Mittwoch, 25. Januar 2012

Kleine Helden, Große Mythen

Die Sonne stand zum Anpfiff tief. Dennoch rannen den meisten Spielern bereits beim Betreten des trockenen Spielfeldes salzige Tropfen die Stirn hinab. Österreich gegen Italien. Die Azzurri kürten sich erst wenige Monate zuvor in Berlin zum Weltmeister. Frisch gebacken also. Das Selbstvertrauen konnte man in ihren dunklen Augen sehen. Nicht nur auf Grund des Titelgewinns. Historisch. Wir waren ja nur Österreicher. Sie Italiener. Und überhaupt. Schnell lagen die Südländer mit zwei Toren voran. Das vorwiegend italienische Publikum entzückt. Das übliche Spiel bahnte sich an. Österreich war völlig von der Rolle, unorganisiert, die meisten von uns technisch unterlegen. Mit dem Rückstand schien auch die Hoffnung zu schwinden. Unsere Mannschaft ging aber ein hohes Tempo, die Azzurri boten uns Paroli. Jeden Treffer den wir markierten, konterten die Italiener mit einem weiteren, sodass der Rückstand nicht und nicht schmelzen wollte. Flüche waren zu hören. „Wappler!“ Das Spiel wurde ruppiger. Eingeschüchtert durch die unerwartet forsche Spielweise der Österreicher, fühlte sich die Squadra sichtlich unwohl. „Cazzo!“. Hektisch dirigierte ihr lang gewachsener Abwehrchef, „Sinistra! SINISTRA!“. Mit brachialer Gewalt aber, drosch unser Stürmer gegen die Lederkugel, welche aus kurzer Distanz im Netz der Azzurrini wie eine Bombe einschlug. Ausgleich. Die Italiener, so schien es, warfen nun im Eifer des Gefechts die Nerven weg. Auch ihre Spielweise wurde nun aggressiver, schmutziger. Ein ums andere Mal flog ihr leichtfüßiger Zehner zu Boden. Der Schiedsrichter in Dauerbeschuss italienischer Beschwerden aber zu eingeschüchtert, um den unsauberen Methoden der Azzurri Einhalt zu gebieten. Unser tapferer Schlussmann aber hielt bravourös. „Merda!“ Die Verzweiflung der Azzurrini in Anbetracht des Ergebnisses war förmlich zu spüren. Peinlich eine mögliche Schmach gegen das kleine Österreich. Und nicht mehr lange zu spielen. Die Österreicher zollten nun dem hohen Tempo oder den heißen Temperaturen oder beidem Tribut. Die Konzentration schwand. Die Squadra, angepeitscht von einem kreischenden Publikum. Die Österreicher, aber den Hauch einer möglichen Sensation witternd und mit dem schieren Mut der Hoffnung. Ein langer Ball, geschlagen von unserem robusten Abwehrspieler, an die linke Flanke kann vom Außenläufer, mir, noch vor dem Aus gerettet werden. Die Azzurrini aber, wollen um jeden Preis die Kugel und doppeln mich forsch. Mit der Schulter kann ich mir den einen Angreifer vom Leib halten, spitzle die Haut am zweiten vorbei und dringe festen Schrittes in den Strafraum. In dem Moment als der italienische Torhüter wie eine Bestie auf den Ball und mich zustürzt, drücke ich mit meinem linken Fuß erbarmungslos ab. Zoffs Erben bleibt keine Chance. Das Leder schlägt wie eine Kanonenkugel im laschen Netz ein. Sechs zu Fünf für Österreich. Die Italiener, bestürzt über das Ergebnis, weisen sich wild gestikulierend und temperamentvoll fluchend Beschuldigungen am Untergang zu. Wenige Momente später beendet der tunesische Schiedsrichter die Begegnung. Noch Minuten nach dem Abpfiff genieße ich das Gefühl, den Weltmeister besiegt zu haben. Die meisten der Spieler aber interessiert das nicht mehr die Bohne. Sie springen, lechzend nach Abkühlung, in den blau schimmernden Pool oder werden von ihren Eltern abgeholt, um sich für das Abenddinner frisch zu machen.

Intim-Kontrollen für Fussball-Fans!

Pyro-Suche künftig in allen Körperöffnungen

Mit Intim-Kontrollen will die Polizei den Pyro-Schmuggel unterbinden. Sogenannte «Risiko-Fans» sollen demnächst vor dem Sportstadion strippen.

Der Vorfall muss für die Betroffenen ziemlich peinlich gewesen sein. Bei einem Spiel des FC Zürich musste letztes Jahr eine junge Frau aus dem Gästesektor des Stadions Letzigrund notfallmässig ins Spital gebracht werden. Die Ärzte holten einen Feuerwerkskörper aus ihrer Scheide. Er hatte sich dort verklemmt.

Wenige Wochen später fanden Sicherheitsbeamte nach einem Spiel auf der Toilette ein Präservativ – und darin Reste eines Pyros.

