Ganz pfui war dieser Platzsturm. Zumindest wenn man dem Großteil der Medien Glauben schenken mag. Die mediale Debatte - in der eigentlich eh nur der einen Seite Gehör verliehen wird, der anderen aber höchstens abfällig Zeilen gewidmet werden - ist allerdings eine scheinheilige. Denn exakt neunzig Tage nach Geschehenem schert sich jener Teil der Bevölkerung, der nichts mit Fußball am Hut hat, genau gar nicht mehr darum. Die Menschen haben erkannt, dass es - zumindest für sie - wichtigeres im Leben als den „Hassgriechen“ gibt. Und vielleicht hat der ein oder andere ja sogar den populistischen Senf vom „Bürgerkrieg“ sinngemäß hinterfragt, in Zeiten in denen in Libyen oder Syrien tatsächlich ein solcher tobt.
Die grün-weiße Fanszene muss dennoch mit den Konsequenzen leben, die die reißerische Berichterstattung verursacht haben. Denn entgegen der Stellungnahme des Polizeieinsatzleiters vom Derby, Oberst Fritz Schwartz, („Wir werden nicht darauf drängen, dass jedes Match zwischen Rapid und Austria im Happel-Stadion gespielt wird. Das Hanappi-Stadion ist grundsätzlich ein sicheres Stadion. Es kommt eben darauf an, wie sich die Fans verhalten“) wird das erste Derby seit dem Platzsturm, morgen trotzdem im Prater stattfinden. Das Sicherheits-Argument kann dem zu Folge erneut als manipulativer Populismus entlarvt werden. Einfacher Hausverstand hätte dies aber genauso getan, bedarf es denn keines großen Aufwandes in den Innenbereich des Happel-Stadions zugelangen. Immerhin schafften dies tausende zur Meisterfeier 2005 ja auch.
Im Gegenteil sollte für ein Derby im Praterstadion ein höheres Sicherheitsrisiko gelten als im Hanappi-Stadion, oder aber auch im Horr-Stadion. Denn dort können die rivalisierenden Fanmassen zumindest getrennt werden. Im weitläufigen Praterareal wird dies wohl nur schwer möglich sein. Einmal davon abgesehen, dass die grün-weiße Fanszene auf Grund der harschen Repression morgen wohl eh keinen Bock auf größere gröbere Auseinandersetzung haben wird, ist das Gerede von „Sicherheit“ warme Dampfplauderei.
Ein letztes Indiz dafür stammt in Zitatform von Präsident Edlinger persönlich. Im heutigen Kurier meint er: „Wo dann [Anm.: nächste Saison] die Derbys stattfinden werden, ist noch nicht entschieden.“ Insofern könnte dem Präsidenten rein finanzielles Kalkül unterstellt werden, um die entgangenen Einnahmen wegen des Geisterspiels doch zu lukrieren. Oder das „grundsätzlich sichere Stadion“ ist nächste Saison noch sicherer…
Samstag, 20. August 2011
Freitag, 19. August 2011
Frechheit siegt
Die Niederländer waren in der Favoritenrolle. Eigentlich wie immer wenn Niederländer gegen Österreicher kicken. Dass sich der ehemalige Europacupsieger bis auf die ersten dreißig Minuten gegen die Provinzmannschaft aus Ried aber sichtlich schwer tat, hatte mehrere Gründe.
Die Werkself trat im typisch niederländischen 4-3-3 an, während Paul Gludovatz auch im Europacup auf sein unorthodoxes 3-3-3-1-System setzte. Die Rieder agierten im ersten Durchgang aber sehr verhalten. Die drei Abwehrspieler Reifeltshammer, Riegler und Karner waren vorwiegend im Abwehrzentrum zu finden, während die nominellen Defensivmittelfeldspieler Hinum, rechts, und Ziegl, links, die Flanken sicherten. So war jedenfalls die defensive Grundordnung. Auch die offensiven Flügelspieler Royer und im Besonderen Lexa übernahmen Abwehraufgaben. Hadzic, der für den spontan zur Austria transferierten Mader ins Zentrum des Spielfeldes rückte, blieb im ersten Durchgang offensiv blass. Genauso war von Nacho in der Vorwärtsbewegung kaum etwas zu sehen. Wenn es für die PSV gefährlich wurde, dann durch Royer, der ein ums andere Mal auf der linken Seite gegen den Bulgaren Manolev durchbrach und drei, vier Schüsse auf das Tor des schwedischen Keeperes Isaksson abgab. Der Jungnationalspieler war mit Abstand der Aktivste im Offensivspiel der Wikinger. Im Konter ging es für die Gastgeber überwiegend über die andere Seite. Lexas meist langen Bälle fanden aber nur selten den Weg zu Solospitze Hammerer, der sich bei den Lackeln Marcelo und Bouma stets gut aufgehoben fand.
Dass Rieds Spiel hauptsächlich über die Flügel gefährlich wurde, hatte den simplen Grund, dass die Niederländer im Zentrum mit Wijnaldum, Stoorman und Ojo gegen Nacho und Hadzic in Überzahl agierten. Zudem ließ sich Mittelstürmer Toivonen oftmals in die Tiefe fallen und mimte Innenverteidiger Marcelo einen initiativen „freien Mann“ - eine Besonderheit im niederländischen Fußball. Der „freie Mann“ ist einer der beiden Innenverteidiger und vergleichbar mit der ehemaligen Position des Liberos. Er schaltet sich genauso ins Offensivspiel ein und geht bei Angriffen mit, ähnlich wie Inters Lucio. Der „freie Mann“ lässt sich allerdings genauso auch hinter die Verteidigungslinie fallen und mimt den letzten Mann. Bei der Spieleröffnung war dies des Öfteren zu bemerken, passte Torwart Isaksson den Ball hauptsächlich auf Marcelo, der den Ball weiter verteilte.
