Der britische Beitrag: GEGEN DEN MODERNEN FUSSBALL!
Donnerstag, 30. Juni 2011
Montag, 27. Juni 2011
„Scheiß EM 2008 2012“ ?
Etwas mehr als elf Monate sind es noch bis zum Anpfiff der 14. Fußball-Europameisterschaft. Einer ganz besonderen. Denn erstmals findet das Turnier im ehemaligen Ostblock statt. In Polen und der Ukraine. So umstritten wie diesmal war eine Endrunde allerdings noch nie. Weniger die politischen Verhältnisse spielen für die Unruhe eine Rolle - wobei in der Ukraine auch hier nicht alles glatt läuft -, als die infrastrukturellen und ökonomischen.
Wie schon bei der letzten Euro in Österreich und der Schweiz, wird es auch diesmal acht Austragungsorte geben, die sich zu je vier auf beide Gastgebernationen
verteilen. In Polen sind dies Warschau, Posen, Breslau und Danzig, in der Ukraine Kiew, Donezk, Lemberg und Charkow. Die Kooperation der beiden Nationen offenbarte schon im Anfangsstadium Schwächen, denn noch geraume Zeit nach der Vergabe sicherte man sich mit den potenziellen Ausweichorten Krakau, Chorzow, Odessa und Dnjepropetrovsk gegen etwaige Bauverzögerungen ab. Dies sollte, wie sich später herausstellte, auch seine Gründe haben. Die reibungslosesten Bauten fanden in Donezk und Charkow statt und wurden bereits im August bzw. November 2009 (wieder)eröffnet. Während im Stadion von Metalist Charkow großteils Um- und Ausbauarbeiten vorgenommen wurden, bekam Shakhtar Donezk mit der Donbas Arena einen neuen Tempel hingestellt. Ein Zeitproblem in Bezug auf die Euro 2012 konnte gar nicht aufkommen, war mit Rinat Achmetow, dem reichsten Mann der Ukraine und gleichzeitig seit 1996 Präsident von Shakhtar, ein einflussreicher Mann Strippenzieher des Projekts.
Die anderen zwei Neubauten in Kiew und Lemberg entwickeln sich hingegen immer mehr zur Farce. Der Fertigstellungstermin des Stadions in Lemberg wurde auf Grund mehrmaliger Finanzierungsprobleme zuletzt auf Ende 2011 verschoben. Aktuell stehe man bei 64 Prozent Baufortschritt. Die Kosten für den Bau, an dem die österreichische Alpine beteiligt ist, verdoppelten sich von anfänglichen 85 Millionen Euro auf mittlerweile knapp 200 Millionen Euro. Das weit größere Problem für die Ukraine stellt das Olympiastadion in Kiew dar. Der Riesenkomplex mitten in der Hauptstadt wurde von Grund auf neugebaut. Der Vertrag mit der taiwanesischen Baugruppe Archasia Design Group wurde im Juni 2008 auf Grund mangelnder Erfahrung im Baugewerbe gekündigt. Mittlerweile sind zweitausend Arbeiter zwölf Stunden täglich mit den Bauarbeiten beschäftigt. Momentan geht man für die Fertigstellung von einem Termin zwischen Ende 2011 und März 2012 aus. Die einst kalkulierten Kosten von 200 bis 300 Millionen Euro erhöhen sich auch hier auf, so wird geschätzt, bis zu 600 Millionen Euro. Im Jahr 2008 wurde bereits öffentlich spekuliert, dass die Ukraine teilweise von der Gastgeberrolle zurücktreten müsse. Sogar ein Einspringen Deutschlands als Co-Gastgeber stand im Raum.
Die Bauarbeiten in Polen laufen indes etwas besser voran. Das Stadion in Posen wurde nach seiner Renovierung, welche 147 Millionen Euro verschlang, bereits im September 2010 wiedereröffnet. Und auch die Arbeiten im Städtischen Stadion von Breslau sind so gut wie erledigt. In Polen treiben die Spielstätten in Danzig, aber noch mehr jene in Warschau, den Verantwortlichen Schweißperlen auf die Stirn. Eigentlich sollte die Arena in Danzig, mit ihrer einzigartigen Goldfassade, mit dem Länderspiel Polen-Frankreich Anfang Juni eröffnet werden. Die Arbeiten, auch hier ist die Alpine am Bau beteiligt, zogen sich aber dermaßen in die Länge, sodass das Spiel kurzerhand ins Wojska Polskiego von Legia Warschau verlegt wurde. Das polnische Pendant zum Olympiastadion von Kiew ist das Nationalstadion von Warschau (Foto). Die Kosten sind auf satte 315 Millionen Euro explodiert; auch hier ist die Alpine am Bau beteiligt. Das große Manko ist die schwache Organisation am Bau selbst. Lange Zeit waren zu wenige Arbeiter beteiligt; zudem pfuschten Subunternehmen bei der Installation der Elektronik. Eigentlicher Fertigstellungstermin sollte Juni 2011 sein. Mittlerweile geht man von einem Bau bis Feber 2012 aus. So wird auch das Länderspiel Polen-Deutschland am 6. September woanders stattfinden.
