Posts mit dem Label Premier League werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Premier League werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 5. Januar 2012

Internetfirmen pokern um Fußball-Rechte

Yahoo zeigt Interesse an der Bundesliga, Apple und Google wollen angeblich britische Spiele übertragen.

Siebenhaar, Hans-Peter

Hans-Peter Siebenhaar Düsseldorf Führende Internet-Konzerne drängen in das Geschäft mit Fußball-Übertragungen. So pokert der krisengeschüttelte Internetkonzern Yahoo um die Rechte der Fußball-Bundesliga ab der Saison 2013/14 für die nächsten vier Spielzeiten. "Wir sind an allen Highlight-Paketen aus der ersten und zweiten Bundesliga interessiert", sagte Yahoo-Deutschland-Chef Heiko Genzlinger dem Fachmagazin "Sponsors".

Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) darf nach einer Entscheidung des Kartellamts im Juni 2011 erstmals ein Rechtepaket anbieten, das am Samstag eine frühe Highlight-Berichterstattung im Internet und auf mobilen Endgeräten ermöglicht. Das will Yahoo nutzen. Allerdings wird die Suchmaschine nicht gegen die ARD im Kampf um die "Sportschau" am frühen Samstagabend antreten. "Wenn die ARD das Paket für die 18.30-Uhr-Sportschau im Free-TV haben will, werden wir als wirtschaftlich getriebenes Unternehmen, das die Kosten refinanzieren muss, keine Chance haben. Es muss alles auch wirtschaftlich Sinn machen", sagt Genzlinger. Realistisch sei für Yahoo daher das Paket ab 21.45 Uhr. Die ARD hatte für die Zusammenfassung zuletzt pro Saison nach Branchenangaben rund 100 Millionen Euro gezahlt, davon 75 Millionen für die "Sportschau". Dieser Preis ist von privaten Konkurrenten über Werbespots nicht refinanzierbar.

Beim Poker um die Live-Rechte wird es der bisherige Rechteinhaber Sky offenbar auch diesmal leicht haben. Denn die DFL hat bislang keine ernstzunehmenden Konkurrenten aufgetan. Sky hatte für die Live-Rechte zuletzt 250 Millionen Euro pro Saison gezahlt.

Yahoo ist aus Geldgründen an den Live-Rechten nicht interessiert. Genzlinger glaubt nicht, dass sich die Fans vor den Computer setzen, um die Spiele in Echtzeit zu genießen. "Wir denken nicht, dass die Mehrheit der Nutzer bereit dafür ist. Wir glauben zwar, dass man mit Live-Rechten Reichweiten generieren kann, aber ich bin Realist. Bei der Frage, ob ich mir Live-Spiele am großen Flat-TV oder am Laptop anschaue, würde ich den Fernseher immer vorziehen."

In Großbritannien sendet Yahoo bereits seit der Spielzeit 2010/11 ab Montag einen vierminütigen Videoclip von der Premier League. Für die Mini-Rechte zahlt der Konzern zehn Millionen Euro pro Spielzeit.

Künftig wollen Internetkonzerne in Großbritannien eine größere Rolle spielen. So ist nach einem Bericht der Zeitung "Daily Mirror" der Elektronikriese Apple an den Übertragungsrechten der britischen Fußball-Liga Premier League interessiert. Der Konzern will damit den Absatz seines bislang wenig erfolgreichen Apple TV und den Verkauf des iPads fördern. Auch die Suchmaschine Google wird als Interessent für die wertvollsten Rechte im britischen Fernsehgeschäft genannt.