Im weiteren Spielaufbau war klar zu erkennen, dass die PSV sehr linkslastig agierte. Zwar hatte man mit Lens einen ambitionierten Techniker am rechten Flügel, doch absolvierte Manolev als Rechtsverteidiger seinen Part nicht annähernd überzeugend wie sein linkes Pendant Pieters. Hierfür mag zu einem gewissen Teil bestimmt der quirlige Royer der Grund sein. Zudem kommt aber erneut die Bedeutung von Marcelo als „freier Mann“ zu tragen. Bei Ballverlust hatte Pieters nämlich immer noch Bouma, den linken Innenverteidiger, als Versicherung hinter sich. Hätte jedoch Manolev in der Vorwärtsbewegung den Ball verloren, wäre Marcelo nicht zur Stelle gewesen, da er sich ja, im Sinne des „freien Mannes“, bereits ebenfalls in das Offensivspiel eingeschalten hätte. Bouma hätte als letzter Mann noch einschreiten können, hätte jedoch den längeren Weg nach rechts außen rücken müssen.
Anfangs waren die Rieder mit dem Sturmlauf über ihre rechte Seite etwas überfordert, stellten sich mit Fortdauer der Partie aber gekonnt auf den agilen Mertens und das rotierende Mittelfeld ein. Die Spielvereinigung stand mit einer fast flachen Fünferkette aber phasenweise sehr tief und ließ die Niederländer bis ins eigene Drittel vorstoßen.
Im zweiten Durchgang ließ Paul Gludovatz seine Elf mutiger nach vorne werken. Die Initialzündung war wohl der verletzungsbedingte Wechsel Casanova für Hammerer. Das Pressing der Rieder begann nun schon knapp in der Spielhälfte der Niederländer. Dabei wurde versucht die PSV im Spielaufbau, der nach wie vor überwiegend über links initiiert wurde, früh zu stören. Casanova wurde dabei meist von Lexa unterstützt. Dahinter machte der immer besser ins Spiel findende Nacho den Raum für die Niederländer weiter eng und Anspielstationen rar. Royer wirkte indes nach der ersten intensiven Hälfte immer müder. Die Philips-Elf hatte mit der forscheren Gangart der Österreicher wohl nicht gerechnet. Zumal nun mit Mertens auch der Aktivposten des Einhoveners Angriffspiels verletzungsbedingt vom Platz musste. Es schien bereits nach einer Stunde, dass Ried diese harte Nuss knacken konnte. Die niederländische Kreativabteilung kam schlicht nicht in die Gänge, weil die 9,5-Millionen-Euro-Neuzugänge Wijnaldum, Strootman und Ojo bei den Riedern gut aufgehoben waren und auch die Flanken für die Flügelspieler zugestellt waren. Der Schlüssel im zweiten Durchgang lag aber garantiert im saloppen Pressing der Hausherren, wodurch man Offensivbemühungen der Außendecker schon im Keim ersticken konnte oder bei Ballgewinn eben massig Raum für Konterattacken vorfand.
Für das Rückspiel in sechs Tagen haben die Rieder zwar keine ausgezeichnete Ausgangsposition, aber immerhin besteht eine realistische Chance um den Aufstieg in die Gruppenphase. Unliebsame Überraschungen sollten auf die Wikinger im Philips-Stadion keine mehr lauern, schickte Trainer Fred Rutten gestern seine bestmögliche Elf auf den Platz. Dies zeigt sehr wohl, dass die Niederländer ihre Gegner keineswegs unterschätzen. Eventuell könnten noch die Mittelfeldspieler Hutchinson oder Engelaar den Unterschied machen. Wichtig wird es jedenfalls sein, so lange wie möglich die Null zu halten. Wie die Abwehr bei einem Gegentor bröckelt, konnte man ja bereits in Kopenhagen sehen. Insofern heißt es auch nach einem Gegentreffer die Fassung zu bewahren. Ein zweites Mal wie gegen Bröndby wird ein Hop-oder-Drop wohl nicht funktionieren. Mit Fortdauer eines Remis dürfen die Rieder ihr Heil aber erneut im Konter suchen und vor allem wieder pressen was das Zeug hält. Besonders Bouma in der Innenverteidigung offenbarte im Hinspiel technische Defizite, die man sich zu Nutze machen sollte.
Die Werkself trat im typisch niederländischen 4-3-3 an, während Paul Gludovatz auch im Europacup auf sein unorthodoxes 3-3-3-1-System setzte. Die Rieder agierten im ersten Durchgang aber sehr verhalten. Die drei Abwehrspieler Reifeltshammer, Riegler und Karner waren vorwiegend im Abwehrzentrum zu finden, während die nominellen Defensivmittelfeldspieler Hinum, rechts, und Ziegl, links, die Flanken sicherten. So war jedenfalls die defensive Grundordnung. Auch die offensiven Flügelspieler Royer und im Besonderen Lexa übernahmen Abwehraufgaben. Hadzic, der für den spontan zur Austria transferierten Mader ins Zentrum des Spielfeldes rückte, blieb im ersten Durchgang offensiv blass. Genauso war von Nacho in der Vorwärtsbewegung kaum etwas zu sehen. Wenn es für die PSV gefährlich wurde, dann durch Royer, der ein ums andere Mal auf der linken Seite gegen den Bulgaren Manolev durchbrach und drei, vier Schüsse auf das Tor des schwedischen Keeperes Isaksson abgab. Der Jungnationalspieler war mit Abstand der Aktivste im Offensivspiel der Wikinger. Im Konter ging es für die Gastgeber überwiegend über die andere Seite. Lexas meist langen Bälle fanden aber nur selten den Weg zu Solospitze Hammerer, der sich bei den Lackeln Marcelo und Bouma stets gut aufgehoben fand.
Dass Rieds Spiel hauptsächlich über die Flügel gefährlich wurde, hatte den simplen Grund, dass die Niederländer im Zentrum mit Wijnaldum, Stoorman und Ojo gegen Nacho und Hadzic in Überzahl agierten. Zudem ließ sich Mittelstürmer Toivonen oftmals in die Tiefe fallen und mimte Innenverteidiger Marcelo einen initiativen „freien Mann“ - eine Besonderheit im niederländischen Fußball. Der „freie Mann“ ist einer der beiden Innenverteidiger und vergleichbar mit der ehemaligen Position des Liberos. Er schaltet sich genauso ins Offensivspiel ein und geht bei Angriffen mit, ähnlich wie Inters Lucio. Der „freie Mann“ lässt sich allerdings genauso auch hinter die Verteidigungslinie fallen und mimt den letzten Mann. Bei der Spieleröffnung war dies des Öfteren zu bemerken, passte Torwart Isaksson den Ball hauptsächlich auf Marcelo, der den Ball weiter verteilte.
