Fünf Jahre wird der Übergangszeitraum andauern bis das von der Uefa initiierte Financial Fairplay (FFP) ab der Saison 2018/19 schließlich in Kraft tritt. Bis dahin dürfen die Ausgaben der Klubs deren Einnahmen weiterhin übersteigen, bis 2015 um 45 Millionen Euro pro Spielzeit. Schrittweise muss dieses Defizit auf 30 Millionen Euro zurückgeschraubt werden. Ab Inkrafttreten des FFP darf der Jahresfehlbetrag maximal fünf Millionen Euro betragen.
Für die wenigsten Vereine außerhalb der Big Five dürften diese Regelungen also von besonderer Relevanz sein. Das wären eine Handvoll weniger Großer aus der Peripherie - Porto, Ajax, Anderlecht oder die russischen Großklubs -, die zum Großteil aber schon jetzt zunehmend auf eigenständige Spielerentwicklung setzen, anstatt fertiges Personal anzuheuern. Und auch Klubs, welche unter Mäzenschutz stehen - Salzburg beispielsweise - dürften die neuen Regelungen tangieren. Lokeren, Nijmegen oder Vitoria Guimaraes dürften auf Grund ihrer bescheidenen Budgets wohl eher keine Kandidaten für Defizite in solchen Höhen sein.
Ob das FFP die finanziellen Exzesse am Transfermarkt in den Griff bekommen wird, wage ich zu bezweifeln. Der Kritikpunkt, welcher für ein reibungsloses Ablaufen teilweise diversifiziert werden müsste, sind die Sponsoringeinnahmen. In Anbetracht des Anteils der Sponsoringeinnahmen an den Gesamtbudgets, ist nur all zu verständlich, dass dieser Posten in die Kalkulation aufgenommen wird. Fakt ist aber auch, dass Gelder von Mäzenen, welche grundsätzlich nicht in der FFP-Einnahmenkalkulatur berücksichtigt werden sollten, als getarnte Sponsoringposten sehrwohl dort auftauchen könnten. Insofern würde dies die Position von Mäzenvereinen am Transfermarkt auf Grund einer nach oben gepushten Ausgabengrenze deutlich stärken.
Sollte es tatsächlich zu diesem Szenario kommen, dürfte der langfristige Trend so aussehen, dass sich immer mehr Vereine in Abhängigkeit eines geldstarken Besitzers oder Konsortiums veräußern. Dies würde zusätzliches Geld in den Markt pumpen und hätte wiederum zur Folge, dass sich die Potenziale sämtlicher Vereine auf einem höheren finanziellen Niveau befänden und letzten Endes das FFP nur ein sehr schwaches Mittel zur Bändigung überbordender Ablösesummen und Gehaltszahlungen wäre. Auf kurze Sicht mag dies dennoch attraktiv wirken, da im möglichen Falle einer Insolvenz ein vermeidlich liquider Geldgeber einspringen könnte. Die Beispiele Portsmouth, oder jüngst Xamax Neuchatel und Servette Genf beweisen jedoch das Gegenteil. Außerdem herrscht stets Ungewissheit - sofern nicht rechtlich vorab geklärt -, wie die in die Höhe getriebenen Gehälter bei einem Rückzug des Eigners weiter finanziert werden sollten.
Grundsätzlich gibt das FFP aber den richtigen Weg vor. Andere Ideen hören sich nett an, schaffen aber entweder im Wettbewerb zwischen den Spielern (Kaderrestriktionen) oder zwischen den Ligen (Salary Caps) massive Benachteiligungen. Was jedoch viel wichtiger wäre, ist ein rigoroses Lizenzverfahren, welches mehrmalige Verluste nicht billigt. Und keinen Unterschied zwischen Tradition und Retorte kennt.
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Sonntag, 25. März 2012
Donnerstag, 5. Januar 2012
Internetfirmen pokern um Fußball-Rechte
Yahoo zeigt Interesse an der Bundesliga, Apple und Google wollen angeblich britische Spiele übertragen.
Siebenhaar, Hans-Peter
Hans-Peter Siebenhaar Düsseldorf Führende Internet-Konzerne drängen in das Geschäft mit Fußball-Übertragungen. So pokert der krisengeschüttelte Internetkonzern Yahoo um die Rechte der Fußball-Bundesliga ab der Saison 2013/14 für die nächsten vier Spielzeiten. "Wir sind an allen Highlight-Paketen aus der ersten und zweiten Bundesliga interessiert", sagte Yahoo-Deutschland-Chef Heiko Genzlinger dem Fachmagazin "Sponsors".
Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) darf nach einer Entscheidung des Kartellamts im Juni 2011 erstmals ein Rechtepaket anbieten, das am Samstag eine frühe Highlight-Berichterstattung im Internet und auf mobilen Endgeräten ermöglicht. Das will Yahoo nutzen. Allerdings wird die Suchmaschine nicht gegen die ARD im Kampf um die "Sportschau" am frühen Samstagabend antreten. "Wenn die ARD das Paket für die 18.30-Uhr-Sportschau im Free-TV haben will, werden wir als wirtschaftlich getriebenes Unternehmen, das die Kosten refinanzieren muss, keine Chance haben. Es muss alles auch wirtschaftlich Sinn machen", sagt Genzlinger. Realistisch sei für Yahoo daher das Paket ab 21.45 Uhr. Die ARD hatte für die Zusammenfassung zuletzt pro Saison nach Branchenangaben rund 100 Millionen Euro gezahlt, davon 75 Millionen für die "Sportschau". Dieser Preis ist von privaten Konkurrenten über Werbespots nicht refinanzierbar.
Beim Poker um die Live-Rechte wird es der bisherige Rechteinhaber Sky offenbar auch diesmal leicht haben. Denn die DFL hat bislang keine ernstzunehmenden Konkurrenten aufgetan. Sky hatte für die Live-Rechte zuletzt 250 Millionen Euro pro Saison gezahlt.
Yahoo ist aus Geldgründen an den Live-Rechten nicht interessiert. Genzlinger glaubt nicht, dass sich die Fans vor den Computer setzen, um die Spiele in Echtzeit zu genießen. "Wir denken nicht, dass die Mehrheit der Nutzer bereit dafür ist. Wir glauben zwar, dass man mit Live-Rechten Reichweiten generieren kann, aber ich bin Realist. Bei der Frage, ob ich mir Live-Spiele am großen Flat-TV oder am Laptop anschaue, würde ich den Fernseher immer vorziehen."
In Großbritannien sendet Yahoo bereits seit der Spielzeit 2010/11 ab Montag einen vierminütigen Videoclip von der Premier League. Für die Mini-Rechte zahlt der Konzern zehn Millionen Euro pro Spielzeit.
Künftig wollen Internetkonzerne in Großbritannien eine größere Rolle spielen. So ist nach einem Bericht der Zeitung "Daily Mirror" der Elektronikriese Apple an den Übertragungsrechten der britischen Fußball-Liga Premier League interessiert. Der Konzern will damit den Absatz seines bislang wenig erfolgreichen Apple TV und den Verkauf des iPads fördern. Auch die Suchmaschine Google wird als Interessent für die wertvollsten Rechte im britischen Fernsehgeschäft genannt.
Quelle: Handelsblatt von Donnerstag, 05. Jänner 2012; Seite 25
Donnerstag, 20. Oktober 2011
Stadionbau: Ein bisschen Spektakel ist erwünscht
Die Fußball-WM in Katar findet zwar erst 2022 statt - über die Stadien-Neubauten wird aber schon heute diskutiert. Zwei Architekten über Sinn und Zweck solcher Bauten.
Es gibt Fußballstadien, die schauen aus wie Fußballstadien. Und dann gibt es welche, die vor allem eines sind: spektakulär. Die Stadien, die für die WM 2022 in Katar gebaut werden, fallen in die zweite Kategorie. Entworfen wurden sie vom Frankfurter Architekturbüro Albert Speer. Doch wer braucht solche (sportlichen) Kunstwerke? Und wie viel Eitelkeit seitens der Architekten ist hier im Spiel? Antworten auf diese Fragen lieferten Andreas Hild von Hild und K Architekten in München und Axel Bienhaus vom Architekturbüro Albert Speer auf der Expo Real.
„Das Problem ist das Denken in Bildern“, sagt Hild, der diese „Spektakulär-Architektur“ kritisch sieht. „Was ein Gebäude können muss, das zählt nicht - sondern nur, wie es ausschaut.“ Er ist überzeugt: „Auf Spektakularität können wir verzichten.“ Bewährte Architektur kann durch solche Projekte nicht ersetzt werden. „Zwischendurch kann das mal sein, etwa um eine Vision zu formulieren“, sagt Hild.
Wie bewohnbar ist das?
Bienhaus sieht das ähnlich. „In erster Linie kommt es darauf an, welche Funktion ein Objekt erfüllen muss. Bei vielen Projekten frage ich mich aber: Was können die? Warum muss das Haus schwimmen? Wie bewohnbar ist das?“ Laut Hild muss zukunftsweisende Architektur in der Lage sein, Dinge am Standard zu lösen. „Bevor wir Städte in den Untergrund oder auf das Wasser legen, sollten wir die städtebaulichen Probleme von heute lösen.“
Doch der kritische Zeigefinger muss längst nicht bis nach Katar zeigen. Auch in Deutschland hat man sich an spektakulärer Sportarchitektur versucht - siehe Allianz Arena in München. „Da wollte sich Bayern München auch in der Architektur wiederfinden. So viel anders ist das in Katar nicht“, sagt Bienhaus. Kritik an den WM-Stätten in Katar musste er sich schon des Öfteren anhören - nachvollziehen kann er sie nicht. Themen wie Nachhaltigkeit und Kapazitätsauslastung nach der WM wurden immer in die Planung einbezogen. „Wir wollten nie eine Sportinfrastruktur schaffen, die dann ungenutzt in der Wüste steht.“ Die Standortauswahl ist demnach ein wesentlicher Aspekt bei der Nachhaltigkeit.
Große Chancen
„Schwimmende Stadien“ wie das von Architekt Michael Burt sind laut Bienhaus nur auf den ersten Blick eine Alternative zum Neubau. „Es geht um sehr viel mehr - um Infrastruktur, um Wohnungen. All das löse ich nicht, wenn ich ein Stadion auf einem Schlauchboot ranschleppe.“ Laut Bienhaus würden Städte dadurch eine große Chance vertun. In London wurden gleich mehrere einst schwierige Stadtteile im Hinblick auf die Olympischen Spiele 2012 aufgewertet. Ohne hin sei der Stadionbau nur ein sehr kleiner Teil eines sportlichen Großprojekts.