Quelle: Handelsblatt von Donnerstag, 05. Jänner 2012; Seite 25

Dienstag, 13. Dezember 2011

Back in Business…zumindest ein bisschen

Ungeschlagen reiste die Mannschaft von Roberto Mancini an die Stamford Bridge. Die mittwöchentliche Schmach, das frühe Aus in der Champions League, sollte bestmöglich ausgemerzt werden. So begannen die Citizens auch das Top-Spiel am Montagabend. Die Mannen von André Villas-Boas kämpfen indes um den Anschluss an die Tabellenspitze. Der Rückstand auf ManCity beträgt trotz des gestrigen Sieges immer noch sieben Punkte. Und auch Chelsea konnte heuer auf dem internationalen Parkett noch nicht überzeugen; der Aufstieg wurde erst durch einen Heimsieg über Valencia am letzten Spieltag fixiert. Da verfielen die Blues in alte taktische Schemata, standen tief und agierten aus einer halbwegs gut organisierten Defensive - wie unter Mourinho oder Ancelotti. Weil der Plan gegen die Spanier auf ging, gab Villas-Boas auch für das gestrige Spiel selbe Devise aus. Der Abwehrverbund stand tief in der eigenen Hälfte und versuchte spielerisch den Ball nach vorne zutragen. Mancini, wiederum, stellte sein Team darauf hervorragend ein und ließ ein extrem forsches Pressing spielen um die Hausherren schon in der Spieleröffnung zu stören und einen konstruktiven Aufbau zu verhindern. So sahen sich die Abwehrspieler der Londoner noch in der eigenen Spielhälfte phasenweise sieben Citizens gegenüber, die versuchten den Heimakteuren die Kugel abzuluchsen. Was auch sehr gut klappte. Die Außenverteidiger Bosingwa und Cole hatten ihre mühen Probleme und konnte auf Grund des gegnerischen Druckes offensiv so gut wie keine Akzente setzen. Zudem wirkte Chelsea im Spielaufbau ob der gegnerischen Omnipräsenz nervös; ungewohnt viele Abspielfehler und zahlreiche Ballverluste in Zweikämpfen waren die Folge. Dass die Citizens nach einer halben Stunde nicht bereits zwei, drei Tore Vorsprung hatten, war Glück für die Blues. City nutzte Chelseas Defensivfehler gnadenlos, schaltete überfallsartig von Rückwärts- auf Vorwärtsbewegung um und kreierte so zahlreiche Tormöglichkeiten. Aus heiterem Himmel gelang Meireles jedoch glücklich der Ausgleich, nach einer tollen Einzelaktion von Sturridge, der aufmerksam den Ball in den Rückraum spielte, wo der Portugiese, verlassen von Yaya Touré - der bis dato eine engagierte Leistung bot - einschussbereit stand. Bis auf einen Drogba-Schuss, kurz zuvor, war Chelsea offensiv jedenfalls nicht präsent. Sturridge und Mata waren im Angriffsspiel der Blues zwar die Aktivposten, erschienen verglichen mit ihren Pendants Yaya Touré, Milner und allen voran David Silva blass. Besonders der Spanier fiel durch quirlige Dribblings und direktes Passspiel positiv auf und assistierte Balotelli so auch zum 0:1.

Chelsea kam wacher aus der Kabine. Und taktisch umgestellt. Villas-Boas kehrte zu seiner bevorzugten Spielweise zurück und ließ seine Abwehrlinie höher stehen um das Spielgeschehen vom eigenen Tor in die Hälfte der Gäste zu verlagern. Durch die geringeren Distanzen der Positionen zueinander nahm nun auch das Kurzpassspiel der Londoner Fahrt auf. Die Rollen im zweiten Durchgang waren konträr zur ersten Hälfte. Mancinis Elf trat offensiv nun so gut wie nicht in Erscheinung, stand nun tiefer und formierte mit zwei sich verschiebenden Viererketten ein massives Bollwerk im Zentrum vor dem eigenen Kasten. Zwingende Torchancen konnte das Offensivtrio Mata-Sturridge-Meireles für die Hausherren so nicht generieren, die Außenverteidiger Cole und Bosingwa konnten sich nun aber häufiger ins Angriffsspiel einschalten und zusätzlich für Druck sorgen. Clichys tölpelhafter Platzverweis zwang die Gäste umso mehr in das defensive Korsette. Mancini stellte in der Folge leicht um, nahm den glücklosen Agüero vom Feld und formierte mit Kolo Touré seine Viererkette neu. So wurde einmal mehr klar, wenn City eine verwundbare Stelle hat, ist dies die Abwehr. In den letzten sieben Ligabegegnungen kassierte Roberto Mancinis Team stets mindestens ein Tor. Lediglich der Belgier Kompany erwies sich gestern als Fels in der Brandung und strahlte zunehmend Sicherheit aus. Das Remis hätte den Blues nicht wirklich geholfen, einen nicht unumstrittenen Elfmeter verwandelte der eingewechselte Lampard jedoch kurz vor dem Schlusspfiff zum nicht unverdienten Sieg. Und mit seinem wappenküssenden Torjubel nahm er wohl auch allen Wechselgerüchten den Wind aus den Segeln.