Im weiteren Spielaufbau war klar zu erkennen, dass die PSV sehr linkslastig agierte. Zwar hatte man mit Lens einen ambitionierten Techniker am rechten Flügel, doch absolvierte Manolev als Rechtsverteidiger seinen Part nicht annähernd überzeugend wie sein linkes Pendant Pieters. Hierfür mag zu einem gewissen Teil bestimmt der quirlige Royer der Grund sein. Zudem kommt aber erneut die Bedeutung von Marcelo als „freier Mann“ zu tragen. Bei Ballverlust hatte Pieters nämlich immer noch Bouma, den linken Innenverteidiger, als Versicherung hinter sich. Hätte jedoch Manolev in der Vorwärtsbewegung den Ball verloren, wäre Marcelo nicht zur Stelle gewesen, da er sich ja, im Sinne des „freien Mannes“, bereits ebenfalls in das Offensivspiel eingeschalten hätte. Bouma hätte als letzter Mann noch einschreiten können, hätte jedoch den längeren Weg nach rechts außen rücken müssen.
Anfangs waren die Rieder mit dem Sturmlauf über ihre rechte Seite etwas überfordert, stellten sich mit Fortdauer der Partie aber gekonnt auf den agilen Mertens und das rotierende Mittelfeld ein. Die Spielvereinigung stand mit einer fast flachen Fünferkette aber phasenweise sehr tief und ließ die Niederländer bis ins eigene Drittel vorstoßen.
Im zweiten Durchgang ließ Paul Gludovatz seine Elf mutiger nach vorne werken. Die Initialzündung war wohl der verletzungsbedingte Wechsel Casanova für Hammerer. Das Pressing der Rieder begann nun schon knapp in der Spielhälfte der Niederländer. Dabei wurde versucht die PSV im Spielaufbau, der nach wie vor überwiegend über links initiiert wurde, früh zu stören. Casanova wurde dabei meist von Lexa unterstützt. Dahinter machte der immer besser ins Spiel findende Nacho den Raum für die Niederländer weiter eng und Anspielstationen rar. Royer wirkte indes nach der ersten intensiven Hälfte immer müder. Die Philips-Elf hatte mit der forscheren Gangart der Österreicher wohl nicht gerechnet. Zumal nun mit Mertens auch der Aktivposten des Einhoveners Angriffspiels verletzungsbedingt vom Platz musste. Es schien bereits nach einer Stunde, dass Ried diese harte Nuss knacken konnte. Die niederländische Kreativabteilung kam schlicht nicht in die Gänge, weil die 9,5-Millionen-Euro-Neuzugänge Wijnaldum, Strootman und Ojo bei den Riedern gut aufgehoben waren und auch die Flanken für die Flügelspieler zugestellt waren. Der Schlüssel im zweiten Durchgang lag aber garantiert im saloppen Pressing der Hausherren, wodurch man Offensivbemühungen der Außendecker schon im Keim ersticken konnte oder bei Ballgewinn eben massig Raum für Konterattacken vorfand.
Für das Rückspiel in sechs Tagen haben die Rieder zwar keine ausgezeichnete Ausgangsposition, aber immerhin besteht eine realistische Chance um den Aufstieg in die Gruppenphase. Unliebsame Überraschungen sollten auf die Wikinger im Philips-Stadion keine mehr lauern, schickte Trainer Fred Rutten gestern seine bestmögliche Elf auf den Platz. Dies zeigt sehr wohl, dass die Niederländer ihre Gegner keineswegs unterschätzen. Eventuell könnten noch die Mittelfeldspieler Hutchinson oder Engelaar den Unterschied machen. Wichtig wird es jedenfalls sein, so lange wie möglich die Null zu halten. Wie die Abwehr bei einem Gegentor bröckelt, konnte man ja bereits in Kopenhagen sehen. Insofern heißt es auch nach einem Gegentreffer die Fassung zu bewahren. Ein zweites Mal wie gegen Bröndby wird ein Hop-oder-Drop wohl nicht funktionieren. Mit Fortdauer eines Remis dürfen die Rieder ihr Heil aber erneut im Konter suchen und vor allem wieder pressen was das Zeug hält. Besonders Bouma in der Innenverteidigung offenbarte im Hinspiel technische Defizite, die man sich zu Nutze machen sollte.
Samstag, 13. August 2011
Sängerknaben in Kurvenlage #3: SK Rapid Wien
Eine kleine Reportage zum Thema „Randale vor der Zeit von Pyrotechnik“. Knappe Erläuterungen wie solche „Randale“ zu Stande kamen - und vielleicht immer noch kommen. Zusatzinformationen für Heimwerker: Wie viel kostet eine Eisenkette und wo bekomme ich eine? Und: Wie schminke ich mich richtig und was muss ich dabei beachten?
Freitag, 12. August 2011
tracklist #7: Bob Marley - Burnin' and Lootin'
Aus gegebenen Anlass. Jusqu'ici tous va bien...
Fußballklubs borgen sich Geld bei den Fans
Eine wachsende Zahl von Bundesligavereinen setzt bei der Finanzierung auf Anleihen. Sie nutzen damit die Chance, sich frisches Kapital zu günstigen Konditionen zu besorgen. Nach Ansicht von Experten sind die Renditen für Anleger angesichts hoher Risiken vergleichsweise gering.
Thomas Mersch Köln Den Saisonstart hat Arminia Bielefeld verpatzt. Mit nur einem Punkt liegt der ostwestfälische Traditionsklub nach drei Spielen auf Rang 17 der dritten Liga. Im DFB-Pokal sind die Bielefelder Kicker in der ersten Runde gescheitert. Auch finanziell ist die Lage angespannt. Die Lizenz für die aktuelle Saison erhielt der Zweitligaabsteiger nur unter der Bedingung, dass die laufende Liquidität nicht durch eine im September fällige Anleihe in Höhe von 2,9 Millionen Euro belastet wird.
Das möchte Arminia mit einer weiteren Anleihe sicherstellen, die seit Mitte Juli gezeichnet werden kann. Der Klub will möglichst viele Altzeichner dazu bewegen, ihr Kapital direkt in die neue Anleihe zu investieren. „Unser Ziel ist, die reine Rückzahlung so niedrig wie möglich zu halten“, sagt Klubsprecher Marcus Uhlig. Parallel hofft Bielefeld auf neue Anleger. Genaue Angaben zur aktuellen Zahl der Unterstützer macht Uhlig nicht. „Wir erfahren guten Zuspruch“, sagt er, „brauchen aber noch mehr Leute.“
Keine Sicherheiten erforderlich.