Probleme mit der Nachnutzung gibt es nur, wenn Strukturen geschaffen werden, die nicht auf den lokalen Markt zugeschnitten sind. Deutschland habe das geschafft - in Südafrika ist das nicht gelungen. Bienhaus: „In Katar werden die Stadien an „Entwicklungs-Hotspots“ errichtet und sicher nicht in einer Sackgasse.“ Dennoch bestätigt er, dass Sportprojekte immer schwierige Immobilienprojekte sind. „In der Regel spielen sie nicht ein, was sie kosten. Das ist eine Investition in das Gemeinwesen, die sich nicht hundertprozentig rechnen muss.“
Info-Box: WM-Stadion um 2,2 Milliarden €
„Expect Amazing“ lautet der Slogan der Fußball-WM in Katar. Ein Blick auf die Stadienentwürfe zeigt: Hier wird nicht zu viel versprochen. Drei Stadien werden ausgebaut, neun neu errichtet. Entworfen wurden sie vom deutschen Architekturbüro Albert Speer & Partner. Die Planer versprechen: Wir werden die ersten CO 2-neutralen Stadien der Erde bauen.
Ein Großteil der benötigten Energie soll aus Solartechnik bezogen werden. Die Höchsttemperatur in den Stadien wird 27 Grad nicht überschreiten. „Wir hätten das Projekt nicht gemacht, wenn es nicht ein gescheites Konzept für die Klimatisierung oder auch ein ausgeklügeltes Verkehrskonzept gegeben hätte“, sagt Axel Bienhaus, Architekt von AS & P (siehe Artikel oben).
Alle Stadien werden innerhalb einer Stunde erreichbar sein - die Wege werden demnach so kurz wie nie zuvor sein. Ein Metro-Netz mit einer Gesamtlänge von 320 Kilometern wird derzeit von der Deutschen Bahn AG geplant und 2021 fertig gestellt sein. Einige Stadien werden auch per Wassertaxi erreichbar sein. Schätzungen zufolge kosten die Stadien zwischen 2,2 und 3 Milliarden €.
Wasserstadion. Warum Sportstätten neu bauen, wenn sie ohnehin nach wenigen Wochen wieder leer stehen, dachte Architekt Michael Burt vom Technion Isreal Institute of Technology. Er hat ein schwimmendes Stadion in Leichtbauweise für bis zu 150.000 Zuschauer entworfen, das auf dem Seeweg zu den Austragungsorten gebracht werden kann. Für die Verbindung zum Land sollen Piers und Pontonbrücken sorgen. Unklar ist freilich, wer das „wieder verwertbare“ Stadion finanziert und zwischen den Events in Schuss hält.
Quelle: Wirtschaftsblatt von Freitag, 14. Oktober 2011; Seite 13
Mittwoch, 12. Oktober 2011
Richter Rasen begrünt polnische Fußballstadien
Deutsch Brodersdorf. Wenn kommenden Sommer die Bilder der Fußball-EM in Polen und der Ukraine übertragen werden, wird darauf auch ein Stückchen Deutsch Brodersdorf zu sehen sein. Denn so manche Rasen läche, die bei der EURO 2012 zum Einsatz kommt, stammt von dort bzw. genau genom en aus Parndorf oder einem Vorort von Bratislava, wo die Richter Rasen GmbH mit Sitz in Deutsch Brodersdorf ihre Anbauflächen hat.
So hat das niederösterreichische Unternehmen bereits die ukrainischen EM-Stadien Kiew, Donezk und Lemberg mit seinem Fertig asen ausgestattet. Aufträge aus Polen sollen noch folgen: "Wir verhandeln derzeit und sind recht zuversichtlich, dass man auch in Polen auf unseren Rasen zurückgreift", sagt Alexander Richter, der den 1906 gegründeten Familienbetrieb in vierter Generation führt.
Holländer am Zug. Derzeit freilich sind in Polen die Holländer am Zug. Sie haben etwa für die Spielarena Danzig Rollrasen geliefert. Richter: "Aber bis zum Frühjahr werden die Polen vielleicht draufkommen, dass der holländische Rasen zwar billiger ist, aber nicht dieselbe Qualität hat." Und dann könnten die Fußballfelder sehr rasch mit Richter Rasen, der laut Eigenangaben von der UEFA als Qualitäts monopolist für Fußballrasen eingestuft wurde, begrünt werden. Richter: "Der Rasen ist im Vergleich zum Hochbau ja günstig. Aber wenn der Rasen nicht stimmt, bringt das einen Imageschaden." Durchschnittlich kostet ein Fußballrasen (inklusive Aufbau und Bodenheizung) zwei Millionen €. Erfahrung in Polen hat das Unternehmen, das etwas mehr als 40 Mitarbeiter zählt, schließlich schon. In der Vergangenheit hat es bereits zwölf polnische Fußballstadien mit Fertigrasen bestückt.
Quelle: Wirtschaftsblatt von Montag, 10. Oktober 2011; Seite 9
Donnerstag, 6. Oktober 2011
Die Bundesliga plant die Energiewende
Nach Jahren des Zögerns investieren deutsche Fußballklubs verstärkt in Umwelttechnik für ihre Sportstätten.
Ingmar Höhmann. Köln. Der Anlagenbauer Imtech hat Platz eins im Blick. Das Hamburger Unternehmen will das Stadion des HSV zur energieeffizientesten Arena der Fußballbundesliga machen. Seit 2010 ist Imtech Namenssponsor der Sportstätte - und hat diese auf Energieeffizienz getrimmt: Eine bessere Rasenheizung, neue Lampen und moderne Gebäudetechnik helfen nun beim Stromsparen. Binnen acht Monaten sank der Energieverbrauch um 35 Prozent. Für den HSV rentiere sich das Projekt nach zwei bis drei Jahren, sagt Rolf-Jürgen Merz, Direktor des Kompetenzzentrums Stadion- und Arenatechnik bei Imtech. „Jeder Stadionbetreiber, der das wirtschaftliche Potenzial beim Energiesparen nicht erkennt, lässt richtig Geld liegen.“
Ein grünes Stadion im hohen Norden - bei den Betreibern von Sportstätten stößt das HSV-Projekt auf Interesse. Diese Woche beginnt Imtech mit der Modernisierung der Mercedes-Benz Arena des VfB Stuttgart, bei weiteren großen Stadien stehen die Verhandlungen vor dem Abschluss.
Solarmodule auf dem Stadiondach. „Das Thema steht bei Vereinen und Kommunen ganz oben auf der Liste“, sagt Joachim Thomas, Vorsitzender der Vereinigung deutscher Stadionbetreiber. Ein Vorzeigeprojekt ist die neue Coface Arena in Mainz: Hier ist etwa Wärmerückgewinnung von Anfang an Teil der Planung, auf dem Stadiondach stehen 11000 Solarmodule. Ein Vorreiter in Sachen Energieeffizienz ist der FC Augsburg, der seine SGL Arena bereits 2007 umbauen ließ.
Dass sich Investitionen in ältere Stadien so rasch amortisieren zeigt auch, dass Energieeffizienz lange keine große Rolle spielte. „Im WM-Jahr 2006 hatte Deutschland zwar die funktionalsten, aber nicht die effizientesten Arenen der Welt“, sagt Natalie Eßig, Leiterin der Arbeitsgruppe Sportstättenbau bei der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB). „Beim Bau standen die Themen Umwelt und Energie nicht im Mittelpunkt. Viel wichtiger war es etwa, die Stadien rechtzeitig fertigzustellen.“
Dabei gab es schon Vorbilder: Die Olympischen Spiele 2000 in Sydney hatten Maßstäbe gesetzt. Solardächer lieferten Strom, Energiesparlampen waren Standard und Wassertanks speicherten Regen. „Wer ein Stadion nachhaltig betreiben will, muss mehr tun als einen Ökostromanbieter wählen", sagt Eßig. "Dazu zählen umweltfreundliche Baumaterialien, wassersparende Armaturen, der Verzicht auf beheizte Außensitze und eine nachhaltige Abfallbewirtschaftung.“
Weil Standards fehlen, lässt sich eine aussagekräftige Ökobilanz von Stadien bislang nicht ermitteln. Die DGNB will Abhilfe schaffen und arbeitet an einem Siegel für nachhaltige Sportstätten. Auch Verbände helfen weiter. Der Landessportbund Hessen berät Klubs und Kommunen beim Betrieb ihrer Sportstätten in Energie- und Umweltfragen. Für die Finanzierung von Umbauten bietet das Land Fördermittel.
Der Versorger Mainova hat auch für die Fans ein Angebot. In der Tiefgarage der Commerzbank-Arena von Zweitligist Eintracht Frankfurt hat er zwei Tankstellen für Elektroautos eingerichtet. Besucher können hier ihre Autobatterie mit Ökostrom aufladen. Für Mainova ist die Aktion auch Werbung für die jüngst verlängerte Partnerschaft mit der Eintracht. Seit Juli versorgt das Unternehmen die Arena mit Strom, Gas und Wasser - nach eigenen Angaben komplett CO2-neutral.
Quelle: Handelsblatt von Donnerstag, 06.Oktober 2011; Seite 52
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Mittwoch, 5. Oktober 2011
Fernsehen ohne Grenzen
Von Hans-Jürgen Jakobs
Immer diese Griechen. Bislang hatte die Regierung in Athen europäische Verwirrung ausgelöst, mit ihren nicht gehaltenen Versprechungen in Sachen Staatshaushalt. Nun macht ein griechischer Pay-TV-Anbieter namens Nova in Europa von sich reden, weil er für kleines Geld die Senderechte an der großen englischen Fußballliga gekauft hat. Die Decoderkarte dieser Firma kann auch in Großbritannien eingesetzt werden, wo der Fußballverband die dort kostbaren Rechte natürlich für wesentlich mehr Geld an das britische Fernsehen verkauft.
Aus diesem Umstand zog Karen Murphy einen Nutzen. Die Dame aus Portsmouth dürfte die derzeit bekannteste Gastwirtin des Landes sein, weil sie recht bekam vor dem Europäischen Gerichtshof und weiter mit Hilfe der billigen griechische Decoderkarte den teuren englischen Fußball ansehen darf - in Großbritannien. Sie spart so fast 4700 Euro im Jahr an Gebühren, die der Londoner Pay-TV-Betrieb BSkyB gerne kassiert hätte. Er hat vom Verband ein Exklusivrecht für Großbritannien bekommen.
Solche nationalen Privilegien gibt es aber in einem Binnenmarkt nicht, der vom freien Verkehr von Waren und Dienstleistungen ausgeht. Es gibt eben nicht nur eine gemeinsame Währung, es gibt auch eine gemeinsame Wettbewerbsphilosophie. Auch Pay-TV-Zuschauer müssen demnach die Chance haben, das billigste Angebot konsumieren zu können. Auswahl ist die Würze der Marktwirtschaft. Das müsste dann im Übrigen auch für die Spielfilme und TV-Programme der großen Hollywood-Studios gelten, die in Europa zu ganz unterschiedlichen Preisen verkauft werden.