Mittwoch, 5. Oktober 2011

Fernsehen ohne Grenzen

Von Hans-Jürgen Jakobs

Immer diese Griechen. Bislang hatte die Regierung in Athen europäische Verwirrung ausgelöst, mit ihren nicht gehaltenen Versprechungen in Sachen Staatshaushalt. Nun macht ein griechischer Pay-TV-Anbieter namens Nova in Europa von sich reden, weil er für kleines Geld die Senderechte an der großen englischen Fußballliga gekauft hat. Die Decoderkarte dieser Firma kann auch in Großbritannien eingesetzt werden, wo der Fußballverband die dort kostbaren Rechte natürlich für wesentlich mehr Geld an das britische Fernsehen verkauft.

Aus diesem Umstand zog Karen Murphy einen Nutzen. Die Dame aus Portsmouth dürfte die derzeit bekannteste Gastwirtin des Landes sein, weil sie recht bekam vor dem Europäischen Gerichtshof und weiter mit Hilfe der billigen griechische Decoderkarte den teuren englischen Fußball ansehen darf - in Großbritannien. Sie spart so fast 4700 Euro im Jahr an Gebühren, die der Londoner Pay-TV-Betrieb BSkyB gerne kassiert hätte. Er hat vom Verband ein Exklusivrecht für Großbritannien bekommen.

Solche nationalen Privilegien gibt es aber in einem Binnenmarkt nicht, der vom freien Verkehr von Waren und Dienstleistungen ausgeht. Es gibt eben nicht nur eine gemeinsame Währung, es gibt auch eine gemeinsame Wettbewerbsphilosophie. Auch Pay-TV-Zuschauer müssen demnach die Chance haben, das billigste Angebot konsumieren zu können. Auswahl ist die Würze der Marktwirtschaft. Das müsste dann im Übrigen auch für die Spielfilme und TV-Programme der großen Hollywood-Studios gelten, die in Europa zu ganz unterschiedlichen Preisen verkauft werden.

Das europaweite Monopolwesen bei Fußball und Fernsehen, einem der hochattraktiven Produkte der Unterhaltungswirtschaft, verstößt erkennbar gegen die Logik des Binnenmarkts. Es stimmt ja: Wenn jeder in der Europäischen Union sich ein Auto oder eine Tablettenschachtel aus dem Ausland besorgen kann, ist es schwer einzusehen, warum dies nicht auch bei Bezahlfernsehprogrammen gelten soll. Europa kann nicht in abgeschottete Einzelmärkte aufgeteilt werden. Die "ganz gefährlichen Zeiten", die jetzt angeblich auf den europäischen Fußball zukommen, wie FC-Bayern-München-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge vermutet, werden wohl auch nicht anbrechen.

Es bleibt ja dabei, dass auf wichtigen TV-Märkten die Fußball-Verbände zentral für die Klubs die wertvollen Rechte vermarkten und dabei in einem Bieterwettstreit die interessierten Sender hochjagen. In diesem exklusiven Kreis ist es ganz einfach, mit den Folgerungen aus dem Europa-Urteil zum Pay-Fernsehen fertig zu werden: Man muss nur die Bedingungen ein wenig ändern, beispielsweise, indem man hohe Mindestpreise vorschreibt oder gleich paneuropäische Rechte für den Kontinent vergibt. Wenn Frau Murphy in ihrer Kneipe "Red White & Blue" dann also weiter mit der griechischen Firma Nova im Geschäft bleiben würde, müsste die den gleichen Preis wie bei BSkyB zahlen, was natürlich keinen Sinn macht. Da kann sie auch wieder den englischen Anbieter wählen, dem sie einst gekündigt hat.

In Wahrheit ist, wenn das Urteil des Europäischen Gerichtshofs später vom High Court in London bestätigt wird, nur das Auslandsgeschäft eines Fußball-Verbands beeinträchtigt. Denn warum sollten die griechischen Sportbegeisterten so viel Geld für die Premier League ausgeben wollen wie die Fans in England?