Die Problematik mit den Stadionbauten ist seit Südafrika 2010 keine neue. Und schlussendlich werden bis zur Eröffnung auch sämtliche Stadien einsatzbereit sein. Diffiziler gestaltet sich die Situation außerhalb. In Relation zur Landesfläche sind Polen und die Ukraine vergleichsmäßig schwach vernetzt. Insgesamt hatten die Verantwortlichen in der Ukraine anfangs drei Milliarden Euro für Infrastrukturprojekte eingeplant, diese Zahl aber rasch auf zehn Milliarden erhöht. Auch weil die Kosten für die Flughäfen in Donezk und Lemberg mit 500 Millionen Euro um mehr als 50 Prozent höher ausfielen als kalkuliert. Das neue Terminal am Airport Borispol in Kiew soll noch dieses Jahr in Betrieb genommen werden. Weiters wollen die Ukraine 3.000 Kilometer neue Autobahnen und Schnellstraßen errichten, sowie das U-Bahnnetz in der Hauptstadt ausbauen. Wie viel von diesen ehrgeizigen Vorhaben tatsächlich noch realisiert werden bleibt abzuwarten. Langfristiges Nutzen für die Wirtschaft des Landes erwartet sich mangels qualitativer Arbeit nur eine Kleinzahl der Bevölkerung.
Die Situation in Polen ist eine ähnliche. Erst diesen Monat wurde der Vertrag mit dem chinesischen Bauunternehmen Covec gelöst. Die Asiaten erhielten für ihr Angebot von 320 Millionen Euro den Zuschlag für das Teilstück der A2 zwischen Lodz und Warschau. Es sollte die erste Bauinvestition einer chinesischen Unternehmung in Europa werden. Covec konnte aber die beschäftigten Subunternehmen nicht zahlen, weshalb Bagger und Betonmischer stillstanden. Ein konstruktiver Lösungsvorschlag seitens der Chinesen wurde nicht präsentiert, sodass Covec nun eine 188,5-Millionen-Euro teure Entschädigungszahlung bevorsteht. Mittlerweile haben die Chinesen den Zuschlag für den Bau eines ungarischen Flughafens erhalten. Indes resignierte Polens Premierminister Donald Tusk und ließ verlautbaren, dass die Autobahnen bis Juni 2012 vielleicht nicht fertig, aber wenigstens befahrbar sein würden. Von den 2007 versprochenen 21 Milliarden Euro - von denen 8,4 Milliarden aus dem Strukturfonds der EU stammen (Gelder, die der Ukraine als Nicht-Mitglied nicht zur Verfügung stehen) - für Straße, Bahn und Flug, wurden bislang erst 50 Prozent ausgereizt. Der Bau von 1.000 Kilometern Autobahn und 2.000 Kilometern Schnellstraße verzögert sich laut Regierungsangaben auch auf Grund der vergangenen Flutkatastrophen und des strengen Winters. Auch die wichtige Verbindungsstrecke im Südosten zwischen Tarnow und der Ukraine ist gefährdet. Während wohl nur 60 Prozent aller Schnellstraßen tatsächlich erbaut werden, geht die Entwicklung des Flugverkehrs - mit Ausnahme des Flughafenprojekts in Bialystok, dem der Umweltbescheid wieder entzogen wurde - planmäßig voran. Der Modlin Airport wird ab 2013 sogar für 1,3 Millionen Passagiere das Tor zur Welt oder nach Polen sein; der Flughafen in Danzig wird renoviert, der Flughafen in Lublin (Kosten: 100 Millionen Euro) ebenfalls bis zu 1 Million Passagiere abfertigen. Darüber hinaus werden in Polen als auch in der Ukraine insgesamt an die hundert Hotels benötigt, wobei bereits 2008 renommierte Hotelketten wie die französische Accor-Group oder die britische InterContinental Hotels-Group Bestrebungen verlautbaren ließen. Dennoch sind Schätzung zu Folge ein Drittel aller Infrastrukturprojekte gefährdet.
Ein zusätzlicher Stein auf dem Weg einer erfolgreichen Abwicklung des Turniers ist die politische Lage in der Ukraine. Durch die „Orange Revolution“ kam 2004 mit Viktor Juschtschenko ein westlich orientierter Präsident an die Macht. In der Folge zerfiel die liberale Bande zwischen Juschtschenko und Premierministerin Julia Tymoschenko aber. So wurde 2010 Viktor Janukowytsch doch noch ins Präsidentenamt gewählt. Janukowytschs Kurs bedeutete wieder eine Annäherung an Russland, die Zentralisierung und Stärkung seiner Machtposition und zunehmende Zensur der Presse. Zudem ging er hart gegen Oppositionelle vor, wie aktuell gegen Ex-Premierministerin Tymoschenko, die sich wegen Amtsmissbrauch vor Gericht verantworten muss. Anfang dieses Jahres wollte seine Regierung zudem personelle Umstrukturierungen im ukrainischen Fußballverband (FFU) erzwingen, weshalb die Uefa mit einem Ausschluss aus dem Verband drohte, der gleich bedeutend mit dem Entzug der Gastgeberrolle gewesen wäre. Erst kurz vor Auslaufen des Ultimatums dementierte der FFU via Fifa solch ein Vorhaben der Politik.