Das europaweite Monopolwesen bei Fußball und Fernsehen, einem der hochattraktiven Produkte der Unterhaltungswirtschaft, verstößt erkennbar gegen die Logik des Binnenmarkts. Es stimmt ja: Wenn jeder in der Europäischen Union sich ein Auto oder eine Tablettenschachtel aus dem Ausland besorgen kann, ist es schwer einzusehen, warum dies nicht auch bei Bezahlfernsehprogrammen gelten soll. Europa kann nicht in abgeschottete Einzelmärkte aufgeteilt werden. Die "ganz gefährlichen Zeiten", die jetzt angeblich auf den europäischen Fußball zukommen, wie FC-Bayern-München-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge vermutet, werden wohl auch nicht anbrechen.
Es bleibt ja dabei, dass auf wichtigen TV-Märkten die Fußball-Verbände zentral für die Klubs die wertvollen Rechte vermarkten und dabei in einem Bieterwettstreit die interessierten Sender hochjagen. In diesem exklusiven Kreis ist es ganz einfach, mit den Folgerungen aus dem Europa-Urteil zum Pay-Fernsehen fertig zu werden: Man muss nur die Bedingungen ein wenig ändern, beispielsweise, indem man hohe Mindestpreise vorschreibt oder gleich paneuropäische Rechte für den Kontinent vergibt. Wenn Frau Murphy in ihrer Kneipe "Red White & Blue" dann also weiter mit der griechischen Firma Nova im Geschäft bleiben würde, müsste die den gleichen Preis wie bei BSkyB zahlen, was natürlich keinen Sinn macht. Da kann sie auch wieder den englischen Anbieter wählen, dem sie einst gekündigt hat.
In Wahrheit ist, wenn das Urteil des Europäischen Gerichtshofs später vom High Court in London bestätigt wird, nur das Auslandsgeschäft eines Fußball-Verbands beeinträchtigt. Denn warum sollten die griechischen Sportbegeisterten so viel Geld für die Premier League ausgeben wollen wie die Fans in England?
In Deutschland geht es um rund 30 Millionen Euro. Das ist die Summe, die von der Deutschen Fußball-Liga (DFL) jährlich für die Klubs im europäischen Ausland erwirtschaftet wird. Sie dürfte kräftig sinken. Das ist wirtschaftlich eine Einbuße, die Fußball-Landschaft würde bei einem DFL-Gesamtumsatz von 400 Millionen Euro aber nicht verändert. Die Auswirkungen sind, Stand heute, nicht zu vergleichen mit jenen des berühmten Bosman-Urteils von 1995: Es legte fest, dass Profifußballer nach Vertragsende ablösefrei zu einem anderen Klub wechseln dürfen, und Restriktionen für ausländische Kicker in den jeweiligen nationalen Ligen verboten sind. Auch hier hatte der Europäische Gerichtshof entschieden, und zwar im Fall des belgischen Fußballers Jean-Marc Bosman.
Für die Fußball-Fernsehbranche gilt jetzt also nicht Murphys Gesetz ("alles, was schiefgehen kann, wird auch schiefgehen"). Wer sich vom Sieg der Pub-Besitzerin Karen Murphy verspricht, dass künftig die Abonnentenpreise einbrechen, weil es zu einem lebhaften Wettbewerb kommt, der wird enttäuscht werden. Die Preise würden nur sinken, wenn viele Sender um die Rechte vieler Klubs rangelten, also das System der Zentralvermarktung ins Wanken gebracht würde. Das ist aber nicht zu sehen.
Zunächst werden nur die Rechte-Inhaber viel Arbeit bekommen, viele Anwälte werden sich über Extraerlöse freuen dürfen. Das Urteil ist eine Überraschung, eine Revolution löst es nicht aus. Von daher gesehen ist die Aktie des deutschen Pay-TV-Anbieters Sky am Dienstag zu früh abgestraft worden: Sie büßte zwischenzeitlich um bis zu zehn Prozent ein.
Quelle: Süddeutsche Zeitung von Mittwoch, 05. Oktober 2011; Seite 4
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Sonntag, 2. Oktober 2011
Fußball im Fernsehen könnte für die Fans billiger werden
Generalanwältin am EuGH hält die Verkaufspraxis der Fernsehrechte für Verstoß gegen die Dienstleistungsfreiheit
theu. LONDON, 30. September. Eine Kneipenwirtin aus dem englischen Portsmouth könnte zum Schrecken des europäischen Profifußballs werden. Karen Murphy wollte in ihrem Pub "Red White and Blue" die Spiele der englischen Premier League zeigen. Aber die streitbare Gastwirtin sah nicht ein, dem britischen Bezahlsender BSkyB für die entsprechende Lizenz rund 10 000 Pfund im Jahr zu überweisen. Deshalb besorgte sich Murphy einen Satelliten-Decoder des griechischen Abonnementsenders Nova, der die Premier League ebenfalls zeigte, aber nur einen Bruchteil der Sky-Gebühren verlangte - und der Ärger begann. Nach jahrelangem Rechtsstreit will am Dienstag der Europäische Gerichtshof in Luxemburg sein Urteil in dem Präzedenzfall verkünden. Es könnte im Milliardengeschäft des europäischen Fußballs ein Erdbeben auslösen.
Wenn Karen Murphy recht bekomme, stünden dem Profifußball "gefährliche Zeiten" bevor, warnt Karl-Heinz Rummenigge, der Vorstandschef des deutschen Rekordmeisters FC Bayern München, und prophezeit ein ruinöses "Preis-Dumping" im Verkauf von Fernsehübertragungsrechten. Der Präsident des europäischen Fußballverbands Uefa, Michel Platini, fürchtet, dass das Urteil "die ganze Fußball-Landschaft verändern" könnte. Die Gastwirtin Murphy interessiert das allerdings wenig: "Wenn ich ein Auto kaufen will, kann ich zu jedem Händler in jedem Land gehen. Wenn ich Fußball sehen will, kann ich nur zum Sky-Händler gehen und muss dort zehnmal mehr zahlen."
Das Urteil des höchsten europäischen Gerichts wird mit Spannung erwartet und die Vorzeichen sind für die Fußballbranche nicht günstig. Die zuständige Generalanwältin Juliane Kokott hat sich im Februar in ihrem Schlussantrag auf die Seite der Gastwirtin gestellt und die Luxemburger Richter folgen in der Mehrheit der Fälle dieser Empfehlung. Aus Sicht der deutschen Juristin Kokott verstößt die Premier League gegen die Dienstleistungsfreiheit in der EU, wenn sie die Pub-Wirtin daran hindern will, die Fußball-Übertragungen vom Anbieter ihrer Wahl zu beziehen. Der Fußballverband versuche damit, den europäischen Binnenmarkt zu unterlaufen. Die Premier League selbst pocht dagegen auf ihren Urheberrechtsschutz: Der griechische Bezahlsender verstoße gegen vertragliche Vereinbarungen, wenn er auch Abonnenten in England bediene.
Für Fußballvereine und Fans geht es um viel Geld. Wenn die Premier League tatsächlich unterliegen sollte, dürften die Abonnementpreise im europäischen Bezahlfernsehen auf breiter Front purzeln. Denn bisher können die Fußball-Ligen durch den Verkauf von exklusiven Übertragungsrechten in den einzelnen Ländern Monopole schaffen. In Zukunft könnten die Richter dagegen einen europaweiten Wettbewerb erzwingen. Bundesliga-Fans können dann möglicherweise Bezahlfernseh-Abonnements nicht nur beim deutschen Sky-Ableger, sondern auch bei ausländischen Anbietern abschließen, die internationale Übertragungen via Satellit oder Internet anbieten. Mehr Konkurrenz aber lässt auf niedrigere Preise hoffen.
Was die Fans freut, ist für die Vereine ein finanzieller Albtraum. "Die Preise für Übertragungsrechte würden massiv unter Druck geraten", heißt es in Branchenkreisen. Damit würde eine der wichtigsten Ertragssäulen des Profifußballs wegbröckeln: In Deutschland machen die Fernseherlöse knapp ein Drittel der Gesamteinnahmen der Clubs aus. In Großbritannien, Frankreich und Italien sogar mehr als die Hälfte.
In der Zentrale der Deutschen Fußball Liga hieß es am Freitag zu dem brisanten Rechtsstreit nur: "kein Kommentar". Auch Sky hält sich kurz vor der Urteilsverkündung bedeckt. "Aus jeder möglichen Veränderung ergeben sich neben Risiken auch Chancen", sagte ein Unternehmenssprecher lediglich. Der Bezahlsender könnte wohl niedrigere Einkaufspreise für die Übertragungsrechte einfordern, wenn deren Exklusivität durch Konkurrenten geschmälert würde.
In der Bundesliga hält man es inzwischen für einen Fehler, dass die Premier League die Kneipenwirtin Murphy vor Gericht gezerrt hat. "Damit haben die möglicherweise ein Eigentor geschossen", sagt ein Beteiligter. Aber damit nicht genug: Auch andere Branchen dürften das Grundsatzurteil aus Luxemburg mit Spannung erwarten. Wenn die EU-Bürger in Zukunft beim Fernseh-Fußball europaweite Wahlfreiheit bekommen sollten, muss das dann nicht zum Beispiel auch für den Online-Vertrieb von Hollywood-Filmen und Musikalben gelten?
Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung von Samstag 01. Oktober 2011; Seite 12
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Montag, 26. September 2011
Skidata punktet mit Hooligan-Ausschluss
SALZBURG Zutrittssystem-Hersteller stattet Hälfte der Stadien für EURO 2012 aus
Skidata geht unter die Profiler: Eine Innovation des Zutrittssystem-Herstellers sperrt unerwünschte Fans aus Stadien gnadenlos aus. Polen und Ukraine setzen bei der EM drauf.
Grödig. Skidata stattet vier der acht Stadien der nächstes Jahr stattfindenden Fußball-Europameisterschaft in Polen und der Ukraine aus, darunter das neue Nationalstadion in Warschau. Wenn dort am 8. Juli das Eröffnungsspiel angepfiffen wird, sitzen mit höchster Wahrscheinlichkeit keine amtsbekannten Hooligans unter den 58.000 Fans.
Dafür sorgt der Zutrittssystem-Hersteller aus Grödig mit rigo roser Gesichtskontrolle. So muss sich jeder Kartenkäufer fotografieren und am Stadion ingang per Kamera vollautomatisch identifizieren lassen. Stimmen die Bilder nicht überein oder ist die Person unerwünscht, bleibt das Drehkreuz zu. "Die Fotokontrolle ist eine Weltneuheit und das Highlight, das uns wieder zum Hauptausstatter bei inem Fußball-Großereignis gemacht hat", sagt Skidata-Pressesprecherin Sabine Hölzl. Die mit dem tschechi chen Spezialisten für Sicher eits-IT Intergoo entwickelte Lösung verhindert auch die Weitergabe von Saisonkarten -Hooligans schwindeln sich so oft in die Stadien. Den Auftragswert für die EM 2012 beziffert Skidata-Vorstands vorsitzender Charles Egli mit drei Millionen €. Skidata hat seit der WM 2006 in Deutschland jeweils mindestens die Hälfte der Zutrittsaufträge erhalten. Der Salzburger Lokalrivale Axess zog die Bewerbung zurück. "Uns war der Modus in Polen und der Ukraine zu kompliziert. Wir statten lieber andere aus, wie Mainz, Bochum, Dresden, Bukarest, Cluj und Galatasaray Istanbul", spricht Axess-Sprecher Robert Gruber andere bekannte Fußball-Player an.