Auf der Suche nach Alternativen zum Bankkredit setzen Fußballklubs verstärkt auf Anleihen - vor allem Fans sollen investieren. Mit Hertha BSC, Schalke 04, dem 1.FC Nürnberg und dem 1. FC Köln haben vier aktuelle Erstligisten auf diese Weise Kapital eingesammelt - ebenso die Zweitligisten Alemannia Aachen, 1860 München und Hansa Rostock sowie Drittligist Bielefeld. „Fußballanleihen stellen für Klubs eine durchaus sinnvolle Finanzierungsalternative dar“, sagt Karlheinz Küting, Direktor des Centrums für Bilanzierung und Prüfung an der Universität des Saarlands. „Insbesondere in finanziell schwierigen Zeiten können zusätzliche liquide Mittel zu einem vergleichsweise niedrigen Zinssatz beschafft werden.“
Vorzüge für Vereine erkennt auch Fabian Kirchmann, Vorstand der auf Finanzkommunikation spezialisierten Firma IR.on in Köln. "Die Zielgruppe ist klar adressierbar und es sind keine Sicherheiten erforderlich", sagt Kirchmann, der mehrere Anleihen von Mittelständlern begleitet hat. „Bei der Platzierung gab es überwiegend eine hohe Erfolgsquote.“ Nur zwei der von Kirchmann analysierten Anleihen deutscher Klubs blieben deutlich unter den angepeilten Erlösen: Hertha BSC spielte in diesem Jahr statt der erhofften sechs nur 3,5 Millionen Euro ein. Aachen schaffte 2008 statt fünf nur 4,2 Millionen Euro. 1860 München bildet einen Sonderfall - der Klub stoppte laut IR.on letztes Jahr die Zeichnung einer Anleihe nach einem Wechsel in der Geschäftsführung.
Schalke schafft höchste Erlöse.
Die höchsten Einnahmen mit einer Fußballanleihe erzielte 2010 der FC Schalke 04. Das Zielvolumen lag bei zehn Millionen, tatsächlich warb der Revierklub elf Millionen Euro ein. „Die Erlöse nutzen wir, um Verbindlichkeiten umzufinanzieren“, sagt Geschäftsführer Peter Peters. 5,5 Prozent Zinsen bekommen Anleger jährlich.
Ende vergangenen Jahres lagen die Verbindlichkeiten des gesamten Vereins bei mehr als 200 Millionen Euro. Diese Marke will das Schalke-Management noch in diesem Jahr unterschreiten und die Schulden bis 2025 ganz tilgen. „Es ist sicher nicht das optimale Anleiheumfeld“, sagt Peters - er hält die Ausfallrisiken aber für kalkulierbar: „Schalke 04 wird immer ein Klub sein, der existiert und Fußball spielt.“ Die Anleger handeln seiner Ansicht nach nicht nur aus Treue zum Verein: „Viele bewerten das Verhältnis von Zins und Risiko ganz rational.“
Zwar sei noch keine Fußballanleihe ausgefallen, sagt Kirchmann. „Im Fall von Alemannia Aachen ist aber die Stadt eingesprungen, als der Klub Gefahr lief, seine Anleihe nicht bedienen zu können.“ Er weist auf beträchtliche Risiken für Anleger hin: „Fußballanleihen sind in der Regel nicht besichert. Bei Insolvenz droht ein Verlust des gesamten eingesetzten Kapitals.“
Begrenzt konkurrenzfähig.
Die Zinsen von fünf bis sieben Prozent hält Kirchmann deshalb für zu niedrig. „Hätten die Anleihen wie üblich ein Rating, wären sie allesamt Junk-Bonds. Sie müssten normalerweise einen Kupon von über zehn Prozent bieten, um das Risiko zu rechtfertigen.“ Für Mittelstandsanleihen hat er einen typischen Zins von sechs bis neun Prozent ermittelt. Im Hinblick auf allein renditeorientierte Anleger sei die Konkurrenzfähigkeit von Fußballanleihen gering. „Die Emissionen dienen eher der Sanierung der Finanzen mit Hilfe der eigenen Anhängerschaft“, urteilt Kirchmann.
Als eine Ursache für die hohen Risiken nennt er „mögliche Schwankungen bei Umsatz und Erträgen, die stark vom sportlichen Erfolg abhängen“. Entscheidend sei etwa, ob ein internationaler Wettbewerb erreicht werde. „Das lässt sich nicht mit Sicherheit planen.“
Vor sechs Jahren hat auch der 1.FC Köln eine Anleihe begeben und konnte damit die erhofften fünf Millionen Euro einspielen. Der Erlös sei in Transfers, Nachwuchsarbeit und Infrastruktur geflossen, sagt FC-Geschäftsführer Oliver Leki. „Für uns war wichtig, ein Finanzierungsinstrument zu finden, das Alternativen zum Bankkredit bietet.“ Im August wurde die Anleihe fällig. 80 Prozent der Papiere befanden sich laut Leki in Depots von Anlegern - das Geld sei zurücküberwiesen worden. „Derzeit ist keine Neuauflage geplant“, sagt Leki. Falls es künftig Liquiditätsbedarf für ein Projekt gebe, „werden wir darüber nachdenken“.
Fraglich ist nun, wie viele der Erwerber von Schmuckurkunden auf die Rückzahlung verzichten und das Papier lieber als Erinnerungsstück unversehrt samt Zinskupons behalten. Das Geld bekäme der FC dann praktisch geschenkt.