Dass weitere strukturelle Unebenheiten, besonders in der Fanarbeit in Polen (Stichwort: Hooligans) vorhanden sind, muss wohl nicht näher angeführt werden. Der volkswirtschaftliche Nutzen solcher Großereignisse bleibt umstritten, zumal die Projektvergabe wegen des Mangels an Know-how und Ressourcen großteils an ausländische Unternehmen geht. Im besten Fall kann die Arbeitslosigkeit kurz- bis mittelfristig gesenkt werden. Besonders tragisch, wenn die Neubauten nach dem Turnier nicht einmal adäquate Verwendung finden, wie in Südafrika. Dass mit der Euro 2016 in Frankreich auch wieder ein Land die Veranstalterrolle inne hat, die bereits die Infrastruktur für solch ein Turnier hat, ist wohl ein Sieg der Vernunft. Abzuwarten bleibt der längerfristige Trend. Die kommenden Weltmeisterschaften in Russland und Katar sorgen für Kopfschütteln. Besonders wenn das Vorzeigeland England in der Bewerbung ausgestochen wird. Nachdem sich die Türkei bereits für 2008 (mit Griechenland) und 2016 beworben hatte, könnte es schließlich für die Euro 2020 klappen. Die Konkurrenz wäre mit möglichen Gegnern wie die Niederlande und Belgien (diesmal beide separat), dem Duo Tschechien-Slowakei oder der Troika Bosnien-Kroatien-Serbien bestimmt klangvoll. Ob ein Endrundenspiel in Antalya im Juni so sinnvoll ist, bleibt jedem selbst überlassen.
Wie schon bei der letzten Euro in Österreich und der Schweiz, wird es auch diesmal acht Austragungsorte geben, die sich zu je vier auf beide Gastgebernationen
verteilen. In Polen sind dies Warschau, Posen, Breslau und Danzig, in der Ukraine Kiew, Donezk, Lemberg und Charkow. Die Kooperation der beiden Nationen offenbarte schon im Anfangsstadium Schwächen, denn noch geraume Zeit nach der Vergabe sicherte man sich mit den potenziellen Ausweichorten Krakau, Chorzow, Odessa und Dnjepropetrovsk gegen etwaige Bauverzögerungen ab. Dies sollte, wie sich später herausstellte, auch seine Gründe haben. Die reibungslosesten Bauten fanden in Donezk und Charkow statt und wurden bereits im August bzw. November 2009 (wieder)eröffnet. Während im Stadion von Metalist Charkow großteils Um- und Ausbauarbeiten vorgenommen wurden, bekam Shakhtar Donezk mit der Donbas Arena einen neuen Tempel hingestellt. Ein Zeitproblem in Bezug auf die Euro 2012 konnte gar nicht aufkommen, war mit Rinat Achmetow, dem reichsten Mann der Ukraine und gleichzeitig seit 1996 Präsident von Shakhtar, ein einflussreicher Mann Strippenzieher des Projekts.
Die anderen zwei Neubauten in Kiew und Lemberg entwickeln sich hingegen immer mehr zur Farce. Der Fertigstellungstermin des Stadions in Lemberg wurde auf Grund mehrmaliger Finanzierungsprobleme zuletzt auf Ende 2011 verschoben. Aktuell stehe man bei 64 Prozent Baufortschritt. Die Kosten für den Bau, an dem die österreichische Alpine beteiligt ist, verdoppelten sich von anfänglichen 85 Millionen Euro auf mittlerweile knapp 200 Millionen Euro. Das weit größere Problem für die Ukraine stellt das Olympiastadion in Kiew dar. Der Riesenkomplex mitten in der Hauptstadt wurde von Grund auf neugebaut. Der Vertrag mit der taiwanesischen Baugruppe Archasia Design Group wurde im Juni 2008 auf Grund mangelnder Erfahrung im Baugewerbe gekündigt. Mittlerweile sind zweitausend Arbeiter zwölf Stunden täglich mit den Bauarbeiten beschäftigt. Momentan geht man für die Fertigstellung von einem Termin zwischen Ende 2011 und März 2012 aus. Die einst kalkulierten Kosten von 200 bis 300 Millionen Euro erhöhen sich auch hier auf, so wird geschätzt, bis zu 600 Millionen Euro. Im Jahr 2008 wurde bereits öffentlich spekuliert, dass die Ukraine teilweise von der Gastgeberrolle zurücktreten müsse. Sogar ein Einspringen Deutschlands als Co-Gastgeber stand im Raum.
Die Bauarbeiten in Polen laufen indes etwas besser voran. Das Stadion in Posen wurde nach seiner Renovierung, welche 147 Millionen Euro verschlang, bereits im September 2010 wiedereröffnet. Und auch die Arbeiten im Städtischen Stadion von Breslau sind so gut wie erledigt. In Polen treiben die Spielstätten in Danzig, aber noch mehr jene in Warschau, den Verantwortlichen Schweißperlen auf die Stirn. Eigentlich sollte die Arena in Danzig, mit ihrer einzigartigen Goldfassade, mit dem Länderspiel Polen-Frankreich Anfang Juni eröffnet werden. Die Arbeiten, auch hier ist die Alpine am Bau beteiligt, zogen sich aber dermaßen in die Länge, sodass das Spiel kurzerhand ins Wojska Polskiego von Legia Warschau verlegt wurde. Das polnische Pendant zum Olympiastadion von Kiew ist das Nationalstadion von Warschau (Foto). Die Kosten sind auf satte 315 Millionen Euro explodiert; auch hier ist die Alpine am Bau beteiligt. Das große Manko ist die schwache Organisation am Bau selbst. Lange Zeit waren zu wenige Arbeiter beteiligt; zudem pfuschten Subunternehmen bei der Installation der Elektronik. Eigentlicher Fertigstellungstermin sollte Juni 2011 sein. Mittlerweile geht man von einem Bau bis Feber 2012 aus. So wird auch das Länderspiel Polen-Deutschland am 6. September woanders stattfinden.