Umsatz gedreht
2011 sei insgesamt ein gutes Skidata-Jahr, sagt Egli. "Der Umsatz ist wieder leicht im Plus." Im Vorjahr war der Salzburger ALC-Sieger von 2008 und 2009 laut Bilanz des Mutterkonzerns Kudelski um 4,3 Prozent auf 146,5 Millionen abgesackt. Die Mitarbeiterzahl stieg von 600 auf 610.
Quelle: Wirtschaftsblatt von Montag, 26. September 2011; Seite 5
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Montag, 29. August 2011
Es riecht nach Fisch
Es ist wohl nur noch eine Frage der Zeit bis Anzhi Machatschkala auch durch sportliche Erfolge auf sich aufmerksam macht. Der aktuell Tabellenvierte der russischen Premjer-liga sorgte in den vergangenen Wochen wegen der Traumofferte für den Kameruner Samuel Eto’o europaweit für Schlagzeilen. Der Interista hat vergangene Woche endlich den Kontrakt beim Klub aus Dagestan unterschrieben und avancierte mit seinem Autogramm zum Bestverdiener der weltweiten Kickerriege. Und das als Dreißigjähriger, wo sich die Leistungskurve beim Großteil der Aktiven schön langsam wieder nach unten orientiert. Schlappe Sechzig Millionen soll Eto’o in den nächsten drei Jahren verdienen. Eine pervers anmutende Summe, wenn man bedenkt, dass in Ostafrika gerade zwölf Millionen Menschen Hunger leiden und ihnen mit ein paar Euros schon einige Wochen geholfen wäre.
Dass hinter Anzhi, ins Deutsche übersetzt „Perle“, natürlich ein Gönner steht, konnte man sich fast denken. Suleiman Kerimows Privatvermögen bezifferte sich 2008 noch auf 17,5 Milliarden US-Dollar. Nach der Krise sollen es laut Forbes-Magazin „nur noch“ 3,1 Milliarden sein, dennoch zählt der Lesgier nach wie vor zu den reichsten Russen. Diesen Reichtum mag er aber nicht nur mit seinem neuesten Sternchen Eto’o teilen. Bereits seit längerer Zeit verteidigt der mittlerweile 38-jährige Roberto Carlos für die Perle aus Dagestan und wird dafür fürstlich entlohnt. Mittlerweile spielen noch drei andere Brasilianer für Kerimow. Im Winter wechselte der Innenverteidiger Joao Carlos aus Genk an den Kaukasus, genauso wie Jucilei, der Abräumer vor der Abwehr. Er kam für satte zehn Millionen Euro von den Corinthians aus Sao Paulo. Der Vierte im Bunde heißt Diego Tardelli. Der 26-jährige Angreifer kostete vergleichsweise schlappe fünf Millionen Euro und stürmte bereits für Betis und die PSV Eindhoven. Dass im Winter weiters der Mittelfeldspieler Mbark Boussoufa für acht Millionen Euro von Anderlecht und im Juli für 14 Millionen Euro der ungarische Teamstürmer Balázs Dzsudzsák von der PSV kamen, ging im Transferrummel gänzlich unter.
Mit der Verpflichtung Eto’os setzt Anzhi neue Maßstäbe im Wettrüsten um sportlichen Ruhm. Die Abramowitschs dieser Welt müssen sich vor den Kopf gestoßen fühlen. Mit Malaga und Paris Saint-Germain agierten diesen Sommer zwei neue Vereine in Investorenhand am Transfermarkt äußerst aggressiv. Wirtschaftliche Interessen haben die Paten hinter ihren Investments eher keine. Denn weder Scheich Mansour bin Zayed Al Nahyan von Manchester City, noch Sheikh Abdullah Al Thani von Malaga oder der Emir von Katar, der PSG unterstützt, haben wohl die Muße noch reicher zu werden. Kerimow oder Abramowitsch sind da wohl keine Ausnahmen. Im Vordergrund steht die eigene Popularität zu steigern.
Insofern sind die von der Uefa gehegten Ideen eines „Financial Fair-Plays“ bestimmt nicht falsch. Der Grundgedanke ist jener, dass Vereine in Zukunft nicht mehr Geld - vor allem für Spielertransfers - ausgeben dürfen als sie einnehmen (dazu zählen die Grundeinnahmequellen eines unabhängigen Klubs, ohne Einkünfte von Investoren). Ein berechtigter Vorschlag, wenn der FC Barcelona als Meister und Champions-League-Sieger dennoch Verluste schreibt. Ingesamt macht das Financial Fairplay, welches ab der Saison 2013/14 angewandt wird, aber lediglich die Arbeit an Europas Spitze transparenter. Denn „geringe“ Fehlmargen werden auch in Zukunft toleriert. Ein allmählicher Übergangsprozess soll in den kommenden Saisonen ein langfristig effizienteres Wirtschaften ermöglich. So wird bis zur Saison 2014/15 noch ein Defizit von 45 Millionen Euro für den Vergleichszeitraum, welcher drei Spielzeiten beträgt, geduldet. Bis 2017/18 wird diese Summe auf 30 Millionen Euro verkleinert, ehe danach ein Minus von fünf Millionen Euro stehen darf. Insofern sind diese Reglungen für österreichische Vereine, mit Ausnahme von Red Bull Salzburg, von keiner bedeutenden Relevanz, da mit solch horrenden Summen in unserer Liga eher selten hantiert wird.
Die Konsequenzen gegen diese Regelungen reichen sogar bis zum Ausschluss aus dem Europapokal. Angesichts der Tatsache, dass Anzhi, Malaga und Paris Saint-Germain diese Saison ein sattes Minus auf Grund ihrer Transferaktivitäten einfahren und ihre defizitären Transfergeschäfte wohl auch in den kommenden Perioden fortsetzen werden, stehen die ersten Kandidaten für deren Maßnahmen bereit, da diese Saison bereits als erste Vergleichsperiode für die Saison 2013/14 bestimmt ist.
Dennoch gibt es nach wie vor Ungereimtheiten zu klären. Zwar haben es Investoren wie Kerimow oder Abramowitsch nun schwerer Geld in ihre Vereine zu pumpen, unmöglich wird dies allerdings nicht - auch in den bis dato erlebten Summen. Unter dem Mantel des Sponsoring können Millionenzahlungen mit geleistetem Gegenwert, so wie von der Uefa gefordert, getätigt werden. Der Investor hätte sogar einen zusätzlichen Werbewert. Weitere Maßnahmen seitens der Uefa wären auf juristischer Ebene zu hinterfragen, da die von der Europäischen Union propagierte freie Marktwirtschaft durch weitere Reglements zunehmend eingeschnürt würde. Insofern wird auch Dietrich Mateschitz mit seinen Fußballklubs keine gröberen Schwierigkeiten zu erwarten haben, genauso wenig wie die Werksmannschaften aus Leverkusen und Wolfsburg.
Unterm Strich wird die eigentlich sportliche Stellung von „Investorenvereinen“ gestärkt, da es nun Vereinen ohne Gönnern nicht mehr gestattet wird, finanziell mitzuziehen. Chelsea, Anzhi oder Manchester City spielt dies, genauer betrachtet, mehr in die Karten als Bayern München. Fakt ist aber auch, dass unabhängige Klubs dazu angehalten werden, effektiver zu wirtschaften und so ein geringes Risiko besteht sich massiv zu verschulden. Sportlich wird die Schere in den kommenden Spielzeiten aber noch weiter aus einander gehen. Und eigentlich ist die Uefa als Institution mit ihren Bewerben, ins besondere der hyperkommerziellen Champions League, die mit exorbitant höheren Prämien als die Europa League und einem hier wie dort propagierten für den Laien intransparenten Setzsystem den „kleinen“ Verein massiv benachteiligt und so eine Scherenöffnung mehr forciert als es Abramowitsch je getan hatte, eher zu hinterfragen. Denn der Fisch beginnt am Kopf zu stinken.
Dass hinter Anzhi, ins Deutsche übersetzt „Perle“, natürlich ein Gönner steht, konnte man sich fast denken. Suleiman Kerimows Privatvermögen bezifferte sich 2008 noch auf 17,5 Milliarden US-Dollar. Nach der Krise sollen es laut Forbes-Magazin „nur noch“ 3,1 Milliarden sein, dennoch zählt der Lesgier nach wie vor zu den reichsten Russen. Diesen Reichtum mag er aber nicht nur mit seinem neuesten Sternchen Eto’o teilen. Bereits seit längerer Zeit verteidigt der mittlerweile 38-jährige Roberto Carlos für die Perle aus Dagestan und wird dafür fürstlich entlohnt. Mittlerweile spielen noch drei andere Brasilianer für Kerimow. Im Winter wechselte der Innenverteidiger Joao Carlos aus Genk an den Kaukasus, genauso wie Jucilei, der Abräumer vor der Abwehr. Er kam für satte zehn Millionen Euro von den Corinthians aus Sao Paulo. Der Vierte im Bunde heißt Diego Tardelli. Der 26-jährige Angreifer kostete vergleichsweise schlappe fünf Millionen Euro und stürmte bereits für Betis und die PSV Eindhoven. Dass im Winter weiters der Mittelfeldspieler Mbark Boussoufa für acht Millionen Euro von Anderlecht und im Juli für 14 Millionen Euro der ungarische Teamstürmer Balázs Dzsudzsák von der PSV kamen, ging im Transferrummel gänzlich unter.
Mit der Verpflichtung Eto’os setzt Anzhi neue Maßstäbe im Wettrüsten um sportlichen Ruhm. Die Abramowitschs dieser Welt müssen sich vor den Kopf gestoßen fühlen. Mit Malaga und Paris Saint-Germain agierten diesen Sommer zwei neue Vereine in Investorenhand am Transfermarkt äußerst aggressiv. Wirtschaftliche Interessen haben die Paten hinter ihren Investments eher keine. Denn weder Scheich Mansour bin Zayed Al Nahyan von Manchester City, noch Sheikh Abdullah Al Thani von Malaga oder der Emir von Katar, der PSG unterstützt, haben wohl die Muße noch reicher zu werden. Kerimow oder Abramowitsch sind da wohl keine Ausnahmen. Im Vordergrund steht die eigene Popularität zu steigern.