Quelle: Handelsblatt von Donnerstag, 11. August 2011; Seite 50
Donnerstag, 11. August 2011
Überbewertetes
Hätte. Wenn. Pech. Typisch österreichische Begriffe, wenn (da haben wir’s schon wieder) es um Fußball geht. Allen voran um die Nationalmannschaft. Immer wieder gibt es zwar Ausreißer nach oben, die Ergebnisse spielen aber leider nur selten mit. Die Heimniederlage gegen die Deutschen das letzte Beispiel. Wem das Pech aber über solch eine lange Strecke hold ist, der muss zu einem gewissen Teil auch selbst dafür verantwortlich sein. Zehn Jahre sind nämlich kein Bämmerl. Und wenn ich mir die Teamchefs der vergangenen Dekade so ins Gedächtnis rufe - ich möchte ja jetzt niemanden etwas unterstellen, aber - dürften sie mit dem aktuellen zumindest eines gemeinsam haben: „Taktik ist überbewertet“. Vielleicht sehen sie es nicht ganz so drastisch, wie es Teamchef Constantini auf den Punkt brachte, zu den Taktikfüchse zählen Krankl und Hickersberger aber auch nicht gerade. Und Brückner, der am ehesten noch als solcher kategorisiert werden könnte, erweckte in seiner Egide mehr den Eindruck eines ausgediegenen Trainers, der den verdienten Ruhestand zumindest mit einem pralleren Börserl antreten möchte.
Das gestern Gebotene war spielerisch ein Schritt in die richtige Richtung, taktische Fortschritte waren aber kaum zu erkennen. Bayerns Alaba und Stuttgarts Harnik mit Abstand die besten auf dem Feld, bei einer insgesamt aber mauen Mannschaftsleistung auch nicht gerade schwierig. Der Spielaufbau wirkte zwar behebig, die Slowaken attackierten aber phasenweise noch in der gegnerischen Hälfte. Insofern vollbrachte die nicht gerade von technischer Eleganz strotzende österreichische Innenverteidigung einen guten Job; dass Dragovic beim 0:1 den entscheidenden Kopfball verlor, war unglücklich, und dass bei selbiger Ecke am langen Pfosten niemand absichert, taktische Vorgabe. Ein Risiko, das bewusst eingegangen wird um im Zentrum Überzahl herzustellen.
Die Berücksichtigung von Kulovits erscheint mir nach wie vor unverständlich. Zwar spielte der Rapidler einen guten Part, technisch limitiert ist er nach wie vor - und wird dies wohl auch bleiben. Und weil Hamsik sowieso mehr auf den Flügel auswich, opferte Constantini von Anpfiff weg einen zusätzlichen Akteur für den Spielaufbau. Baumgartlinger, als zweiter Rückraumspieler, mit eher offensiven Vorgaben bedacht, schaltete sich dementsprechend öfter in das Angriffsspiel mit ein, blieb aber auch zunehmend blass.
Die Flügelzange Alaba-Harnik versprach viel und hielt dies durch zahlreiche Einzelaktionen auch. Ergänzend dazu sollte der Austrianer Junuzovic für zusätzliche Kreativität sorgen. Es kam aber alles anders. Denn Junuzovic wurde von den beiden Deutschlandlegionären durch deren Sturmläufe ins Zentrum buchstäblich der Raum genommen. Insofern blieb wenig Platz für den Edelzangler sich zu entfalten. Besonders Harnik war öfter woanders als auf seinem vorgegebenen rechten Flügel zu finden. Was sich auch wiederum auf den einzigen Stürmer, Janko, negativ auswirkte. In der Schlussphase war gut ersichtlich, dass das Spiel des Angreifers von den hohen Bällen lebt. Weil Harnik und Alaba von den Flügeln aber immer öfter ins Zentrum wechselten und die gestern in der Offensive selten präsenten Außenverteidiger Klein und Fuchs kaum brauchbare Flanken in den Strafraum beförderten, trat der Hollandlegionär nur selten in Erscheinung.
Fast schon praradox, dass ausgerechnet der kleine Hoffer nach einer Flanke das einzige Tor des Abends per Kopf erzielte. Mit Royer links und Hoffer als Außenstürmer rechts kam wesentlich mehr Schwung von den Seiten. Der sowieso im Zentrum agierende Harnik wurde gen Spielende dorthin verfrachtet und Alabas Kreativspiel kam auch aus der Tiefe nicht schlecht zur Geltung, wenn auch nicht ganz so überragend wie zuvor.
Abschließend bleibt noch zu kritisieren, dass der gestrige Gegner mit einem forscheren Pressing noch eher in die Bredoullie hätte gebracht werden können, aber auch mehr Kaltschnäutzigkeit im Abschluss den Erfolg schon im ersten Durchgang gesichert hätte.
Das gestern Gebotene war spielerisch ein Schritt in die richtige Richtung, taktische Fortschritte waren aber kaum zu erkennen. Bayerns Alaba und Stuttgarts Harnik mit Abstand die besten auf dem Feld, bei einer insgesamt aber mauen Mannschaftsleistung auch nicht gerade schwierig. Der Spielaufbau wirkte zwar behebig, die Slowaken attackierten aber phasenweise noch in der gegnerischen Hälfte. Insofern vollbrachte die nicht gerade von technischer Eleganz strotzende österreichische Innenverteidigung einen guten Job; dass Dragovic beim 0:1 den entscheidenden Kopfball verlor, war unglücklich, und dass bei selbiger Ecke am langen Pfosten niemand absichert, taktische Vorgabe. Ein Risiko, das bewusst eingegangen wird um im Zentrum Überzahl herzustellen.
Die Berücksichtigung von Kulovits erscheint mir nach wie vor unverständlich. Zwar spielte der Rapidler einen guten Part, technisch limitiert ist er nach wie vor - und wird dies wohl auch bleiben. Und weil Hamsik sowieso mehr auf den Flügel auswich, opferte Constantini von Anpfiff weg einen zusätzlichen Akteur für den Spielaufbau. Baumgartlinger, als zweiter Rückraumspieler, mit eher offensiven Vorgaben bedacht, schaltete sich dementsprechend öfter in das Angriffsspiel mit ein, blieb aber auch zunehmend blass.
Die Flügelzange Alaba-Harnik versprach viel und hielt dies durch zahlreiche Einzelaktionen auch. Ergänzend dazu sollte der Austrianer Junuzovic für zusätzliche Kreativität sorgen. Es kam aber alles anders. Denn Junuzovic wurde von den beiden Deutschlandlegionären durch deren Sturmläufe ins Zentrum buchstäblich der Raum genommen. Insofern blieb wenig Platz für den Edelzangler sich zu entfalten. Besonders Harnik war öfter woanders als auf seinem vorgegebenen rechten Flügel zu finden. Was sich auch wiederum auf den einzigen Stürmer, Janko, negativ auswirkte. In der Schlussphase war gut ersichtlich, dass das Spiel des Angreifers von den hohen Bällen lebt. Weil Harnik und Alaba von den Flügeln aber immer öfter ins Zentrum wechselten und die gestern in der Offensive selten präsenten Außenverteidiger Klein und Fuchs kaum brauchbare Flanken in den Strafraum beförderten, trat der Hollandlegionär nur selten in Erscheinung.
