lange wie möglich die Null zu halten. Wie die Abwehr bei einem Gegentor bröckelt, konnte man ja bereits in Kopenhagen sehen. Insofern heißt es auch nach einem Gegentreffer die Fassung zu bewahren. Ein zweites Mal wie gegen Bröndby wird ein Hop-oder-Drop wohl nicht funktionieren. Mit Fortdauer eines Remis dürfen die Rieder ihr Heil aber erneut im Konter suchen und vor allem wieder pressen was das Zeug hält. Besonders Bouma in der Innenverteidigung offenbarte im Hinspiel technische Defizite, die man sich zu Nutze machen sollte.
Die Werkself trat im typisch niederländischen 4-3-3 an, während Paul Gludovatz auch im Europacup auf sein unorthodoxes 3-3-3-1-System setzte. Die Rieder agierten im ersten Durchgang aber sehr verhalten. Die drei Abwehrspieler Reifeltshammer, Riegler und Karner waren vorwiegend im Abwehrzentrum zu finden, während die nominellen Defensivmittelfeldspieler Hinum, rechts, und Ziegl, links, die Flanken sicherten. So war jedenfalls die defensive Grundordnung. Auch die offensiven Flügelspieler Royer und im Besonderen Lexa übernahmen Abwehraufgaben. Hadzic, der für den spontan zur Austria transferierten Mader ins Zentrum des Spielfeldes rückte, blieb im ersten Durchgang offensiv blass. Genauso war von Nacho in der Vorwärtsbewegung kaum etwas zu sehen. Wenn es für die PSV gefährlich wurde, dann durch Royer, der ein ums andere Mal auf der linken Seite gegen den Bulgaren Manolev durchbrach und drei, vier Schüsse auf das Tor des schwedischen Keeperes Isaksson abgab. Der Jungnationalspieler war mit Abstand der Aktivste im Offensivspiel der Wikinger. Im Konter ging es für die Gastgeber überwiegend über die andere Seite. Lexas meist langen Bälle fanden aber nur selten den Weg zu Solospitze Hammerer, der sich bei den Lackeln Marcelo und Bouma stets gut aufgehoben fand.
Dass Rieds Spiel hauptsächlich über die Flügel gefährlich wurde, hatte den simplen Grund, dass die Niederländer im Zentrum mit Wijnaldum, Stoorman und Ojo gegen Nacho und Hadzic in Überzahl agierten. Zudem ließ sich Mittelstürmer Toivonen oftmals in die Tiefe fallen und mimte Innenverteidiger Marcelo einen initiativen „freien Mann“ - eine Besonderheit im niederländischen Fußball. Der „freie Mann“ ist einer der beiden Innenverteidiger und vergleichbar mit der ehemaligen Position des Liberos. Er schaltet sich genauso ins Offensivspiel ein und geht bei Angriffen mit, ähnlich wie Inters Lucio. Der „freie Mann“ lässt sich allerdings genauso auch hinter die Verteidigungslinie fallen und mimt den letzten Mann. Bei der Spieleröffnung war dies des Öfteren zu bemerken, passte Torwart Isaksson den Ball hauptsächlich auf Marcelo, der den Ball weiter verteilte.
Im weiteren Spielaufbau war klar zu erkennen, dass die PSV sehr linkslastig agierte. Zwar hatte man mit Lens einen ambitionierten Techniker am rechten Flügel, doch absolvierte Manolev als Rechtsverteidiger seinen Part nicht annähernd überzeugend wie sein linkes Pendant Pieters. Hierfür mag zu einem gewissen Teil bestimmt der quirlige Royer der Grund sein. Zudem kommt aber erneut die Bedeutung von Marcelo als „freier Mann“ zu tragen. Bei Ballverlust hatte Pieters nämlich immer noch Bouma, den linken Innenverteidiger, als Versicherung hinter sich. Hätte jedoch Manolev in der Vorwärtsbewegung den Ball verloren, wäre Marcelo nicht zur Stelle gewesen, da er sich ja, im Sinne des „freien Mannes“, bereits ebenfalls in das Offensivspiel eingeschalten hätte. Bouma hätte als letzter Mann noch einschreiten können, hätte jedoch den längeren Weg nach rechts außen rücken müssen.
Anfangs waren die Rieder mit dem Sturmlauf über ihre rechte Seite etwas überfordert, stellten sich mit Fortdauer der Partie aber gekonnt auf den agilen Mertens und das rotierende Mittelfeld ein. Die Spielvereinigung stand mit einer fast flachen Fünferkette aber phasenweise sehr tief und ließ die Niederländer bis ins eigene Drittel vorstoßen.
Im zweiten Durchgang ließ Paul Gludovatz seine Elf mutiger nach vorne werken. Die Initialzündung war wohl der verletzungsbedingte Wechsel Casanova für Hammerer. Das Pressing der Rieder begann nun schon knapp in der Spielhälfte der Niederländer. Dabei wurde versucht die PSV im Spielaufbau, der nach wie vor überwiegend über links initiiert wurde, früh zu stören. Casanova wurde dabei meist von Lexa unterstützt. Dahinter machte der immer besser ins Spiel findende Nacho den Raum für die Niederländer weiter eng und Anspielstationen rar. Royer wirkte indes nach der ersten intensiven Hälfte immer müder. Die Philips-Elf hatte mit der forscheren Gangart der Österreicher wohl nicht gerechnet. Zumal nun mit Mertens auch der Aktivposten des Einhoveners Angriffspiels verletzungsbedingt vom Platz musste. Es schien bereits nach einer Stunde, dass Ried diese harte Nuss knacken konnte. Die niederländische Kreativabteilung kam schlicht nicht in die Gänge, weil die 9,5-Millionen-Euro-Neuzugänge Wijnaldum, Strootman und Ojo bei den Riedern gut aufgehoben waren und auch die Flanken für die Flügelspieler zugestellt waren. Der Schlüssel im zweiten Durchgang lag aber garantiert im saloppen Pressing der Hausherren, wodurch man Offensivbemühungen der Außendecker schon im Keim ersticken konnte oder bei Ballgewinn eben massig Raum für Konterattacken vorfand.
Für das Rückspiel in sechs Tagen haben die Rieder zwar keine ausgezeichnete Ausgangsposition, aber immerhin besteht eine realistische Chance um den Aufstieg in die Gruppenphase. Unliebsame Überraschungen sollten auf die Wikinger im Philips-Stadion keine mehr lauern, schickte Trainer Fred Rutten gestern seine bestmögliche Elf auf den Platz. Dies zeigt sehr wohl, dass die Niederländer ihre Gegner keineswegs unterschätzen. Eventuell könnten noch die Mittelfeldspieler Hutchinson oder Engelaar den Unterschied machen. Wichtig wird es jedenfalls sein, so lange wie möglich die Null zu halten. Wie die Abwehr bei einem Gegentor bröckelt, konnte man ja bereits in Kopenhagen sehen. Insofern heißt es auch nach einem Gegentreffer die Fassung zu bewahren. Ein zweites Mal wie gegen Bröndby wird ein Hop-oder-Drop wohl nicht funktionieren. Mit Fortdauer eines Remis dürfen die Rieder ihr Heil aber erneut im Konter suchen und vor allem wieder pressen was das Zeug hält. Besonders Bouma in der Innenverteidigung offenbarte im Hinspiel technische Defizite, die man sich zu Nutze machen sollte.
Abonnieren
Posts (Atom)