Insofern sind die von der Uefa gehegten Ideen eines „Financial Fair-Plays“ bestimmt nicht falsch. Der Grundgedanke ist jener, dass Vereine in Zukunft nicht mehr Geld - vor allem für Spielertransfers - ausgeben dürfen als sie einnehmen (dazu zählen die Grundeinnahmequellen eines unabhängigen Klubs, ohne Einkünfte von Investoren). Ein berechtigter Vorschlag, wenn der FC Barcelona als Meister und Champions-League-Sieger dennoch Verluste schreibt. Ingesamt macht das Financial Fairplay, welches ab der Saison 2013/14 angewandt wird, aber lediglich die Arbeit an Europas Spitze transparenter. Denn „geringe“ Fehlmargen werden auch in Zukunft toleriert. Ein allmählicher Übergangsprozess soll in den kommenden Saisonen ein langfristig effizienteres Wirtschaften ermöglich. So wird bis zur Saison 2014/15 noch ein Defizit von 45 Millionen Euro für den Vergleichszeitraum, welcher drei Spielzeiten beträgt, geduldet. Bis 2017/18 wird diese Summe auf 30 Millionen Euro verkleinert, ehe danach ein Minus von fünf Millionen Euro stehen darf. Insofern sind diese Reglungen für österreichische Vereine, mit Ausnahme von Red Bull Salzburg, von keiner bedeutenden Relevanz, da mit solch horrenden Summen in unserer Liga eher selten hantiert wird.
Die Konsequenzen gegen diese Regelungen reichen sogar bis zum Ausschluss aus dem Europapokal. Angesichts der Tatsache, dass Anzhi, Malaga und Paris Saint-Germain diese Saison ein sattes Minus auf Grund ihrer Transferaktivitäten einfahren und ihre defizitären Transfergeschäfte wohl auch in den kommenden Perioden fortsetzen werden, stehen die ersten Kandidaten für deren Maßnahmen bereit, da diese Saison bereits als erste Vergleichsperiode für die Saison 2013/14 bestimmt ist.
Dennoch gibt es nach wie vor Ungereimtheiten zu klären. Zwar haben es Investoren wie Kerimow oder Abramowitsch nun schwerer Geld in ihre Vereine zu pumpen, unmöglich wird dies allerdings nicht - auch in den bis dato erlebten Summen. Unter dem Mantel des Sponsoring können Millionenzahlungen mit geleistetem Gegenwert, so wie von der Uefa gefordert, getätigt werden. Der Investor hätte sogar einen zusätzlichen Werbewert. Weitere Maßnahmen seitens der Uefa wären auf juristischer Ebene zu hinterfragen, da die von der Europäischen Union propagierte freie Marktwirtschaft durch weitere Reglements zunehmend eingeschnürt würde. Insofern wird auch Dietrich Mateschitz mit seinen Fußballklubs keine gröberen Schwierigkeiten zu erwarten haben, genauso wenig wie die Werksmannschaften aus Leverkusen und Wolfsburg.
Unterm Strich wird die eigentlich sportliche Stellung von „Investorenvereinen“ gestärkt, da es nun Vereinen ohne Gönnern nicht mehr gestattet wird, finanziell mitzuziehen. Chelsea, Anzhi oder Manchester City spielt dies, genauer betrachtet, mehr in die Karten als Bayern München. Fakt ist aber auch, dass unabhängige Klubs dazu angehalten werden, effektiver zu wirtschaften und so ein geringes Risiko besteht sich massiv zu verschulden. Sportlich wird die Schere in den kommenden Spielzeiten aber noch weiter aus einander gehen. Und eigentlich ist die Uefa als Institution mit ihren Bewerben, ins besondere der hyperkommerziellen Champions League, die mit exorbitant höheren Prämien als die Europa League und einem hier wie dort propagierten für den Laien intransparenten Setzsystem den „kleinen“ Verein massiv benachteiligt und so eine Scherenöffnung mehr forciert als es Abramowitsch je getan hatte, eher zu hinterfragen. Denn der Fisch beginnt am Kopf zu stinken.
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Donnerstag, 25. August 2011
Ein Fußballer hat genug vom Fußballgeschäft
Javi Poves braucht nicht mehr zu streiken. Während seine spanischen Fußballerkollegen derzeit um die Auszahlung ausstehender Gehälter kämpfen, ist Poves einen Schritt weiter. Der 24-jährige Profi, der es vergangene Saison auf einen Einsatz in der ersten Liga brachte, lehnt das gesamte System ab und hat deshalb seine Karriere beendet. „Fußball ist in Wirklichkeit eine Metapher für unsere derzeitige Welt. Alles beruht auf einer großen Täuschung“, sagt er. „Fußball soll nur die Menschen von der Realität ablenken“, führt Poves aus. „Es gibt im Fußball sehr viel Korruption, wie in jedem Sektor, in dem es um Geld geht.“ Poves will seine Entscheidung nicht als politisches Statement verstanden wissen. Eltern würden ihren Kindern falsche Ideale mitgeben, ist er überzeugt. „Jeder will heute ein Cristiano oder Messi sein“, erklärt er. Kinder würden dadurch zum Egoismus und Materialismus erzogen. Das sei aber nicht die Schuld der Spieler, sondern des Bildungssystems. Poves will nun Geschichte und Geografie studieren und Libyen, Syrien und den Iran bereisen.
Quelle: Wiener Zeitung von Samstag, 20. August 2011; Seite 3
Javier „Javi“ Poves Gómez wurde am 28. September 1986 in Madrid geboren. Der ehemalige Verteidiger lernte das Kicken im Nachwuchs von Atlético Madrid. Nach Stationen beim Madrider Vorstadtverein Rayo Vallecano und Ausleihphasen bei den unterklassigen La Roza de Madrid und Navalcarnero, wechselte Poves im Sommer 2008 schließlich zu Sporting Gijon, dem Klub von Ex-Rapidler Mate Bilic. Nach zwei Jahren und 63 Einsätzen in der Reserve feierte der Verteidiger am letzten Spieltag der abgelaufenen Saison beim 0:0 im Auswärtsspiel gegen Hercules Alicante sein Debüt in der Kampfmannschaft. Am 19. Juli 2011 löste Javi Poves seinen Vertrag mit Sporting Gijon vorzeitig auf.
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Freitag, 12. August 2011
Fußballklubs borgen sich Geld bei den Fans
Eine wachsende Zahl von Bundesligavereinen setzt bei der Finanzierung auf Anleihen. Sie nutzen damit die Chance, sich frisches Kapital zu günstigen Konditionen zu besorgen. Nach Ansicht von Experten sind die Renditen für Anleger angesichts hoher Risiken vergleichsweise gering.
Thomas Mersch Köln Den Saisonstart hat Arminia Bielefeld verpatzt. Mit nur einem Punkt liegt der ostwestfälische Traditionsklub nach drei Spielen auf Rang 17 der dritten Liga. Im DFB-Pokal sind die Bielefelder Kicker in der ersten Runde gescheitert. Auch finanziell ist die Lage angespannt. Die Lizenz für die aktuelle Saison erhielt der Zweitligaabsteiger nur unter der Bedingung, dass die laufende Liquidität nicht durch eine im September fällige Anleihe in Höhe von 2,9 Millionen Euro belastet wird.
Das möchte Arminia mit einer weiteren Anleihe sicherstellen, die seit Mitte Juli gezeichnet werden kann. Der Klub will möglichst viele Altzeichner dazu bewegen, ihr Kapital direkt in die neue Anleihe zu investieren. „Unser Ziel ist, die reine Rückzahlung so niedrig wie möglich zu halten“, sagt Klubsprecher Marcus Uhlig. Parallel hofft Bielefeld auf neue Anleger. Genaue Angaben zur aktuellen Zahl der Unterstützer macht Uhlig nicht. „Wir erfahren guten Zuspruch“, sagt er, „brauchen aber noch mehr Leute.“
Keine Sicherheiten erforderlich.
Auf der Suche nach Alternativen zum Bankkredit setzen Fußballklubs verstärkt auf Anleihen - vor allem Fans sollen investieren. Mit Hertha BSC, Schalke 04, dem 1.FC Nürnberg und dem 1. FC Köln haben vier aktuelle Erstligisten auf diese Weise Kapital eingesammelt - ebenso die Zweitligisten Alemannia Aachen, 1860 München und Hansa Rostock sowie Drittligist Bielefeld. „Fußballanleihen stellen für Klubs eine durchaus sinnvolle Finanzierungsalternative dar“, sagt Karlheinz Küting, Direktor des Centrums für Bilanzierung und Prüfung an der Universität des Saarlands. „Insbesondere in finanziell schwierigen Zeiten können zusätzliche liquide Mittel zu einem vergleichsweise niedrigen Zinssatz beschafft werden.“
Vorzüge für Vereine erkennt auch Fabian Kirchmann, Vorstand der auf Finanzkommunikation spezialisierten Firma IR.on in Köln. "Die Zielgruppe ist klar adressierbar und es sind keine Sicherheiten erforderlich", sagt Kirchmann, der mehrere Anleihen von Mittelständlern begleitet hat. „Bei der Platzierung gab es überwiegend eine hohe Erfolgsquote.“ Nur zwei der von Kirchmann analysierten Anleihen deutscher Klubs blieben deutlich unter den angepeilten Erlösen: Hertha BSC spielte in diesem Jahr statt der erhofften sechs nur 3,5 Millionen Euro ein. Aachen schaffte 2008 statt fünf nur 4,2 Millionen Euro. 1860 München bildet einen Sonderfall - der Klub stoppte laut IR.on letztes Jahr die Zeichnung einer Anleihe nach einem Wechsel in der Geschäftsführung.
Schalke schafft höchste Erlöse.
Die höchsten Einnahmen mit einer Fußballanleihe erzielte 2010 der FC Schalke 04. Das Zielvolumen lag bei zehn Millionen, tatsächlich warb der Revierklub elf Millionen Euro ein. „Die Erlöse nutzen wir, um Verbindlichkeiten umzufinanzieren“, sagt Geschäftsführer Peter Peters. 5,5 Prozent Zinsen bekommen Anleger jährlich.
Ende vergangenen Jahres lagen die Verbindlichkeiten des gesamten Vereins bei mehr als 200 Millionen Euro. Diese Marke will das Schalke-Management noch in diesem Jahr unterschreiten und die Schulden bis 2025 ganz tilgen. „Es ist sicher nicht das optimale Anleiheumfeld“, sagt Peters - er hält die Ausfallrisiken aber für kalkulierbar: „Schalke 04 wird immer ein Klub sein, der existiert und Fußball spielt.“ Die Anleger handeln seiner Ansicht nach nicht nur aus Treue zum Verein: „Viele bewerten das Verhältnis von Zins und Risiko ganz rational.“
Zwar sei noch keine Fußballanleihe ausgefallen, sagt Kirchmann. „Im Fall von Alemannia Aachen ist aber die Stadt eingesprungen, als der Klub Gefahr lief, seine Anleihe nicht bedienen zu können.“ Er weist auf beträchtliche Risiken für Anleger hin: „Fußballanleihen sind in der Regel nicht besichert. Bei Insolvenz droht ein Verlust des gesamten eingesetzten Kapitals.“
Begrenzt konkurrenzfähig.