Die Problematik mit den Stadionbauten ist seit Südafrika 2010 keine neue. Und schlussendlich werden bis zur Eröffnung auch sämtliche Stadien einsatzbereit sein. Diffiziler gestaltet sich die Situation außerhalb. In Relation zur Landesfläche sind Polen und die Ukraine vergleichsmäßig schwach vernetzt. Insgesamt hatten die Verantwortlichen in der Ukraine anfangs drei Milliarden Euro für Infrastrukturprojekte eingeplant, diese Zahl aber rasch auf zehn Milliarden erhöht. Auch weil die Kosten für die Flughäfen in Donezk und Lemberg mit 500 Millionen Euro um mehr als 50 Prozent höher ausfielen als kalkuliert. Das neue Terminal am Airport Borispol in Kiew soll noch dieses Jahr in Betrieb genommen werden. Weiters wollen die Ukraine 3.000 Kilometer neue Autobahnen und Schnellstraßen errichten, sowie das U-Bahnnetz in der Hauptstadt ausbauen. Wie viel von diesen ehrgeizigen Vorhaben tatsächlich noch realisiert werden bleibt abzuwarten. Langfristiges Nutzen für die Wirtschaft des Landes erwartet sich mangels qualitativer Arbeit nur eine Kleinzahl der Bevölkerung.
Die Situation in Polen ist eine ähnliche. Erst diesen Monat wurde der Vertrag mit dem chinesischen Bauunternehmen Covec gelöst. Die Asiaten erhielten für ihr Angebot von 320 Millionen Euro den Zuschlag für das Teilstück der A2 zwischen Lodz und Warschau. Es sollte die erste Bauinvestition einer chinesischen Unternehmung in Europa werden. Covec konnte aber die beschäftigten Subunternehmen nicht zahlen, weshalb Bagger und Betonmischer stillstanden. Ein konstruktiver Lösungsvorschlag seitens der Chinesen wurde nicht präsentiert, sodass Covec nun eine 188,5-Millionen-Euro teure Entschädigungszahlung bevorsteht. Mittlerweile haben die Chinesen den Zuschlag für den Bau eines ungarischen Flughafens erhalten. Indes resignierte Polens Premierminister Donald Tusk und ließ verlautbaren, dass die Autobahnen bis Juni 2012 vielleicht nicht fertig, aber wenigstens befahrbar sein würden. Von den 2007 versprochenen 21 Milliarden Euro - von denen 8,4 Milliarden aus dem Strukturfonds der EU stammen (Gelder, die der Ukraine als Nicht-Mitglied nicht zur Verfügung stehen) - für Straße, Bahn und Flug, wurden bislang erst 50 Prozent ausgereizt. Der Bau von 1.000 Kilometern Autobahn und 2.000 Kilometern Schnellstraße verzögert sich laut Regierungsangaben auch auf Grund der vergangenen Flutkatastrophen und des strengen Winters. Auch die wichtige Verbindungsstrecke im Südosten zwischen Tarnow und der Ukraine ist gefährdet. Während wohl nur 60 Prozent aller Schnellstraßen tatsächlich erbaut werden, geht die Entwicklung des Flugverkehrs - mit Ausnahme des Flughafenprojekts in Bialystok, dem der Umweltbescheid wieder entzogen wurde - planmäßig voran. Der Modlin Airport wird ab 2013 sogar für 1,3 Millionen Passagiere das Tor zur Welt oder nach Polen sein; der Flughafen in Danzig wird renoviert, der Flughafen in Lublin (Kosten: 100 Millionen Euro) ebenfalls bis zu 1 Million Passagiere abfertigen. Darüber hinaus werden in Polen als auch in der Ukraine insgesamt an die hundert Hotels benötigt, wobei bereits 2008 renommierte Hotelketten wie die französische Accor-Group oder die britische InterContinental Hotels-Group Bestrebungen verlautbaren ließen. Dennoch sind Schätzung zu Folge ein Drittel aller Infrastrukturprojekte gefährdet.
Ein zusätzlicher Stein auf dem Weg einer erfolgreichen Abwicklung des Turniers ist die politische Lage in der Ukraine. Durch die „Orange Revolution“ kam 2004 mit Viktor Juschtschenko ein westlich orientierter Präsident an die Macht. In der Folge zerfiel die liberale Bande zwischen Juschtschenko und Premierministerin Julia Tymoschenko aber. So wurde 2010 Viktor Janukowytsch doch noch ins Präsidentenamt gewählt. Janukowytschs Kurs bedeutete wieder eine Annäherung an Russland, die Zentralisierung und Stärkung seiner Machtposition und zunehmende Zensur der Presse. Zudem ging er hart gegen Oppositionelle vor, wie aktuell gegen Ex-Premierministerin Tymoschenko, die sich wegen Amtsmissbrauch vor Gericht verantworten muss. Anfang dieses Jahres wollte seine Regierung zudem personelle Umstrukturierungen im ukrainischen Fußballverband (FFU) erzwingen, weshalb die Uefa mit einem Ausschluss aus dem Verband drohte, der gleich bedeutend mit dem Entzug der Gastgeberrolle gewesen wäre. Erst kurz vor Auslaufen des Ultimatums dementierte der FFU via Fifa solch ein Vorhaben der Politik.