Dies zeigt: Hooligans gehen beim Einschmuggeln von Feuerwerkskörpern immer dreister vor. Nun haben die Sicherheits- und Polizeibehörden genug.

Pyros im Poschlitz
Vor kurzem verschärften sie die Massnahmen gegen Gewalt bei Sportveranstaltungen. Sie sehen vor, verdächtige Fans auch an intimen Körperstellen – wie Brüsten,Vagina oder Anus – genau zu kontrollieren.

Wenn man in den Stadien keine Chaoten mehr haben wolle, «dann beginnt die Sicherheit beim Einlass in die Stadien», sagt der Zuger Sicherheitsdirektor Beat Villiger (55), Vorstandsmitglied der Schweizerischen Justiz- und Polizeidirektoren-Konferenz (KKJPD).

Er will Intimkontrollen allerdings nur gezielt und unter Wahrung der Verhältnismässigkeit ansetzen, «beispielsweise bei Personen, die schon einmal Stadionverbot hatten oder als Risiko-Fans bekannt sind».

Für solche Kontrollen brauchts Polizeibeamte
Der Luzerner Polizeikommandant Beat Hensler (55) begrüsst die Verschärfung.

«Wir hatten schon Fälle, in denen pyrotechnisches Material im Poschlitz, an der Bauchdecke oder im unteren Rückenbereich mit Klebeband montiert und so in die Stadien geschmuggelt wurde», sagt er.

Klar ist: Intim-Kontrollen stellen einen schweren Eingriff in die Persönlichkeitssphäre dar.

Das Bundesamt für Justiz liess daher im Auftrag der KKJPD die Rechtmässigkeit solcher Kontrollen genau abklären. Auszüge des Gutachtens liegen SonntagsBlick vor. Diese halten fest: Polizistinnen dürfen nur Frauen, Polizisten nur Männer untersuchen.

Und immer muss eine medizinische Fachperson dabei sein. Private Sicherheitsleute dürfen keine Intim-Kontrollen vornehmen – ihnen ist nur das Abtasten der Kleider gestattet.

Hose runter!
Das verschärfte Regime war in der eben zu Ende gegangenen Vernehmlassung allseits unumstritten.

Für unbelehrbare Fans bedeutet das: Bei Verdacht auf Pyro-Schmuggel müssen sie künftig damit rechnen, von der Polizei in ein Kabäuschen geführt zu werden – und dort buchstäblich die Hosen runterzulassen.


Quelle: blick.ch; Sonntag, 22. Jänner 2012


In wie weit die Verhältnismäßigkeit eingesetzter finanzieller Ressourcen gegenüber einer eine Minute funkelnden Bengale stehen, bleibt jedem selbst zu beurteilen. Fakt ist, dass mit falscher Wortwahl und reißerischer Rhetorik Stimmung gegen einen bestimmten Typus „Fußballfan“ gemacht wird, der dem sicherheitswähnenden Zeitgeist von heute zu sehr ein Dorn im Auge zu sein scheint.

Donnerstag, 19. Januar 2012

Sängerknaben in Kurvenlage #8: Torino FC

Nachdem Lazios Curva Nord am 20. Jänner 2000 im Spiel gegen die AS Bari mit dem Spruchband „Onore alla Tigre Arkan“ an den fünf Tage zuvor verstorbenen Željko Ražnatović, dem vorgeworfen wurde im Jugoslawienkrieg Völkermord und Vertreibung an Nicht-Serben befehligt zu haben, gedachten, konterte die Kurve von Torino:


Quelle: forum.toronews.net

Die Freuden journalistischer Finten

Schließlich schneit es Mitte Jänner dann doch. Und der Schnee bleibt auch liegen. Zumindest für zwei Tage. Hat sich der Winterschlaf, welchen der österreichische Kick wochenlang hält, also doch gelohnt. Wird endlich Zeit, dass auch Mattersburg eine Rasenheizung verlegt, in der Halle möchte anscheinend sowieso niemand mehr scheiberln und dribbeln. In den wirklichen Fußballländern bleibt der Fußballteil der Zeitungen auch in dieser tristen Jahreszeit bunt und prall. In England sogar, obwohl die überhaupt nicht pausieren. Die Gerüchteküche brodelt. Bei uns dominieren jene mit den zwei Brettern die Seiten. Die ökonomische Perspektive der Klubs lässt aber eh kaum Raum für Spekulationen. Und auch wenn billiger Sportjournalismus eher Fadesse und mindere Qualität mit sich bringt, wer schon einmal im Fenster englische Kurzmeldungen über nebulöse Transfergerüchte studiert hat, weiß wie farbenprächtig und geheimnisvoll zugleich das ganze Geschäft anmutet. Und auch wenn nie klar werden wird, wer achtundsiebzig Minuten vor Transferschluss neun Millionen Pfund für Nikica Jelavic geboten hatte, kann immer noch ironischwitzig festgehalten werden: „It could have been anyone but let's rule Accrington Stanley out for starters.“