In Deutschland geht es um rund 30 Millionen Euro. Das ist die Summe, die von der Deutschen Fußball-Liga (DFL) jährlich für die Klubs im europäischen Ausland erwirtschaftet wird. Sie dürfte kräftig sinken. Das ist wirtschaftlich eine Einbuße, die Fußball-Landschaft würde bei einem DFL-Gesamtumsatz von 400 Millionen Euro aber nicht verändert. Die Auswirkungen sind, Stand heute, nicht zu vergleichen mit jenen des berühmten Bosman-Urteils von 1995: Es legte fest, dass Profifußballer nach Vertragsende ablösefrei zu einem anderen Klub wechseln dürfen, und Restriktionen für ausländische Kicker in den jeweiligen nationalen Ligen verboten sind. Auch hier hatte der Europäische Gerichtshof entschieden, und zwar im Fall des belgischen Fußballers Jean-Marc Bosman.

Für die Fußball-Fernsehbranche gilt jetzt also nicht Murphys Gesetz ("alles, was schiefgehen kann, wird auch schiefgehen"). Wer sich vom Sieg der Pub-Besitzerin Karen Murphy verspricht, dass künftig die Abonnentenpreise einbrechen, weil es zu einem lebhaften Wettbewerb kommt, der wird enttäuscht werden. Die Preise würden nur sinken, wenn viele Sender um die Rechte vieler Klubs rangelten, also das System der Zentralvermarktung ins Wanken gebracht würde. Das ist aber nicht zu sehen.

Zunächst werden nur die Rechte-Inhaber viel Arbeit bekommen, viele Anwälte werden sich über Extraerlöse freuen dürfen. Das Urteil ist eine Überraschung, eine Revolution löst es nicht aus. Von daher gesehen ist die Aktie des deutschen Pay-TV-Anbieters Sky am Dienstag zu früh abgestraft worden: Sie büßte zwischenzeitlich um bis zu zehn Prozent ein.



Quelle: Süddeutsche Zeitung von Mittwoch, 05. Oktober 2011; Seite 4

Sonntag, 2. Oktober 2011

Fußball im Fernsehen könnte für die Fans billiger werden

Generalanwältin am EuGH hält die Verkaufspraxis der Fernsehrechte für Verstoß gegen die Dienstleistungsfreiheit

theu. LONDON, 30. September. Eine Kneipenwirtin aus dem englischen Portsmouth könnte zum Schrecken des europäischen Profifußballs werden. Karen Murphy wollte in ihrem Pub "Red White and Blue" die Spiele der englischen Premier League zeigen. Aber die streitbare Gastwirtin sah nicht ein, dem britischen Bezahlsender BSkyB für die entsprechende Lizenz rund 10 000 Pfund im Jahr zu überweisen. Deshalb besorgte sich Murphy einen Satelliten-Decoder des griechischen Abonnementsenders Nova, der die Premier League ebenfalls zeigte, aber nur einen Bruchteil der Sky-Gebühren verlangte - und der Ärger begann. Nach jahrelangem Rechtsstreit will am Dienstag der Europäische Gerichtshof in Luxemburg sein Urteil in dem Präzedenzfall verkünden. Es könnte im Milliardengeschäft des europäischen Fußballs ein Erdbeben auslösen.

Wenn Karen Murphy recht bekomme, stünden dem Profifußball "gefährliche Zeiten" bevor, warnt Karl-Heinz Rummenigge, der Vorstandschef des deutschen Rekordmeisters FC Bayern München, und prophezeit ein ruinöses "Preis-Dumping" im Verkauf von Fernsehübertragungsrechten. Der Präsident des europäischen Fußballverbands Uefa, Michel Platini, fürchtet, dass das Urteil "die ganze Fußball-Landschaft verändern" könnte. Die Gastwirtin Murphy interessiert das allerdings wenig: "Wenn ich ein Auto kaufen will, kann ich zu jedem Händler in jedem Land gehen. Wenn ich Fußball sehen will, kann ich nur zum Sky-Händler gehen und muss dort zehnmal mehr zahlen."