Die Zinsen von fünf bis sieben Prozent hält Kirchmann deshalb für zu niedrig. „Hätten die Anleihen wie üblich ein Rating, wären sie allesamt Junk-Bonds. Sie müssten normalerweise einen Kupon von über zehn Prozent bieten, um das Risiko zu rechtfertigen.“ Für Mittelstandsanleihen hat er einen typischen Zins von sechs bis neun Prozent ermittelt. Im Hinblick auf allein renditeorientierte Anleger sei die Konkurrenzfähigkeit von Fußballanleihen gering. „Die Emissionen dienen eher der Sanierung der Finanzen mit Hilfe der eigenen Anhängerschaft“, urteilt Kirchmann.
Als eine Ursache für die hohen Risiken nennt er „mögliche Schwankungen bei Umsatz und Erträgen, die stark vom sportlichen Erfolg abhängen“. Entscheidend sei etwa, ob ein internationaler Wettbewerb erreicht werde. „Das lässt sich nicht mit Sicherheit planen.“
Vor sechs Jahren hat auch der 1.FC Köln eine Anleihe begeben und konnte damit die erhofften fünf Millionen Euro einspielen. Der Erlös sei in Transfers, Nachwuchsarbeit und Infrastruktur geflossen, sagt FC-Geschäftsführer Oliver Leki. „Für uns war wichtig, ein Finanzierungsinstrument zu finden, das Alternativen zum Bankkredit bietet.“ Im August wurde die Anleihe fällig. 80 Prozent der Papiere befanden sich laut Leki in Depots von Anlegern - das Geld sei zurücküberwiesen worden. „Derzeit ist keine Neuauflage geplant“, sagt Leki. Falls es künftig Liquiditätsbedarf für ein Projekt gebe, „werden wir darüber nachdenken“.
Fraglich ist nun, wie viele der Erwerber von Schmuckurkunden auf die Rückzahlung verzichten und das Papier lieber als Erinnerungsstück unversehrt samt Zinskupons behalten. Das Geld bekäme der FC dann praktisch geschenkt.
Quelle: Handelsblatt von Donnerstag, 11. August 2011; Seite 50
Donnerstag, 4. August 2011
Euros statt Medizinbälle
Dass stupides Rundenrennen in der Vorbereitung einer altmodischen Trainingsphilosophie angehört, sollte sich dank fortschrittlicher Sportwissenschaft mehr und mehr auch im Pöbel des Fußballs herumgesprochen haben. Zwar gibt es immer noch den ein oder anderen Schleifer unter den Trainern, der Trend in der Vorbereitungsplanung - zumindest für die Topteams des Kontinents - orientiert sich aber dennoch ein wenig an der Vergangenheit. Dies hat aber rein kommerzielle Aspekte. Wie schon in früheren Jahren wagen die Teams wieder den Sprung über den Teich nach Amerika oder noch weiter weg um sich für die beginnende Saison vorzubereiten. Während vor fünfzig, sechzig Jahren aber noch Sao Paulo, Montevideo oder Buenos Aires die Destinationen hießen, um seinen Kickern andere Arten und Wege als den langen Pass näher zu bringen, bestimmt in den heutigen Zeiten eher die Marketingabteilung wo es hingehen wird. Dabei gibt es eigentlich nur zwei wirkliche „Traumziele“: Entweder die finanzkräftigen Vereinigten Staaten erobern, oder den Markt in Ostasien, mit seinen fanatisch anmutenden, kreischenden Menschenmengen. Insofern wenig verwunderlich, wenn Arsenal nach gefühlten siebenundzwanzig Saisonvorbereitungen hintereinander in Bad Waltersdorf, heuer sagt, dass man es sich nicht mehr leisten könne, Zusatzeinnahmen aus Tourneen nach Thailand oder Malaysia auszulassen.
Die Ziele der „Vereine“ wechseln immer mehr. Lag bislang der Fokus darauf, mit Geld Sport zu machen, verändern sich die Denkweisen zu unternehmerischen Grundgedanken mit Sport Geld zu verdienen. Einer sinnvollen Vorbereitung entspricht der Plan von Real Madrid freilich nicht. Eine Woche an der US-Westküste mit zwei Freundschaftsspielen gegen LA Galaxy und Mexikos prominentestem Team Chivas Guadalajara. Noch in derselben Woche ging es viertausend Kilometer östlich zu einem Gagspiel nach Philadelphia. Drei Tage später testeten die Galaktischen, die eine ebensolche Regenerationsfähigkeit haben müssen, im Berliner Olympiastadion und wieder drei Tage später im englischen Leicester. Von der Insel ging es prompt weiter nach China, wo der Tross momentan weilt, gestern, Mittwoch, Guanghzou 7:1 besiegte und am Samstag noch auf den vielsagenden Gegner Tianjin treffen wird. Nach drei Wochen Reisestrapazen werden die königlichen Akteure am 8. August wieder in den eigenen Betten schlafen dürfen. Die Tournee dürfte dem „Verein“ etwa zehn Millionen Euro pro Woche gebracht haben.
Der FC Barcelona beschränkt sich hingegen ganz auf den US-Markt und testete in Washington bei einer Neuauflage des Champions League Finales publikumswirksam gegen Manchester United, sowie gegen die mexikanischen Klubs Chivas und America. Zuvor waren die Katalanen in München zu Gast bei den Bayern. Manchester United war ebenfalls drei Wochen in den Vereinigten Staaten unterwegs, Konkurrent Chelsea versuchte auf der anderen Seite des Globus, eben in Malaysia und Thailand, die Märkte und die sagenumwobene Asia Trophy zu erobern. Da war es in vergangenen Jahren ja noch historisch begründet, dass Celtic wegen der vielen irischen Emigranten an der US-Küste probte. Nun aber kurzfristig gar nach Australien übersiedelte, schon wieder weniger. Und dass der italienische Supercup heuer zum zweiten Mal nach 2009 in Peking ausgetragen wird, wundert dann auch schon niemand mehr. Immerhin versetzt der italienische Fußball sogar die sonst so demütigen buddhistischen Gemüter in Aufruhr, sodass es selbst im Reich der Mitte Krawalle zwischen Interisti und Rossoneri gibt. Oder zumindest zwischen Menschengruppen, die glauben sie seien eben solche.
Die Ziele der „Vereine“ wechseln immer mehr. Lag bislang der Fokus darauf, mit Geld Sport zu machen, verändern sich die Denkweisen zu unternehmerischen Grundgedanken mit Sport Geld zu verdienen. Einer sinnvollen Vorbereitung entspricht der Plan von Real Madrid freilich nicht. Eine Woche an der US-Westküste mit zwei Freundschaftsspielen gegen LA Galaxy und Mexikos prominentestem Team Chivas Guadalajara. Noch in derselben Woche ging es viertausend Kilometer östlich zu einem Gagspiel nach Philadelphia. Drei Tage später testeten die Galaktischen, die eine ebensolche Regenerationsfähigkeit haben müssen, im Berliner Olympiastadion und wieder drei Tage später im englischen Leicester. Von der Insel ging es prompt weiter nach China, wo der Tross momentan weilt, gestern, Mittwoch, Guanghzou 7:1 besiegte und am Samstag noch auf den vielsagenden Gegner Tianjin treffen wird. Nach drei Wochen Reisestrapazen werden die königlichen Akteure am 8. August wieder in den eigenen Betten schlafen dürfen. Die Tournee dürfte dem „Verein“ etwa zehn Millionen Euro pro Woche gebracht haben.
Der FC Barcelona beschränkt sich hingegen ganz auf den US-Markt und testete in Washington bei einer Neuauflage des Champions League Finales publikumswirksam gegen Manchester United, sowie gegen die mexikanischen Klubs Chivas und America. Zuvor waren die Katalanen in München zu Gast bei den Bayern. Manchester United war ebenfalls drei Wochen in den Vereinigten Staaten unterwegs, Konkurrent Chelsea versuchte auf der anderen Seite des Globus, eben in Malaysia und Thailand, die Märkte und die sagenumwobene Asia Trophy zu erobern. Da war es in vergangenen Jahren ja noch historisch begründet, dass Celtic wegen der vielen irischen Emigranten an der US-Küste probte. Nun aber kurzfristig gar nach Australien übersiedelte, schon wieder weniger. Und dass der italienische Supercup heuer zum zweiten Mal nach 2009 in Peking ausgetragen wird, wundert dann auch schon niemand mehr. Immerhin versetzt der italienische Fußball sogar die sonst so demütigen buddhistischen Gemüter in Aufruhr, sodass es selbst im Reich der Mitte Krawalle zwischen Interisti und Rossoneri gibt. Oder zumindest zwischen Menschengruppen, die glauben sie seien eben solche.
Mittwoch, 6. Juli 2011
Polens Autobahn-Pläne für die EURO gescheitert
Ein kleiner Zusatz zu „‘Scheiß EM 20082012!‘?“ aus dem Wirtschaftblatt von Mittwoch, 06. Juli 2011.
Quelle: Wirtschaftblatt von Mittwoch, 06. Juli 2011; Seite 9
Warschau. Im Februar 2008 hatte Premier Donald Tusk versprochen, bis zur Fußball-EM 2012 würden 900 Kilometer Autobahnen und 2400 Kilometer Schnellstraßen fertig gestellt werden.
Von Tusks ehrgeizigen Plänen sind bereits 200 Kilometer Autobahn und fast die Hälfte der Schnellstraßen gestrichen. Wie ein geheim gehaltener Bericht der Straßen-Generaldirektion GDDKiA jetzt enthüllt, wird auch vom Rest die Hälfte nicht bis Juni 2012 fertig sein. Betroffen sind alle vier großen Achsen: Auf der A2 Richtung Berlin wurde der chinesische Auftragnehmer Covec gekündigt. Die französische Eurovia, die für die Chinesen einspringen will, verlangt das Doppelte.
Auf der Nord-Süd-Verbindung A1 gibt es einen Streit mit der irischen SRB Civil Engineering. Auf der A4 von Krakau Richtung Ukraine wurde das polnisch-mazedonische Konsortium geschasst. Für einen Abschnitt der Schnellstraße S8 von Breslau nach Warschau gibt es noch immer keine Baubewilligung.
Experten führen die Probleme auf zu niedrige Angebote der Firmen, aber auch auf mangelhafte Ausschreibungen zurück.
Quelle: Wirtschaftblatt von Mittwoch, 06. Juli 2011; Seite 9
Montag, 27. Juni 2011
„Scheiß EM 2008 2012“ ?
Etwas mehr als elf Monate sind es noch bis zum Anpfiff der 14. Fußball-Europameisterschaft. Einer ganz besonderen. Denn erstmals findet das Turnier im ehemaligen Ostblock statt. In Polen und der Ukraine. So umstritten wie diesmal war eine Endrunde allerdings noch nie. Weniger die politischen Verhältnisse spielen für die Unruhe eine Rolle - wobei in der Ukraine auch hier nicht alles glatt läuft -, als die infrastrukturellen und ökonomischen.