Dass weitere strukturelle Unebenheiten, besonders in der Fanarbeit in Polen (Stichwort: Hooligans) vorhanden sind, muss wohl nicht näher angeführt werden. Der volkswirtschaftliche Nutzen solcher Großereignisse bleibt umstritten, zumal die Projektvergabe wegen des Mangels an Know-how und Ressourcen großteils an ausländische Unternehmen geht. Im besten Fall kann die Arbeitslosigkeit kurz- bis mittelfristig gesenkt werden. Besonders tragisch, wenn die Neubauten nach dem Turnier nicht einmal adäquate Verwendung finden, wie in Südafrika. Dass mit der Euro 2016 in Frankreich auch wieder ein Land die Veranstalterrolle inne hat, die bereits die Infrastruktur für solch ein Turnier hat, ist wohl ein Sieg der Vernunft. Abzuwarten bleibt der längerfristige Trend. Die kommenden Weltmeisterschaften in Russland und Katar sorgen für Kopfschütteln. Besonders wenn das Vorzeigeland England in der Bewerbung ausgestochen wird. Nachdem sich die Türkei bereits für 2008 (mit Griechenland) und 2016 beworben hatte, könnte es schließlich für die Euro 2020 klappen. Die Konkurrenz wäre mit möglichen Gegnern wie die Niederlande und Belgien (diesmal beide separat), dem Duo Tschechien-Slowakei oder der Troika Bosnien-Kroatien-Serbien bestimmt klangvoll. Ob ein Endrundenspiel in Antalya im Juni so sinnvoll ist, bleibt jedem selbst überlassen.
Montag, 20. Juni 2011
Booze it like Gascoigne
Fußball ist ein schnelllebiges Geschäft. Heute noch mehr als früher. Du schießt ein paar Tore und kannst ganz groß rauskommen. Hast bisschen Glück bei deinem neuen Verein und sahnst ein paar tausend Euro die Woche ab. Du tauschst deinen Polo gegen einen Ferrari und deine Mietwohnung gegen eine fette Villa mit Pool. Plötzlich gelingt dir in einer wichtigen Begegnung ein wichtiges Tor. Das wichtige Tor. Der längstüberfällige Wechsel ins Ausland winkt, wenn du nicht eh ein Italiener, Spanier oder Engländer bist. Plötzlich findest du dich auf Partys wieder, wo genau jene blonden Haserln herumspringen, auf die du dir zwei Jahre zuvor noch einen von der Palme gewedelt hast. Und natürlich vögelst du die eine oder andere auch, immerhin sind die ja wegen dir da. Du bist der Star! Deine Jugendliebe ist nicht weiter wichtig, immerhin hat die ja kein D-Titten. Und du bist jetzt sowieso jedes Wochenende auf irgendeiner Nuttenparty mit deinen Kollegen. Irgendwann zwischendurch kickst du wieder mal, sofern du keine „Leistenzerrung“ hast. Samstagabend fließt der Alkohol in Strömen und der hohle Sex gibt dir bald nicht mehr das, was er dir mit zweiundzwanzig bedeutet hat. Oder du kannst auch einfach nicht mehr, weil du viel zu besoffen bist. Du ziehst eine Line und fühlst dich wie Gott. Machst es gleich mit vier Tussis gleichzeitig. Der Fall hat aber längst begonnen. Und wie es im französischen Film „La Haine“ von Mathieu Kassovitz so schön heißt:„Was zählt ist nicht der Fall, sondern der Aufprall“.
Einer der sein Leben in vollen Zügen genoss war und ist ohne Zweifel Diego Armando Maradona. Nachdem Maradona eine eindrucksvolle 86er-WM spielte („Hand Gottes“ und DAS Solo) und den Titel zum zweiten Mal nach Argentinien holte, lag ihm Napoli zu Füßen. In Wahrheit taten die Napoletani das natürlich schon bei seiner Ankunft 1984 als zu seiner Präsentation 75.000 Leute ins San Paolo pilgerten. Mit dem Double 1987 wurde Maradona endgültig unsterblich. Seine Kokainabhängigkeit war seit 1983 ein offenes Geheimnis, 1991 wurde er dennoch für fünfzehn Monate gesperrt. Nach seiner Karriere war Maradona noch bis 2004 kokainabhängig. Nach mehreren Entziehungskuren und erlittener Herzschäden, sorgte er noch einmal im Jahr 2007 für Aufsehen als er wegen exzessivem Alkoholkonsum und psychischer Probleme in ein Krankenhaus eingeliefert wurde. Seit dem dürfte El Dios aber trocken und clean sein. Noch heute kann man ihn Zigarre paffend in der Loge der Bombonera beobachten.
Pele good, Maradona better, George Best. Der erste richtige Playboy im Fußball war wohl ohne Zweifel George Best. Ein Popidol erster Güte, der „Fünfte Beatle“. Der extravagante Lebensstil brachte aber nicht nur den Sportler Best zur Strecke, sondern später auch den Menschen. „I spent a lot of money on booze, birds and fast cars - the rest I just squandered.“ Mit Fortdauer seines Ruhmes verblasste auch sein Spiel. Seine Spielsucht und der anhaltende Alkoholkonsum gingen so weit, dass Best oft alkoholisiert beim Training erschien. Schließlich endete seine Zeit bei Manchester United 1974 mit dem Abstieg. Im Alter von 29 Jahren fand sich Best in der vierten Liga wieder und später bei diversen Stationen in den USA, Australien und im englischen Unterhaus. Sein Alkoholmissbrauch zog sich in unzähligen Kapiteln weiter durch sein Leben, wie ein roter Faden. 1990 trat Best sogar angetrunken in einer Talkshow auf, weswegen er sich im Nachhinein entschuldigte und dies als eines seiner dunkelsten Kapitel bezeichnete. Am 25. November 2005 verstarb George Best, einer der größten Fußballer der Geschichte, als Folge seiner jahrelangen Alkoholabhängigkeit an Multiorganversagen.