Das Urteil des höchsten europäischen Gerichts wird mit Spannung erwartet und die Vorzeichen sind für die Fußballbranche nicht günstig. Die zuständige Generalanwältin Juliane Kokott hat sich im Februar in ihrem Schlussantrag auf die Seite der Gastwirtin gestellt und die Luxemburger Richter folgen in der Mehrheit der Fälle dieser Empfehlung. Aus Sicht der deutschen Juristin Kokott verstößt die Premier League gegen die Dienstleistungsfreiheit in der EU, wenn sie die Pub-Wirtin daran hindern will, die Fußball-Übertragungen vom Anbieter ihrer Wahl zu beziehen. Der Fußballverband versuche damit, den europäischen Binnenmarkt zu unterlaufen. Die Premier League selbst pocht dagegen auf ihren Urheberrechtsschutz: Der griechische Bezahlsender verstoße gegen vertragliche Vereinbarungen, wenn er auch Abonnenten in England bediene.

Für Fußballvereine und Fans geht es um viel Geld. Wenn die Premier League tatsächlich unterliegen sollte, dürften die Abonnementpreise im europäischen Bezahlfernsehen auf breiter Front purzeln. Denn bisher können die Fußball-Ligen durch den Verkauf von exklusiven Übertragungsrechten in den einzelnen Ländern Monopole schaffen. In Zukunft könnten die Richter dagegen einen europaweiten Wettbewerb erzwingen. Bundesliga-Fans können dann möglicherweise Bezahlfernseh-Abonnements nicht nur beim deutschen Sky-Ableger, sondern auch bei ausländischen Anbietern abschließen, die internationale Übertragungen via Satellit oder Internet anbieten. Mehr Konkurrenz aber lässt auf niedrigere Preise hoffen.

Was die Fans freut, ist für die Vereine ein finanzieller Albtraum. "Die Preise für Übertragungsrechte würden massiv unter Druck geraten", heißt es in Branchenkreisen. Damit würde eine der wichtigsten Ertragssäulen des Profifußballs wegbröckeln: In Deutschland machen die Fernseherlöse knapp ein Drittel der Gesamteinnahmen der Clubs aus. In Großbritannien, Frankreich und Italien sogar mehr als die Hälfte.

In der Zentrale der Deutschen Fußball Liga hieß es am Freitag zu dem brisanten Rechtsstreit nur: "kein Kommentar". Auch Sky hält sich kurz vor der Urteilsverkündung bedeckt. "Aus jeder möglichen Veränderung ergeben sich neben Risiken auch Chancen", sagte ein Unternehmenssprecher lediglich. Der Bezahlsender könnte wohl niedrigere Einkaufspreise für die Übertragungsrechte einfordern, wenn deren Exklusivität durch Konkurrenten geschmälert würde.

In der Bundesliga hält man es inzwischen für einen Fehler, dass die Premier League die Kneipenwirtin Murphy vor Gericht gezerrt hat. "Damit haben die möglicherweise ein Eigentor geschossen", sagt ein Beteiligter. Aber damit nicht genug: Auch andere Branchen dürften das Grundsatzurteil aus Luxemburg mit Spannung erwarten. Wenn die EU-Bürger in Zukunft beim Fernseh-Fußball europaweite Wahlfreiheit bekommen sollten, muss das dann nicht zum Beispiel auch für den Online-Vertrieb von Hollywood-Filmen und Musikalben gelten?



Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung von Samstag 01. Oktober 2011; Seite 12

Montag, 16. Mai 2011

Der Kampf um’s nackte Überleben



38. Spieltag
Manchester United (1.) - Blackpool
Stoke (9.) - Wigan
Wolverhampton - Blackburn
Tottenham (5.) - Birmingham

Die Meisterschaft ist zwar entschieden, der Abstiegskampf ist aber noch im vollen Gange. Gleich fünf Teams bekämpfen sich am letzten Spieltag der Premier League in vier Fernduellen und einem direkten um die noch zwei verbleibenden Abstiegsränge. Favoriten auszumachen, fällt an Hand der aktuellen Lage und des Programms für Sonntag (Anpfiff: 17 Uhr MEZ) schwer. Ein kleiner Lagebericht verdeutlicht dies.