Fast schon praradox, dass ausgerechnet der kleine Hoffer nach einer Flanke das einzige Tor des Abends per Kopf erzielte. Mit Royer links und Hoffer als Außenstürmer rechts kam wesentlich mehr Schwung von den Seiten. Der sowieso im Zentrum agierende Harnik wurde gen Spielende dorthin verfrachtet und Alabas Kreativspiel kam auch aus der Tiefe nicht schlecht zur Geltung, wenn auch nicht ganz so überragend wie zuvor.
Abschließend bleibt noch zu kritisieren, dass der gestrige Gegner mit einem forscheren Pressing noch eher in die Bredoullie hätte gebracht werden können, aber auch mehr Kaltschnäutzigkeit im Abschluss den Erfolg schon im ersten Durchgang gesichert hätte.
Freitag, 5. August 2011
Good morning, Colombia!
Man soll ja bekanntlich niemals nie sagen, um viertel fünf Uhr morgens bei einem Stand von 0:2, ich korrigiere eben das 0:3, darf man(n) sehr wohl gewisses Wörtchen in den Mund nehmen. Nach 240 gespielten Minuten im Backofen von Kolumbien ohne Torerfolg, darf über das Ausscheiden unserer U20-Nationale nicht lamentiert werden. War es gegen Panama noch die fehlende Effizienz im Torabschluss und gegen Brasilien einfach Brasilien, darf mit Fug und Recht behauptet werden: Ägypten war einfach besser. Nicht nur, dass die Afrikaner weit aus bessere technische Fähigkeiten zeigten, waren die Pharaonen auch taktisch besser eingestellt als müde wirkende Österreicher. Dass der halbe, ja eigentliche ganze, Kader dieser Tage an Montezumas Rache leidet oder litt und der ein oder andere auch wegen des Fiebers nicht einsatzbereit war, soll keine Ausrede, aber zumindest eine Erklärung sein. Der zusätzliche Ausfall von Marco Djuricin sicher auch nicht förderlich. Die taktische Einstellung im heutigen Spiel gegen Ägypten aber auf gar keinen Fall. Der Querpass der Innenverteidigung Schimpelsberger-Rotpuller und retour verdetutlicht den ideenarmen Spielaufbau. Das Mittelfeld wurde vom weiteren Spielaufbau größten Teils ausgeschlossen. Die Verteidigung zog es vor meist den langen, spekulativen Pass in die gegnerische Hälfte zu spielen. Dort waren körperlich robustere Afrikaner im Zweikampf aber meist überlegen. Dass das 0:1 so fiel wie es fiel, war natürlich unglücklich, aber verdient. Klems Distanzschuss wenige Momente vor dem Pausenpfiff und zahlreiche Eckstöße sollten unsere Elf dennoch nicht wachrütteln. Im zweiten Durchgang wurde versucht kürzer und mehr in die Vertikale zu spielen, Torwart Radlinger setzte den allerletzten Hoffnungen auf einen dritten Platz, der bei diesem Turnier ab einer gewissen Leistung doch zum Aufstieg berechtigt, aber ein jehes Ende. Die Körpersprache signalisierte aber bereits vor diesem zweiten Gegentreffer, dass die Mannschaft an einen Aufstieg nicht mehr glaubte, das tat sie ja eigentlich schon seit der zweiten Spielminute als man, im nachhinein kann man’s so sagen, den Matchball liegen ließ. Diese Eindrücke manifestierten sich beim Umschalten nach Balleroberungen sowie im lachsen Zweikampfverhalten. Und während Mohamed Ibrahim mit seinem dritten Treffer das 0:4 fixiert und Österreich torlos Kolumbien verlassen wird - darauf lege ich mich fünf Minuten vor Spielschluss fest -, koche ich mir meinen dritten Espresso und mache mich auf den Weg in die Arbeit.
Donnerstag, 4. August 2011
Euros statt Medizinbälle
Dass stupides Rundenrennen in der Vorbereitung einer altmodischen Trainingsphilosophie angehört, sollte sich dank fortschrittlicher Sportwissenschaft mehr und mehr auch im Pöbel des Fußballs herumgesprochen haben. Zwar gibt es immer noch den ein oder anderen Schleifer unter den Trainern, der Trend in der Vorbereitungsplanung - zumindest für die Topteams des Kontinents - orientiert sich aber dennoch ein wenig an der Vergangenheit. Dies hat aber rein kommerzielle Aspekte. Wie schon in früheren Jahren wagen die Teams wieder den Sprung über den Teich nach Amerika oder noch weiter weg um sich für die beginnende Saison vorzubereiten. Während vor fünfzig, sechzig Jahren aber noch Sao Paulo, Montevideo oder Buenos Aires die Destinationen hießen, um seinen Kickern andere Arten und Wege als den langen Pass näher zu bringen, bestimmt in den heutigen Zeiten eher die Marketingabteilung wo es hingehen wird. Dabei gibt es eigentlich nur zwei wirkliche „Traumziele“: Entweder die finanzkräftigen Vereinigten Staaten erobern, oder den Markt in Ostasien, mit seinen fanatisch anmutenden, kreischenden Menschenmengen. Insofern wenig verwunderlich, wenn Arsenal nach gefühlten siebenundzwanzig Saisonvorbereitungen hintereinander in Bad Waltersdorf, heuer sagt, dass man es sich nicht mehr leisten könne, Zusatzeinnahmen aus Tourneen nach Thailand oder Malaysia auszulassen.