Wie schon bei der letzten Euro in Österreich und der Schweiz, wird es auch diesmal acht Austragungsorte geben, die sich zu je vier auf beide Gastgebernationen
verteilen. In Polen sind dies Warschau, Posen, Breslau und Danzig, in der Ukraine Kiew, Donezk, Lemberg und Charkow. Die Kooperation der beiden Nationen offenbarte schon im Anfangsstadium Schwächen, denn noch geraume Zeit nach der Vergabe sicherte man sich mit den potenziellen Ausweichorten Krakau, Chorzow, Odessa und Dnjepropetrovsk gegen etwaige Bauverzögerungen ab. Dies sollte, wie sich später herausstellte, auch seine Gründe haben. Die reibungslosesten Bauten fanden in Donezk und Charkow statt und wurden bereits im August bzw. November 2009 (wieder)eröffnet. Während im Stadion von Metalist Charkow großteils Um- und Ausbauarbeiten vorgenommen wurden, bekam Shakhtar Donezk mit der Donbas Arena einen neuen Tempel hingestellt. Ein Zeitproblem in Bezug auf die Euro 2012 konnte gar nicht aufkommen, war mit Rinat Achmetow, dem reichsten Mann der Ukraine und gleichzeitig seit 1996 Präsident von Shakhtar, ein einflussreicher Mann Strippenzieher des Projekts.
Die anderen zwei Neubauten in Kiew und Lemberg entwickeln sich hingegen immer mehr zur Farce. Der Fertigstellungstermin des Stadions in Lemberg wurde auf Grund mehrmaliger Finanzierungsprobleme zuletzt auf Ende 2011 verschoben. Aktuell stehe man bei 64 Prozent Baufortschritt. Die Kosten für den Bau, an dem die österreichische Alpine beteiligt ist, verdoppelten sich von anfänglichen 85 Millionen Euro auf mittlerweile knapp 200 Millionen Euro. Das weit größere Problem für die Ukraine stellt das Olympiastadion in Kiew dar. Der Riesenkomplex mitten in der Hauptstadt wurde von Grund auf neugebaut. Der Vertrag mit der taiwanesischen Baugruppe Archasia Design Group wurde im Juni 2008 auf Grund mangelnder Erfahrung im Baugewerbe gekündigt. Mittlerweile sind zweitausend Arbeiter zwölf Stunden täglich mit den Bauarbeiten beschäftigt. Momentan geht man für die Fertigstellung von einem Termin zwischen Ende 2011 und März 2012 aus. Die einst kalkulierten Kosten von 200 bis 300 Millionen Euro erhöhen sich auch hier auf, so wird geschätzt, bis zu 600 Millionen Euro. Im Jahr 2008 wurde bereits öffentlich spekuliert, dass die Ukraine teilweise von der Gastgeberrolle zurücktreten müsse. Sogar ein Einspringen Deutschlands als Co-Gastgeber stand im Raum.
Die Bauarbeiten in Polen laufen indes etwas besser voran. Das Stadion in Posen wurde nach seiner Renovierung, welche 147 Millionen Euro verschlang, bereits im September 2010 wiedereröffnet. Und auch die Arbeiten im Städtischen Stadion von Breslau sind so gut wie erledigt. In Polen treiben die Spielstätten in Danzig, aber noch mehr jene in Warschau, den Verantwortlichen Schweißperlen auf die Stirn. Eigentlich sollte die Arena in Danzig, mit ihrer einzigartigen Goldfassade, mit dem Länderspiel Polen-Frankreich Anfang Juni eröffnet werden. Die Arbeiten, auch hier ist die Alpine am Bau beteiligt, zogen sich aber dermaßen in die Länge, sodass das Spiel kurzerhand ins Wojska Polskiego von Legia Warschau verlegt wurde. Das polnische Pendant zum Olympiastadion von Kiew ist das Nationalstadion von Warschau (Foto). Die Kosten sind auf satte 315 Millionen Euro explodiert; auch hier ist die Alpine am Bau beteiligt. Das große Manko ist die schwache Organisation am Bau selbst. Lange Zeit waren zu wenige Arbeiter beteiligt; zudem pfuschten Subunternehmen bei der Installation der Elektronik. Eigentlicher Fertigstellungstermin sollte Juni 2011 sein. Mittlerweile geht man von einem Bau bis Feber 2012 aus. So wird auch das Länderspiel Polen-Deutschland am 6. September woanders stattfinden.
Die Problematik mit den Stadionbauten ist seit Südafrika 2010 keine neue. Und schlussendlich werden bis zur Eröffnung auch sämtliche Stadien einsatzbereit sein. Diffiziler gestaltet sich die Situation außerhalb. In Relation zur Landesfläche sind Polen und die Ukraine vergleichsmäßig schwach vernetzt. Insgesamt hatten die Verantwortlichen in der Ukraine anfangs drei Milliarden Euro für Infrastrukturprojekte eingeplant, diese Zahl aber rasch auf zehn Milliarden erhöht. Auch weil die Kosten für die Flughäfen in Donezk und Lemberg mit 500 Millionen Euro um mehr als 50 Prozent höher ausfielen als kalkuliert. Das neue Terminal am Airport Borispol in Kiew soll noch dieses Jahr in Betrieb genommen werden. Weiters wollen die Ukraine 3.000 Kilometer neue Autobahnen und Schnellstraßen errichten, sowie das U-Bahnnetz in der Hauptstadt ausbauen. Wie viel von diesen ehrgeizigen Vorhaben tatsächlich noch realisiert werden bleibt abzuwarten. Langfristiges Nutzen für die Wirtschaft des Landes erwartet sich mangels qualitativer Arbeit nur eine Kleinzahl der Bevölkerung.
Die Situation in Polen ist eine ähnliche. Erst diesen Monat wurde der Vertrag mit dem chinesischen Bauunternehmen Covec gelöst. Die Asiaten erhielten für ihr Angebot von 320 Millionen Euro den Zuschlag für das Teilstück der A2 zwischen Lodz und Warschau. Es sollte die erste Bauinvestition einer chinesischen Unternehmung in Europa werden. Covec konnte aber die beschäftigten Subunternehmen nicht zahlen, weshalb Bagger und Betonmischer stillstanden. Ein konstruktiver Lösungsvorschlag seitens der Chinesen wurde nicht präsentiert, sodass Covec nun eine 188,5-Millionen-Euro teure Entschädigungszahlung bevorsteht. Mittlerweile haben die Chinesen den Zuschlag für den Bau eines ungarischen Flughafens erhalten. Indes resignierte Polens Premierminister Donald Tusk und ließ verlautbaren, dass die Autobahnen bis Juni 2012 vielleicht nicht fertig, aber wenigstens befahrbar sein würden. Von den 2007 versprochenen 21 Milliarden Euro - von denen 8,4 Milliarden aus dem Strukturfonds der EU stammen (Gelder, die der Ukraine als Nicht-Mitglied nicht zur Verfügung stehen) - für Straße, Bahn und Flug, wurden bislang erst 50 Prozent ausgereizt. Der Bau von 1.000 Kilometern Autobahn und 2.000 Kilometern Schnellstraße verzögert sich laut Regierungsangaben auch auf Grund der vergangenen Flutkatastrophen und des strengen Winters. Auch die wichtige Verbindungsstrecke im Südosten zwischen Tarnow und der Ukraine ist gefährdet. Während wohl nur 60 Prozent aller Schnellstraßen tatsächlich erbaut werden, geht die Entwicklung des Flugverkehrs - mit Ausnahme des Flughafenprojekts in Bialystok, dem der Umweltbescheid wieder entzogen wurde - planmäßig voran. Der Modlin Airport wird ab 2013 sogar für 1,3 Millionen Passagiere das Tor zur Welt oder nach Polen sein; der Flughafen in Danzig wird renoviert, der Flughafen in Lublin (Kosten: 100 Millionen Euro) ebenfalls bis zu 1 Million Passagiere abfertigen. Darüber hinaus werden in Polen als auch in der Ukraine insgesamt an die hundert Hotels benötigt, wobei bereits 2008 renommierte Hotelketten wie die französische Accor-Group oder die britische InterContinental Hotels-Group Bestrebungen verlautbaren ließen. Dennoch sind Schätzung zu Folge ein Drittel aller Infrastrukturprojekte gefährdet.
Ein zusätzlicher Stein auf dem Weg einer erfolgreichen Abwicklung des Turniers ist die politische Lage in der Ukraine. Durch die „Orange Revolution“ kam 2004 mit Viktor Juschtschenko ein westlich orientierter Präsident an die Macht. In der Folge zerfiel die liberale Bande zwischen Juschtschenko und Premierministerin Julia Tymoschenko aber. So wurde 2010 Viktor Janukowytsch doch noch ins Präsidentenamt gewählt. Janukowytschs Kurs bedeutete wieder eine Annäherung an Russland, die Zentralisierung und Stärkung seiner Machtposition und zunehmende Zensur der Presse. Zudem ging er hart gegen Oppositionelle vor, wie aktuell gegen Ex-Premierministerin Tymoschenko, die sich wegen Amtsmissbrauch vor Gericht verantworten muss. Anfang dieses Jahres wollte seine Regierung zudem personelle Umstrukturierungen im ukrainischen Fußballverband (FFU) erzwingen, weshalb die Uefa mit einem Ausschluss aus dem Verband drohte, der gleich bedeutend mit dem Entzug der Gastgeberrolle gewesen wäre. Erst kurz vor Auslaufen des Ultimatums dementierte der FFU via Fifa solch ein Vorhaben der Politik.
Dass weitere strukturelle Unebenheiten, besonders in der Fanarbeit in Polen (Stichwort: Hooligans) vorhanden sind, muss wohl nicht näher angeführt werden. Der volkswirtschaftliche Nutzen solcher Großereignisse bleibt umstritten, zumal die Projektvergabe wegen des Mangels an Know-how und Ressourcen großteils an ausländische Unternehmen geht. Im besten Fall kann die Arbeitslosigkeit kurz- bis mittelfristig gesenkt werden. Besonders tragisch, wenn die Neubauten nach dem Turnier nicht einmal adäquate Verwendung finden, wie in Südafrika. Dass mit der Euro 2016 in Frankreich auch wieder ein Land die Veranstalterrolle inne hat, die bereits die Infrastruktur für solch ein Turnier hat, ist wohl ein Sieg der Vernunft. Abzuwarten bleibt der längerfristige Trend. Die kommenden Weltmeisterschaften in Russland und Katar sorgen für Kopfschütteln. Besonders wenn das Vorzeigeland England in der Bewerbung ausgestochen wird. Nachdem sich die Türkei bereits für 2008 (mit Griechenland) und 2016 beworben hatte, könnte es schließlich für die Euro 2020 klappen. Die Konkurrenz wäre mit möglichen Gegnern wie die Niederlande und Belgien (diesmal beide separat), dem Duo Tschechien-Slowakei oder der Troika Bosnien-Kroatien-Serbien bestimmt klangvoll. Ob ein Endrundenspiel in Antalya im Juni so sinnvoll ist, bleibt jedem selbst überlassen.