Blackburn: Die Rovers haben es im direkten Duell gegen die Wolves selbst in der Hand. Mit einem Sieg würden die Senioren von Toni Vastic in der höchsten Spielklasse bleiben. Und selbst bei einem Remis stünden die Chancen nicht all zu schlecht, da Wolverhampton nach wie vor hinter Blackburn bliebe. Und wohl auch die restlichen Abstiegskonkurrenten, da keinem der übrigen Dreien ein Punkt reichen würde. Gegen Blackburn spricht aber die eklatante Auswärtsschwäche. Insgesamt wurden gerade mal zwölf von möglichen vierundfünfzig Punkten in der Fremde ergattert.

Wolverhampton: Für den Verein von Stefan Maierhofer zählt das Selbe wie für Sonntags-Gegner Blackburn: Mit einem Sieg wäre man durch. Genauso würde ein Remis den Wanderers sehr helfen. Die Heimstärke könnte da zum Trumpf werden. Immerhin konnten acht von bislang achtzehn Spielen im heimischen Molineux gewonnen werden, was für den Abstiegskampf keine all zu schlechte Bilanz darstellt. Zum Vergleich: Birmingham konnte auf heimischem Terrain nur sechs Spiele gewinnen, Wigan und Blackpool gar nur fünf. Das wirft die Frage auf, was wäre bei einem Nicht-Angriffspakt zwischen den Wolves und den Rovers? Beide Teams wären wohl so gut wie durch. Verlassen werden sich darauf aber weder Mick McCarthy, noch sein Gegenüber Steve Kean. Sollte nämlich tatsächlich der unwahrscheinliche Fall eintreten, dass sowohl Blackpool, Wigan als auch Birmingham gewinnen, würden Wolverhampton und Blackburn als die Deppen der Nation dastehen.

Birmingham: City ist kommenden Sonntag wohl am ehesten von den Ergebnissen der Konkurrenz abhängig. Zwar gastiert Blackpool zeitgleich bei Manchester United, bei den Tangerines lebt aber wenigstens noch die Hoffnung, dass die Red Devils bereits mit angezogener Handbremse spielen, da der Titel beschlossene Sache ist. Für den Gegner von Birmingham, Tottenham, geht es indes noch um alles oder nichts. Im Fernduell gegen Liverpool (bei Aston Villa) geht es um den fünften Rang und damit um die Qualifikation zur Europa League. Manchester City hat zwar den Cup gewonnen, anders als in Österreich, rutscht der zusätzliche Europacup-Startplatz in der Tabelle nicht einen Rang nach unten, sondern erhält ihn der zweite Cup-Finalist, in diesem Fall Stoke City. Zusätzliche Brisanz erhält die Konstellation dadurch, dass Villa ein Liverpool-Sieg wohl nicht Unrecht käme. So müssten sich wiederum die Spurs mehr reinhängen und könnten im selben Atemzug Aston Villas verhassten Stadtrivalen in die zweite Liga schießen.

Blackpool: Angesichts der Offensive steht der Premier-League-Neuling zu Unrecht unten drin. Charlie Adam und Co. stellen den sechstbesten Angriff der Liga. Die Abwehr ist aber mir Abstand die qualitativ schwächste (durchschnittlich zwei Gegentreffer pro Partie). Nüchtern betrachtet, ist der Abstieg für die Tangerines beschlossene Sache. Gegner im Abschlussspiel ist Manchester United. Dass die Gastgeber eventuell nicht mehr zu hundert Prozent bei der Sache sein werden, ist für Blackpool eine Minihoffnung. Eher zählt da schon die Auswärtsstärke des Aufsteigers. Mit fünf Siegen in der Fremde erzielte man genauso viele Siege wie Liverpool oder Man United selbst. Zudem gibt das direkte Duell ein klein wenig Anlass zur Hoffnung, konnte Blackpool gegen den Meister im Jänner zumindest die erste Halbzeit mit 2:0 gewinnen. Endstand 2:3. Ein Oben-Bleiben wäre für Blackpool bei einem Remis nur möglich, wenn gleichzeitig Birmingham an der White Hart Lange baden geht und Wigan kein besseres Ergebnis als Blackpool gelingt. Reintheoretisch könnte selbst eine Niederlage reichen, unter der Vorraussetzung, das Wigan ebenfalls verliert und Birmingham mit einem Tor mehr als Blackpool.