Die Ziele der „Vereine“ wechseln immer mehr. Lag bislang der Fokus darauf, mit Geld Sport zu machen, verändern sich die Denkweisen zu unternehmerischen Grundgedanken mit Sport Geld zu verdienen. Einer sinnvollen Vorbereitung entspricht der Plan von Real Madrid freilich nicht. Eine Woche an der US-Westküste mit zwei Freundschaftsspielen gegen LA Galaxy und Mexikos prominentestem Team Chivas Guadalajara. Noch in derselben Woche ging es viertausend Kilometer östlich zu einem Gagspiel nach Philadelphia. Drei Tage später testeten die Galaktischen, die eine ebensolche Regenerationsfähigkeit haben müssen, im Berliner Olympiastadion und wieder drei Tage später im englischen Leicester. Von der Insel ging es prompt weiter nach China, wo der Tross momentan weilt, gestern, Mittwoch, Guanghzou 7:1 besiegte und am Samstag noch auf den vielsagenden Gegner Tianjin treffen wird. Nach drei Wochen Reisestrapazen werden die königlichen Akteure am 8. August wieder in den eigenen Betten schlafen dürfen. Die Tournee dürfte dem „Verein“ etwa zehn Millionen Euro pro Woche gebracht haben.
Der FC Barcelona beschränkt sich hingegen ganz auf den US-Markt und testete in Washington bei einer Neuauflage des Champions League Finales publikumswirksam gegen Manchester United, sowie gegen die mexikanischen Klubs Chivas und America. Zuvor waren die Katalanen in München zu Gast bei den Bayern. Manchester United war ebenfalls drei Wochen in den Vereinigten Staaten unterwegs, Konkurrent Chelsea versuchte auf der anderen Seite des Globus, eben in Malaysia und Thailand, die Märkte und die sagenumwobene Asia Trophy zu erobern. Da war es in vergangenen Jahren ja noch historisch begründet, dass Celtic wegen der vielen irischen Emigranten an der US-Küste probte. Nun aber kurzfristig gar nach Australien übersiedelte, schon wieder weniger. Und dass der italienische Supercup heuer zum zweiten Mal nach 2009 in Peking ausgetragen wird, wundert dann auch schon niemand mehr. Immerhin versetzt der italienische Fußball sogar die sonst so demütigen buddhistischen Gemüter in Aufruhr, sodass es selbst im Reich der Mitte Krawalle zwischen Interisti und Rossoneri gibt. Oder zumindest zwischen Menschengruppen, die glauben sie seien eben solche.
Die Ziele der „Vereine“ wechseln immer mehr. Lag bislang der Fokus darauf, mit Geld Sport zu machen, verändern sich die Denkweisen zu unternehmerischen Grundgedanken mit Sport Geld zu verdienen. Einer sinnvollen Vorbereitung entspricht der Plan von Real Madrid freilich nicht. Eine Woche an der US-Westküste mit zwei Freundschaftsspielen gegen LA Galaxy und Mexikos prominentestem Team Chivas Guadalajara. Noch in derselben Woche ging es viertausend Kilometer östlich zu einem Gagspiel nach Philadelphia. Drei Tage später testeten die Galaktischen, die eine ebensolche Regenerationsfähigkeit haben müssen, im Berliner Olympiastadion und wieder drei Tage später im englischen Leicester. Von der Insel ging es prompt weiter nach China, wo der Tross momentan weilt, gestern, Mittwoch, Guanghzou 7:1 besiegte und am Samstag noch auf den vielsagenden Gegner Tianjin treffen wird. Nach drei Wochen Reisestrapazen werden die königlichen Akteure am 8. August wieder in den eigenen Betten schlafen dürfen. Die Tournee dürfte dem „Verein“ etwa zehn Millionen Euro pro Woche gebracht haben.
Der FC Barcelona beschränkt sich hingegen ganz auf den US-Markt und testete in Washington bei einer Neuauflage des Champions League Finales publikumswirksam gegen Manchester United, sowie gegen die mexikanischen Klubs Chivas und America. Zuvor waren die Katalanen in München zu Gast bei den Bayern. Manchester United war ebenfalls drei Wochen in den Vereinigten Staaten unterwegs, Konkurrent Chelsea versuchte auf der anderen Seite des Globus, eben in Malaysia und Thailand, die Märkte und die sagenumwobene Asia Trophy zu erobern. Da war es in vergangenen Jahren ja noch historisch begründet, dass Celtic wegen der vielen irischen Emigranten an der US-Küste probte. Nun aber kurzfristig gar nach Australien übersiedelte, schon wieder weniger. Und dass der italienische Supercup heuer zum zweiten Mal nach 2009 in Peking ausgetragen wird, wundert dann auch schon niemand mehr. Immerhin versetzt der italienische Fußball sogar die sonst so demütigen buddhistischen Gemüter in Aufruhr, sodass es selbst im Reich der Mitte Krawalle zwischen Interisti und Rossoneri gibt. Oder zumindest zwischen Menschengruppen, die glauben sie seien eben solche.
Donnerstag, 28. Juli 2011
Von Alberta bis Ontario
Vier Jahre ist es her als die junge österreichische Équipe in Kanada mit dem Halbfinaleinzug bei der U20-Weltmeisterschaft für Furore sorgte. Und wieder einmal ahnte der österreichische Übermut unseren Fußball in der Stratosphäre des terrestrischen Fußballs angekommen. Mit Junuzovic, Harnik, Hoffer, Kavlak, Okotie und Prödl gelang in der Folge aber nur einer handvoll des 21-Mann-Kaders den Sprung zu einer halbwegs ansehnlichen Karriere. Und Trainer Gludovatz. Der betreut seitdem ziemlich erfolgreich die Rieder Mannschaft. Zwar konnten im kanadischen Sommer von damals heutige Superstars in den Schatten gestellt werden, die Welt drehte sich aber weiter. Und so spielt ein Kun Agüero (eh damals auch schon bei Atlético Madrid) heute bei Man City, ein Ángel di Maria bei Real, ein Pato bei Milan und ist ein Juan Mata „richtiger“ Weltmeister. Natürlich sind das nur die Ausreißer nach oben.
Die Erwartungen eines „richtigen“ Weltmeistertitels hatte in unserem Land aber sowieso nur einst Frank Stronach (keine Ahnung, ob er sie vielleicht nicht eh noch hat). Da erscheint der „kleine“ Titel gar nicht so unfern. Wobei man erwähnen muss, dass auch dazu eine Menge Glück gehört. Zum Beispiel, dass Brasiliens Wunderkind Neymar solch Attribute besitzt, dass er bereits in der „großen“ Selecao tänzelt - oder es zumindest versucht. Was Österreichs Chancen auf einen Erfolg gegen die Kicker vom Zuckerhut bestimmt nicht schmälert - wobei die wohl auch mit einer spontanen Strandkickerelf noch in der Favoritenrolle wären. Die stetige Nachwuchsarbeit trägt aber erkennbare Früchte: Seit 2003 dreimaliger Halbfinalist bei Euro-Nachwuchsendrunden und eben jener vierte Platz in Kanada. Alles schon damals Merkmale für die heutige Legionärsschwemme österreichischer Spieler in Europa, die ein noch nie dagewesenes Ausmaß annimmt.