Wie schon bei der letzten Euro in Österreich und der Schweiz, wird es auch diesmal acht Austragungsorte geben, die sich zu je vier auf beide Gastgebernationen
verteilen. In Polen sind dies Warschau, Posen, Breslau und Danzig, in der Ukraine Kiew, Donezk, Lemberg und Charkow. Die Kooperation der beiden Nationen offenbarte schon im Anfangsstadium Schwächen, denn noch geraume Zeit nach der Vergabe sicherte man sich mit den potenziellen Ausweichorten Krakau, Chorzow, Odessa und Dnjepropetrovsk gegen etwaige Bauverzögerungen ab. Dies sollte, wie sich später herausstellte, auch seine Gründe haben. Die reibungslosesten Bauten fanden in Donezk und Charkow statt und wurden bereits im August bzw. November 2009 (wieder)eröffnet. Während im Stadion von Metalist Charkow großteils Um- und Ausbauarbeiten vorgenommen wurden, bekam Shakhtar Donezk mit der Donbas Arena einen neuen Tempel hingestellt. Ein Zeitproblem in Bezug auf die Euro 2012 konnte gar nicht aufkommen, war mit Rinat Achmetow, dem reichsten Mann der Ukraine und gleichzeitig seit 1996 Präsident von Shakhtar, ein einflussreicher Mann Strippenzieher des Projekts.
Die anderen zwei Neubauten in Kiew und Lemberg entwickeln sich hingegen immer mehr zur Farce. Der Fertigstellungstermin des Stadions in Lemberg wurde auf Grund mehrmaliger Finanzierungsprobleme zuletzt auf Ende 2011 verschoben. Aktuell stehe man bei 64 Prozent Baufortschritt. Die Kosten für den Bau, an dem die österreichische Alpine beteiligt ist, verdoppelten sich von anfänglichen 85 Millionen Euro auf mittlerweile knapp 200 Millionen Euro. Das weit größere Problem für die Ukraine stellt das Olympiastadion in Kiew dar. Der Riesenkomplex mitten in der Hauptstadt wurde von Grund auf neugebaut. Der Vertrag mit der taiwanesischen Baugruppe Archasia Design Group wurde im Juni 2008 auf Grund mangelnder Erfahrung im Baugewerbe gekündigt. Mittlerweile sind zweitausend Arbeiter zwölf Stunden täglich mit den Bauarbeiten beschäftigt. Momentan geht man für die Fertigstellung von einem Termin zwischen Ende 2011 und März 2012 aus. Die einst kalkulierten Kosten von 200 bis 300 Millionen Euro erhöhen sich auch hier auf, so wird geschätzt, bis zu 600 Millionen Euro. Im Jahr 2008 wurde bereits öffentlich spekuliert, dass die Ukraine teilweise von der Gastgeberrolle zurücktreten müsse. Sogar ein Einspringen Deutschlands als Co-Gastgeber stand im Raum.
Die Bauarbeiten in Polen laufen indes etwas besser voran. Das Stadion in Posen wurde nach seiner Renovierung, welche 147 Millionen Euro verschlang, bereits im September 2010 wiedereröffnet. Und auch die Arbeiten im Städtischen Stadion von Breslau sind so gut wie erledigt. In Polen treiben die Spielstätten in Danzig, aber noch mehr jene in Warschau, den Verantwortlichen Schweißperlen auf die Stirn. Eigentlich sollte die Arena in Danzig, mit ihrer einzigartigen Goldfassade, mit dem Länderspiel Polen-Frankreich Anfang Juni eröffnet werden. Die Arbeiten, auch hier ist die Alpine am Bau beteiligt, zogen sich aber dermaßen in die Länge, sodass das Spiel kurzerhand ins Wojska Polskiego von Legia Warschau verlegt wurde. Das polnische Pendant zum Olympiastadion von Kiew ist das Nationalstadion von Warschau (Foto). Die Kosten sind auf satte 315 Millionen Euro explodiert; auch hier ist die Alpine am Bau beteiligt. Das große Manko ist die schwache Organisation am Bau selbst. Lange Zeit waren zu wenige Arbeiter beteiligt; zudem pfuschten Subunternehmen bei der Installation der Elektronik. Eigentlicher Fertigstellungstermin sollte Juni 2011 sein. Mittlerweile geht man von einem Bau bis Feber 2012 aus. So wird auch das Länderspiel Polen-Deutschland am 6. September woanders stattfinden.
Die Problematik mit den Stadionbauten ist seit Südafrika 2010 keine neue. Und schlussendlich werden bis zur Eröffnung auch sämtliche Stadien einsatzbereit sein. Diffiziler gestaltet sich die Situation außerhalb. In Relation zur Landesfläche sind Polen und die Ukraine vergleichsmäßig schwach vernetzt. Insgesamt hatten die Verantwortlichen in der Ukraine anfangs drei Milliarden Euro für Infrastrukturprojekte eingeplant, diese Zahl aber rasch auf zehn Milliarden erhöht. Auch weil die Kosten für die Flughäfen in Donezk und Lemberg mit 500 Millionen Euro um mehr als 50 Prozent höher ausfielen als kalkuliert. Das neue Terminal am Airport Borispol in Kiew soll noch dieses Jahr in Betrieb genommen werden. Weiters wollen die Ukraine 3.000 Kilometer neue Autobahnen und Schnellstraßen errichten, sowie das U-Bahnnetz in der Hauptstadt ausbauen. Wie viel von diesen ehrgeizigen Vorhaben tatsächlich noch realisiert werden bleibt abzuwarten. Langfristiges Nutzen für die Wirtschaft des Landes erwartet sich mangels qualitativer Arbeit nur eine Kleinzahl der Bevölkerung.
Die Situation in Polen ist eine ähnliche. Erst diesen Monat wurde der Vertrag mit dem chinesischen Bauunternehmen Covec gelöst. Die Asiaten erhielten für ihr Angebot von 320 Millionen Euro den Zuschlag für das Teilstück der A2 zwischen Lodz und Warschau. Es sollte die erste Bauinvestition einer chinesischen Unternehmung in Europa werden. Covec konnte aber die beschäftigten Subunternehmen nicht zahlen, weshalb Bagger und Betonmischer stillstanden. Ein konstruktiver Lösungsvorschlag seitens der Chinesen wurde nicht präsentiert, sodass Covec nun eine 188,5-Millionen-Euro teure Entschädigungszahlung bevorsteht. Mittlerweile haben die Chinesen den Zuschlag für den Bau eines ungarischen Flughafens erhalten. Indes resignierte Polens Premierminister Donald Tusk und ließ verlautbaren, dass die Autobahnen bis Juni 2012 vielleicht nicht fertig, aber wenigstens befahrbar sein würden. Von den 2007 versprochenen 21 Milliarden Euro - von denen 8,4 Milliarden aus dem Strukturfonds der EU stammen (Gelder, die der Ukraine als Nicht-Mitglied nicht zur Verfügung stehen) - für Straße, Bahn und Flug, wurden bislang erst 50 Prozent ausgereizt. Der Bau von 1.000 Kilometern Autobahn und 2.000 Kilometern Schnellstraße verzögert sich laut Regierungsangaben auch auf Grund der vergangenen Flutkatastrophen und des strengen Winters. Auch die wichtige Verbindungsstrecke im Südosten zwischen Tarnow und der Ukraine ist gefährdet. Während wohl nur 60 Prozent aller Schnellstraßen tatsächlich erbaut werden, geht die Entwicklung des Flugverkehrs - mit Ausnahme des Flughafenprojekts in Bialystok, dem der Umweltbescheid wieder entzogen wurde - planmäßig voran. Der Modlin Airport wird ab 2013 sogar für 1,3 Millionen Passagiere das Tor zur Welt oder nach Polen sein; der Flughafen in Danzig wird renoviert, der Flughafen in Lublin (Kosten: 100 Millionen Euro) ebenfalls bis zu 1 Million Passagiere abfertigen. Darüber hinaus werden in Polen als auch in der Ukraine insgesamt an die hundert Hotels benötigt, wobei bereits 2008 renommierte Hotelketten wie die französische Accor-Group oder die britische InterContinental Hotels-Group Bestrebungen verlautbaren ließen. Dennoch sind Schätzung zu Folge ein Drittel aller Infrastrukturprojekte gefährdet.
Ein zusätzlicher Stein auf dem Weg einer erfolgreichen Abwicklung des Turniers ist die politische Lage in der Ukraine. Durch die „Orange Revolution“ kam 2004 mit Viktor Juschtschenko ein westlich orientierter Präsident an die Macht. In der Folge zerfiel die liberale Bande zwischen Juschtschenko und Premierministerin Julia Tymoschenko aber. So wurde 2010 Viktor Janukowytsch doch noch ins Präsidentenamt gewählt. Janukowytschs Kurs bedeutete wieder eine Annäherung an Russland, die Zentralisierung und Stärkung seiner Machtposition und zunehmende Zensur der Presse. Zudem ging er hart gegen Oppositionelle vor, wie aktuell gegen Ex-Premierministerin Tymoschenko, die sich wegen Amtsmissbrauch vor Gericht verantworten muss. Anfang dieses Jahres wollte seine Regierung zudem personelle Umstrukturierungen im ukrainischen Fußballverband (FFU) erzwingen, weshalb die Uefa mit einem Ausschluss aus dem Verband drohte, der gleich bedeutend mit dem Entzug der Gastgeberrolle gewesen wäre. Erst kurz vor Auslaufen des Ultimatums dementierte der FFU via Fifa solch ein Vorhaben der Politik.
Dass weitere strukturelle Unebenheiten, besonders in der Fanarbeit in Polen (Stichwort: Hooligans) vorhanden sind, muss wohl nicht näher angeführt werden. Der volkswirtschaftliche Nutzen solcher Großereignisse bleibt umstritten, zumal die Projektvergabe wegen des Mangels an Know-how und Ressourcen großteils an ausländische Unternehmen geht. Im besten Fall kann die Arbeitslosigkeit kurz- bis mittelfristig gesenkt werden. Besonders tragisch, wenn die Neubauten nach dem Turnier nicht einmal adäquate Verwendung finden, wie in Südafrika. Dass mit der Euro 2016 in Frankreich auch wieder ein Land die Veranstalterrolle inne hat, die bereits die Infrastruktur für solch ein Turnier hat, ist wohl ein Sieg der Vernunft. Abzuwarten bleibt der längerfristige Trend. Die kommenden Weltmeisterschaften in Russland und Katar sorgen für Kopfschütteln. Besonders wenn das Vorzeigeland England in der Bewerbung ausgestochen wird. Nachdem sich die Türkei bereits für 2008 (mit Griechenland) und 2016 beworben hatte, könnte es schließlich für die Euro 2020 klappen. Die Konkurrenz wäre mit möglichen Gegnern wie die Niederlande und Belgien (diesmal beide separat), dem Duo Tschechien-Slowakei oder der Troika Bosnien-Kroatien-Serbien bestimmt klangvoll. Ob ein Endrundenspiel in Antalya im Juni so sinnvoll ist, bleibt jedem selbst überlassen.
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