Die Drogen- und Alkoholprobleme eines anderen umfassen auf Wikipedia fasst so viel wie seine ganze aktive Karriere. Die Geschichte von Paul Gascoigne, kurz Gazza, ist eine weitere traurige. Schon seit der Kindheit ein völlig durchgeknallter Typ, immer wieder gut für den einen oder anderen - auch derben - Scherz. Der intelligenteste war er wohl nie. Sein Lebensstil ähnelte sehr jenem von George Best. Hohe Meinungen hatten die beiden von einander aber keine. Best:„ Ich sagte Gazza, dass sein IQ niedriger sei als seine Trikotnummer. Da fragte er mich, was denn ein IQ sei.“ Gascoignes Herz schlug aber stets für das runde Leder. Nach dem Karriereende ging sein Leben völlig den Bach runter. Dabei sagte Gazza selbst, dass ihm der Rücktritt sein Herz aus der Brust riss. Alkohol- und Kokainmissbrauch standen jahrelang an der Tagesordnung. Später gab er selbst zu zwischenzeitlich vier Flaschen Whiskey, dreißig Dosen Bier oder fünfzig Dosen Red Bull täglich konsumiert zu haben. Mehrmaliges Autofahren unter Alkoholeinfluss und unzählige Krankenhausaufenthalte und Entziehungskuren. Depressionen und Selbstmordgedanken prägten die Zeit nach seiner aktiven Karriere. Dabei sprang Gazza dem Tod nicht nur einmal von der Schippe. 2007 retteten ihm die Ärzte wegen eines akuten Magengeschwürs nur in einer Notoperation das Leben; 2008 musste er während einer Entziehungskur dreimal wiederbelebt werden. Im November 2010 begann Gazza seinen bereits zwölften Entzug.
Das besonders in England verhäuft Alkoholmissbrauch unter Fußballern auftritt, hat wohl eher mit der Wahrnehmung zu tun, da im restlichen Europa eine professionellere Einstellung herrschte. Auf Grund der zunehmenden Kommerzialisierung können es sich Spieler wie auch Klubs aber kaum mehr erlauben, solch ein Verhalten zu dulden. Einer der mit gutem Beispiel voran ging, war Tony Adams. Arsenals Captain hatte seit jeher einen latenten Bezug zum Alkohol. Als einer der ersten Spieler aber stand Adams öffentlich zu seiner Sucht und erntete für sein Outing viel Lob und Unterstützung. Schließlich half ihm auch Trainer Arsène Wenger dabei trocken zu werden, indem der Franzose eben professioneller Strukturen, allen voran was die Ernährungsgewohnheiten seiner Akteure anbelangt, in den Verein brachte. Im Jahre 2000, noch während seiner aktiven Karriere, rief Adams die „Sporting Chance Clinic“ ins Leben, eine Vereinigung die Sportlern bei Drogen- und Glücksspielsucht hilft. Adams spielte noch bis 2002 weiter und wurde in neunzehn Jahren Arsenal viermal Meister, dreimal Cupsieger und einmal Europacupsieger. Als erster überhaupt konnte er in drei verschiedenen Jahrzehnten als Kapitän eines Klubs mindestens je einmal englischer Meister werden.
Womöglich ließe sich die Liste noch seitenlang fortführen. Der schottische Kicker Andy McLaren war in den Neunzigern drogen- und alkoholabhängig, so dass er als einzigen Ausweg einen Selbstmordversuch unternahm. Adrian Mutus Koks ziehen kostete ihm satte 17 Millionen Euro. Auch Mark Bosnich wurde wegen Kokainmissbrauch von Chelsea fristlos entlassen. Robbie Fowler sorgte 1999 mit einem ziemlich eindeutigen Torjubel für rumors. Und Christoph Daum hatte so viel Schnee am Schnauzer picken, dass selbst Uli Hoeneß im fernen München Bescheid von wusste.
Einer der sein Leben in vollen Zügen genoss war und ist ohne Zweifel Diego Armando Maradona. Nachdem Maradona eine eindrucksvolle 86er-WM spielte („Hand Gottes“ und DAS Solo) und den Titel zum zweiten Mal nach Argentinien holte, lag ihm Napoli zu Füßen. In Wahrheit taten die Napoletani das natürlich schon bei seiner Ankunft 1984 als zu seiner Präsentation 75.000 Leute ins San Paolo pilgerten. Mit dem Double 1987 wurde Maradona endgültig unsterblich. Seine Kokainabhängigkeit war seit 1983 ein offenes Geheimnis, 1991 wurde er dennoch für fünfzehn Monate gesperrt. Nach seiner Karriere war Maradona noch bis 2004 kokainabhängig. Nach mehreren Entziehungskuren und erlittener Herzschäden, sorgte er noch einmal im Jahr 2007 für Aufsehen als er wegen exzessivem Alkoholkonsum und psychischer Probleme in ein Krankenhaus eingeliefert wurde. Seit dem dürfte El Dios aber trocken und clean sein. Noch heute kann man ihn Zigarre paffend in der Loge der Bombonera beobachten.