Was sich heute wiederum schon in der U20-Nationalmannschaft verdeutlicht. Denn mit Alaba (Bayern), Aschauer, Holzhauser, Stöger (alle Stuttgart), Djuricin (Hertha Berlin), Dragovic (Basel), Gucher (früher Genoa, Frosinone), Janeczek (Gladbach), Tobias Kainz (Heerenveen), Mitrovic (Emmen, Heerenveen), Radlinger (Hannover), Schimpelsberger (früher Twente) und Weimann (Aston Villa, Watford) befinden sich gleich dreizehn Spieler im erweiterten Kader, die im Ausland spielen oder zumindest dort ausgebildet wurden. Europacupheld Andi Heraf steht das Quartette Alaba, Dragovic, Holzhauser und Janeczek jedoch nicht zur Verfügung. Darüber hinaus befinden sich mit den Mattersburgern Farkas und Rath, den Riedern Zulj und Ziegl, dem Austrianer Dilaver, Klem von Sturm sowie den Dosenkickern Offenbacher und Teigl aber weitere acht Junioren mit heimischer Bundesligaerfahrung im Kader der einstigen Löwenmähne. Zudem könnte von Vorteil werden, dass unser Team, wie im Fußball üblich, eh nur milde belächelt wird. Diese entgegengebrachte Überheblichkeit (vielleicht aber auch nur saumäßige Recherche) schlägt sich nieder, wenn im offiziellen Magazin zur U20-Weltmeisterschaft ein Kaderfoto der Bayern München Amateure anstelle unseres Kaders gedruckt ist.
Wie weit unser Team diesmal kommt wird sich weisen. Im Backofen Cartagena geht es in der Nacht von Freitag auf Samstag (0.30 Uhr) gegen Panama los. Ägypten und eben Brasilien die weiteren Gegner. Ein Gruppensieg wäre ratsam, würde im Achtelfinale ein Gegner aus dem Quartett Kroatien, Saudi-Arabien, Nigeria, Guatemala warten. Ansonsten würde Argentinien, Mexiko, England oder Nordkorea drohen. Für einen Teil unserer Reisegruppe heißt’s aber vorerst mal Montezumas Rache besiegen…
Die Erwartungen eines „richtigen“ Weltmeistertitels hatte in unserem Land aber sowieso nur einst Frank Stronach (keine Ahnung, ob er sie vielleicht nicht eh noch hat). Da erscheint der „kleine“ Titel gar nicht so unfern. Wobei man erwähnen muss, dass auch dazu eine Menge Glück gehört. Zum Beispiel, dass Brasiliens Wunderkind Neymar solch Attribute besitzt, dass er bereits in der „großen“ Selecao tänzelt - oder es zumindest versucht. Was Österreichs Chancen auf einen Erfolg gegen die Kicker vom Zuckerhut bestimmt nicht schmälert - wobei die wohl auch mit einer spontanen Strandkickerelf noch in der Favoritenrolle wären. Die stetige Nachwuchsarbeit trägt aber erkennbare Früchte: Seit 2003 dreimaliger Halbfinalist bei Euro-Nachwuchsendrunden und eben jener vierte Platz in Kanada. Alles schon damals Merkmale für die heutige Legionärsschwemme österreichischer Spieler in Europa, die ein noch nie dagewesenes Ausmaß annimmt.
Was sich heute wiederum schon in der U20-Nationalmannschaft verdeutlicht. Denn mit Alaba (Bayern), Aschauer, Holzhauser, Stöger (alle Stuttgart), Djuricin (Hertha Berlin), Dragovic (Basel), Gucher (früher Genoa, Frosinone), Janeczek (Gladbach), Tobias Kainz (Heerenveen), Mitrovic (Emmen, Heerenveen), Radlinger (Hannover), Schimpelsberger (früher Twente) und Weimann (Aston Villa, Watford) befinden sich gleich dreizehn Spieler im erweiterten Kader, die im Ausland spielen oder zumindest dort ausgebildet wurden. Europacupheld Andi Heraf steht das Quartette Alaba, Dragovic, Holzhauser und Janeczek jedoch nicht zur Verfügung. Darüber hinaus befinden sich mit den Mattersburgern Farkas und Rath, den Riedern Zulj und Ziegl, dem Austrianer Dilaver, Klem von Sturm sowie den Dosenkickern Offenbacher und Teigl aber weitere acht Junioren mit heimischer Bundesligaerfahrung im Kader der einstigen Löwenmähne. Zudem könnte von Vorteil werden, dass unser Team, wie im Fußball üblich, eh nur milde belächelt wird. Diese entgegengebrachte Überheblichkeit (vielleicht aber auch nur saumäßige Recherche) schlägt sich nieder, wenn im offiziellen Magazin zur U20-Weltmeisterschaft ein Kaderfoto der Bayern München Amateure anstelle unseres Kaders gedruckt ist.
Wie weit unser Team diesmal kommt wird sich weisen. Im Backofen Cartagena geht es in der Nacht von Freitag auf Samstag (0.30 Uhr) gegen Panama los. Ägypten und eben Brasilien die weiteren Gegner. Ein Gruppensieg wäre ratsam, würde im Achtelfinale ein Gegner aus dem Quartett Kroatien, Saudi-Arabien, Nigeria, Guatemala warten. Ansonsten würde Argentinien, Mexiko, England oder Nordkorea drohen. Für einen Teil unserer Reisegruppe heißt’s aber vorerst mal Montezumas Rache besiegen…
Mittwoch, 27. Juli 2011
tracklist #6: The Specials - A Message To You Rudy
Reden ist Silber, Schweigen ist Gold. Und: Keine Antwort ist auch eine Antwort. So die momentane Vorgehensweise des Block West. Auch der Ballesterer hat dies in seiner Eingangskolumne erkannt. „Creating problems in town“. Zumindest in dieser Causa hat der Präsident höchst populistisch gehandelt. Insofern ist auch das Schweigen „A Massage to you Rudy Rudi“.
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