Wigan: Und selbst Wigan könnte bei einer Niederlage in Stoke oben bleiben. In diesem Fall müssten Blackpool und Birmingham aber eine mindestens zwei Tore höhere Klatsche kassieren, was angesichts der Gegner aber kein Ding der Unmöglichkeit ist. Die Heimstärke der Potters spielt dem Ex-Klub von Paul Scharner nicht gerade in die Karten, von den fünf potenziellen Abstiegskandidaten, kassierte Wigan aber bislang die wenigsten Auswärtspleiten.

Mittwoch, 11. Mai 2011

The Weakest Link

Im englischen Fernsehen gibt es eine Quizshow mit demselben Namen. Ziel des Spiels ist es als Gruppe durch Wissensfragen so viel Geld wie möglich zu sammeln. Zum Ende jeder Runde wird ein Spieler von seinem Team abgewählt und jener, der übrig bleibt, gewinnt die ganze Marie. Im Deutschen - vielleicht auch im Englischen - gibt es eine Redewendung, „die Gruppe ist nur so stark wie ihr schwächstes Glied“.

Während in Europas Topligen je ein Klub - oder maximal ein Duo – das Tableau überlegen anführt, sei es nun Dortmund, Milan, Manchester United/Chelsea oder Barca/Real, spielt in Österreich lange Zeit die halbe Liga um den Titel. Die Ligastärke aber auf die Qualität der Ligaspitze zu minimieren, finde ich etwas gar kurzsichtig. In Zeiten der Abramowitschs und Mateschitz’ kann man sich Erfolg ja ohnehin leicht erkaufen, sollte man meinen. Zumindest der Sprung ins Spitzenfeld gelingt aber jedenfalls, bestes Beispiel Manchester City. Die Homogenität im Abstiegskampf ist da, denke ich, eine weit intaktere. Denn in den Tiefen der Abstiegssümpfe gibt es nur selten Scheichs aus Emiraten, die ihr scheinbar überflüssiges Geld in Dorfklubs oder Vereine aus tristen Industrieperipherien pulvern. Der FC Malaga möge da ein Gegenbeweis sein, aber immerhin bestätigen Ausnahmen ja die Regel (und ist Malaga ja auch ein schönes Städtchen!). Dementsprechend könnte man die Qualität einer Liga ja wohl am ehesten an der Attraktivität und Ausgeglichenheit ihres Abstiegskampfes messen. Wenige irrationale finanzielle Einflussfaktoren von Außen, lassen das Rennen um la salvezza, wie der Ligaverbleib in Italien genannt wird, noch authentisch bleiben.

Doch wie sieht authentischer Abstiegskampf aus? Ich habe mir die Abstiegskämpfe der letzten vier Spielzeiten und der aktuellen aus England, Deutschland, Italien, Spanien, Frankreich, der Schweiz und natürlich Österreich angesehen und ein wenig analysiert. Stichtag ist genau jener Spieltag, den wir momentan in den jeweiligen Ligen haben, umso die Zahlen vergleichen zu können. Und aufgefallen ist, dass keiner der sieben Abstiegskämpfe so langweilig ist, wie jener in der österreichischen Bundesliga. Der abgeschlagene Letzte ist aber kein österreichisches Phänomen. Vor allem in Frankreich ist dies gut erkennbar, wo heuer mit Arles (26 Punkte Rückstand ans rettende Ufer), vor zwei Jahren mit Le Havre (9) und das Jahr zuvor mit Metz (18) jeweils Aufsteiger gnadenlose Rückstande gegenüber der Konkurrenz aufrissen. Vorige Saison hatte überdies Grenoble vier Spieltage vor Schluss einen 17-Punkte-Rückstand auf den ersten Nicht-Abstiegsplatz. Ein weiteres französisches Unikum ist, dass beinahe die halbe Liga im Abstiegsschlammassel steckt. Sicher muss man nun etwas vorsichtig sein; wenn man sich die aktuelle Tabelle ansieht, fällt aber auf, dass – den Spielplan nicht berücksichtigt – sogar der Sechste, Sochaux, reintheoretisch noch absteigen könnte.