Pele good, Maradona better, George Best. Der erste richtige Playboy im Fußball war wohl ohne Zweifel George Best. Ein Popidol erster Güte, der „Fünfte Beatle“. Der extravagante Lebensstil brachte aber nicht nur den Sportler Best zur Strecke, sondern später auch den Menschen. „I spent a lot of money on booze, birds and fast cars - the rest I just squandered.“ Mit Fortdauer seines Ruhmes verblasste auch sein Spiel. Seine Spielsucht und der anhaltende Alkoholkonsum gingen so weit, dass Best oft alkoholisiert beim Training erschien. Schließlich endete seine Zeit bei Manchester United 1974 mit dem Abstieg. Im Alter von 29 Jahren fand sich Best in der vierten Liga wieder und später bei diversen Stationen in den USA, Australien und im englischen Unterhaus. Sein Alkoholmissbrauch zog sich in unzähligen Kapiteln weiter durch sein Leben, wie ein roter Faden. 1990 trat Best sogar angetrunken in einer Talkshow auf, weswegen er sich im Nachhinein entschuldigte und dies als eines seiner dunkelsten Kapitel bezeichnete. Am 25. November 2005 verstarb George Best, einer der größten Fußballer der Geschichte, als Folge seiner jahrelangen Alkoholabhängigkeit an Multiorganversagen.
Die Drogen- und Alkoholprobleme eines anderen umfassen auf Wikipedia fasst so viel wie seine ganze aktive Karriere. Die Geschichte von Paul Gascoigne, kurz Gazza, ist eine weitere traurige. Schon seit der Kindheit ein völlig durchgeknallter Typ, immer wieder gut für den einen oder anderen - auch derben - Scherz. Der intelligenteste war er wohl nie. Sein Lebensstil ähnelte sehr jenem von George Best. Hohe Meinungen hatten die beiden von einander aber keine. Best:„ Ich sagte Gazza, dass sein IQ niedriger sei als seine Trikotnummer. Da fragte er mich, was denn ein IQ sei.“ Gascoignes Herz schlug aber stets für das runde Leder. Nach dem Karriereende ging sein Leben völlig den Bach runter. Dabei sagte Gazza selbst, dass ihm der Rücktritt sein Herz aus der Brust riss. Alkohol- und Kokainmissbrauch standen jahrelang an der Tagesordnung. Später gab er selbst zu zwischenzeitlich vier Flaschen Whiskey, dreißig Dosen Bier oder fünfzig Dosen Red Bull täglich konsumiert zu haben. Mehrmaliges Autofahren unter Alkoholeinfluss und unzählige Krankenhausaufenthalte und Entziehungskuren. Depressionen und Selbstmordgedanken prägten die Zeit nach seiner aktiven Karriere. Dabei sprang Gazza dem Tod nicht nur einmal von der Schippe. 2007 retteten ihm die Ärzte wegen eines akuten Magengeschwürs nur in einer Notoperation das Leben; 2008 musste er während einer Entziehungskur dreimal wiederbelebt werden. Im November 2010 begann Gazza seinen bereits zwölften Entzug.
Das besonders in England verhäuft Alkoholmissbrauch unter Fußballern auftritt, hat wohl eher mit der Wahrnehmung zu tun, da im restlichen Europa eine professionellere Einstellung herrschte. Auf Grund der zunehmenden Kommerzialisierung können es sich Spieler wie auch Klubs aber kaum mehr erlauben, solch ein Verhalten zu dulden. Einer der mit gutem Beispiel voran ging, war Tony Adams. Arsenals Captain hatte seit jeher einen latenten Bezug zum Alkohol. Als einer der ersten Spieler aber stand Adams öffentlich zu seiner Sucht und erntete für sein Outing viel Lob und Unterstützung. Schließlich half ihm auch Trainer Arsène Wenger dabei trocken zu werden, indem der Franzose eben professioneller Strukturen, allen voran was die Ernährungsgewohnheiten seiner Akteure anbelangt, in den Verein brachte. Im Jahre 2000, noch während seiner aktiven Karriere, rief Adams die „Sporting Chance Clinic“ ins Leben, eine Vereinigung die Sportlern bei Drogen- und Glücksspielsucht hilft. Adams spielte noch bis 2002 weiter und wurde in neunzehn Jahren Arsenal viermal Meister, dreimal Cupsieger und einmal Europacupsieger. Als erster überhaupt konnte er in drei verschiedenen Jahrzehnten als Kapitän eines Klubs mindestens je einmal englischer Meister werden.
Womöglich ließe sich die Liste noch seitenlang fortführen. Der schottische Kicker Andy McLaren war in den Neunzigern drogen- und alkoholabhängig, so dass er als einzigen Ausweg einen Selbstmordversuch unternahm. Adrian Mutus Koks ziehen kostete ihm satte 17 Millionen Euro. Auch Mark Bosnich wurde wegen Kokainmissbrauch von Chelsea fristlos entlassen. Robbie Fowler sorgte 1999 mit einem ziemlich eindeutigen Torjubel für rumors. Und Christoph Daum hatte so viel Schnee am Schnauzer picken, dass selbst Uli Hoeneß im fernen München Bescheid von wusste.