In Deutschland wie in Italien ist der Abstiegskampf nicht minder turbulent. Was in Deutschland auffällt ist, dass selbst der Vorletzte zum letzten Spieltag meist noch Chancen auf den Ligaverbleib hat. Zum selben Zeitpunkt hatten in Italien (hier waren noch zwei Spieltage verbleibend) vergleichsweise nur zwei Teams dieselbe Chance (Reggina in der Saison 08/09 und Empoli im Jahr davor). Was in Italien eher auffällt ist die geringe Fluktuation im Abstiegskampf. Mit Parma, Bologna, Catania, Livorno, Torino oder Reggina gibt es gleich sechs Mannschaften die in den letzten vier Jahren und heuer gleich dreimal in Abstiegsnöte geraten waren oder sogar von selbigem ereilt wurden.

England und Spanien zeigen aber wohl die beeindruckendsten Abstiegsspektakel. In beiden Ländern haben selbst die Vorletzten noch zwei Spieltage vor Schluss zu achtzig bzw. sechzig Prozent eine theoretische Chance; der Achtzehnte ist in vier von fünf Fällen sogar nur maximal einen Punkt unter dem Strich. Bei den Letztplatzierten gibt es keine klare Tendenz. Portsmouth mit 18, Derby mit 22 und Watford mit immerhin noch elf Punkten Rückstand (zwei Spieltage vor Ende der Meisterschaft) waren schon arg abgeschlagen, der heurige Letzte West Ham oder vor zwei Jahren West Brom haben/hatten vergleichsweise minimale vier bzw. drei Zähler Rückstand. In Spanien ein ähnliches Bild: Almeria hat heuer bereits 14 Punkte Rückstand, Levante hatte 2008 ebenso viele, Gimnastic ein Jahr davor zwei weniger. Ein weiteres Indiz für einen spannenden Abstiegskampf sind die teilnehmenden Mannschaften. Auf der Insel, genauso wie in Spanien, sind etwa sechs bis sieben Mannschaften, also gut ein Drittel der ganzen Liga zum Ende der Saison nach wie vor in Turbulenzen.

Um zu enttäuschen muss die T-Mobile-Bundesliga den Vergleich mit den großen Ligen aber erst gar nicht antreten. Die schweizerische Super League beweist uns genauso, dass es auch anders ginge. Ebenfalls eine Zehnerliga, steigt auch der Letzte fix ab, der Vorletzte spielt allerdings in einer Barrage gegen den Zweiten aus der zweiten Liga. Ob sich aktuell Mattersburg gegen Altach durchsetzen würde? Der Letzte war in der Schweiz nicht minder oft mit nicht minder großen Punkteabstand abgeschlagen wie bei uns; durch die Relegation gestaltete der Neunte aber einen, wenn auch inszenierten, Abstiegskampf etwas spannender. So hatte lediglich vorige Saison Bellinzona einen Batzenrückstand als Vorletzter auf den Achten; ansonsten betrug dieser zum letzten Mal 06/07 mehr als zwei Punkte, bei immer noch vier verbleibenden Paarungen. Der Rest der Super League tat ihr bestes nicht unter den Strich zu rutschen, heuer sind nach wie vor der Achte Xamax und theoretisch auch noch der Siebte Grasshoppers in Abstiegsgefahr.

In unserer Liga ist wohl die Grüppchenbildung eine Spezialität. Die Endtabelle der vergangenen Meisterschaft zeigte das Spitzentrio Red Bull, Austria und Rapid innerhalb von drei Punkten. Sturm hatte als Vierter schon 15 Punkte Rückstand auf Rapid, Magna wiederum elf auf Sturm. Mattersburg und der LASK lagen dann beide bei 41 und 40 Zählern, Ried bei 38 zusammen, Kapfenberg dann aber wieder weiter zurück mit 33. Der Abstieg der Kärntner mit mickrigen 15 Zählern war schon zur Winterpause beschlossene Sache.

Lösungen oder ob man überhaupt eine Lösung für den fehlenden Abstiegskampf braucht, ob man überhaupt einen Abstiegskampf braucht, amerikanische Vorbilder ohne Abstieg, traurig aber wahr, es wurde alles schon diskutiert. Ich denke, dass es dem österreichischen Fußball gut tun würde, mehr Fluktuation in die Liga zu bringen. Die finanzielle Sicherheit der Klubs muss gleichzeitig aber gegeben werden, sonst erhöht sich die Zahl der Insolvenzen genauso.