Freitag, 17. Juni 2011
tracklist #4: The Rifles - Repeated Offender
An die zweihundert waren 'offensive'. So 'offensive', dass sie nun zehn Jahre ausgesperrt werden sollen. 'Repeated offender' waren von denen wohl nur die wenigsten, denn wann hatte es in Wien-Hütteldorf zuletzt argen Zores gegeben?
Freitag, 20. Mai 2011
tracklist #3: Underworld - Born Slippy
Die verdammten 90er mit dem Aufkommen von Oasis, Madchester, der Premier League und vielen bunten Pillen. Pearces Elfer, Baggios Elfer, Southgates Elfer und Gazzas Eskapaden…
Donnerstag, 19. Mai 2011
Die Furcht vor dem Endspiel
Nachdem der FC Porto im heimischen Estadio do Dragao 5:1 gegen Spartak Moskau gewonnen hatte, war die Mannschaft aus der Hafenstadt wohl größter Favorit auf den Pokalsieg. Im Endspiel stand ihnen mit Ligakonkurrent Braga ein vermeidlicher Underdog gegenüber, aber kann man in einem Finale wirklich Favoriten- und Außenseiterrollen verteilen?
Fakt ist, dass Portos Weg nach Dublin weniger holprig verlief als jener des Finalneulings. Im Herbst spielte Braga noch in der Champions League, hatte gegenüber Partizan Belgrad die Nase klar vorne und konnte immerhin in der Europa League überwintern. Porto hingegen dominierte Gruppe L nach Belieben und ließ lediglich im Heimspiel gegen Besiktas zwei Punkte liegen - nachdem man aber bereits im Inönü 3:1 gewonnen hatte. Für Porto wurde es nur noch gegen den FC Sevilla eng. Sevilla - das von Finalgegner Braga in der Qualifikation zur Champions League besiegt wurde - bot einen heißen Tanz, die Mannen von Coach André Villas-Boas setzten sich auf Grund der Auswärtstorregel aber durch. In der Folge ging die Reise zweimal nach Moskau. Zuerst hatte ZSKA das Nachsehen (gesamt 3:1), anschließend wurde Martin Stranzels Ex-Klub Spartak Moskau vorgeführt. Allein der kolumbianischer Topstürmer Falcao markierte gegen die Moskowiter vier Treffer (H 5:1, A 5:2). Im Halbfinale ging die Falcao-Show weiter: Vier Tore im Hinspiel gegen Villareal bedeuteten faktisch den Finaleinzug. Dabei unterstrich der FC Porto eine weitere seiner Qualitäten: Die Gefährlichkeit im zweiten Durchgang. Auf dem gesamten Weg ins Finale nach Dublin netzte der FC Porto sechsunddreißig Mal; allein zwei Drittel der Treffer fielen in Halbzeit Zwei. Nur der FC Barcelona stellte vor elf Jahren eine gefährlichere Offensive (45 Tore).
Die Reise von Sporting Braga gestaltete sich nicht ganz so ansehnlich. Wie schon erwähnt, kam man über den „Umweg“ Champions League in den zweiten europäischen Cupbewerb, wo man sich gegen Lech Poznan und den FC Liverpool nur mit einem Treffer Differenz durchsetzen konnte. Im Viertel- und Halbfinale, gegen Dynamo Kiew und Benfica, reichte gar die Auswärtstorregel.
Vielleicht rührte die Favoritenrolle des FC Portos aber auch aus der Meisterschaft her. Nicht nur, dass Porto beide direkten Duelle gegen Braga für sich entscheiden konnte (H 3:2, A 2:0), gewann die Mannschaft aus der Stadt am Douro so was von überlegen die Meisterschaft, dass selbst das Wort „überlegen“ eine Untertreibung ist. Vierundachtzig von neunzig möglichen Punkten konnten eingeheimst werden, das sind dreiundneunzig Prozent des Punktemaximums. Lediglich dreimal wurde remisiert: am 7. Spieltag auswärts bei Vitoria Guimaraes 1:1, am 12. Spieltag auswärts bei Sporting Lissabon ebenfalls 1:1 und am 29. Spieltag - als die Meisterschaft bereits längst entschieden war - zuhause gegen Pacos de Ferreira 3:3, nach einer 3:1-Führung und in Überzahl. Der erste Verfolger, Benfica, wurde Zweiter mit einundzwanzig Punkten Rückstand. Braga hatte nach den dreißig Spieltagen achtunddreißig Zähler weniger und mehr als doppelt so viele Tore kassiert.
Dennoch muss sich Roland Linz in den vergangenen Tagen gekränkt haben, hatte er Braga vor zwei Jahren wegen finanzieller Aspekte doch Richtung Türkei verlassen. Gestern wäre er wohl ziemlich sicher zum Einsatz gekommen, offensiv blieben die Finalneulinge einiges schuldig. Dass Braga aber nicht als spielstarke Mannschaft zählt, war bereits vor Anpfiff bekannt. Wohl ein weiterer Grund für Portos Favoritenrolle. Custodio hatte nach vier Minuten eine Riesenchance, schloss aber per Direktabnahme zu hastig ab. In der Folge kam Porto besser in die Partie, Braga zog im Mittelfeld enge Kreise, sodass sich Joao Moutinho im Zentrum in Ballbesitz oft bis zu vier Gegenspielern gegenübersah. So blieb Porto nichts anderes übrig als über die Flanken gefährlich zu werden, wobei Varela auf links kaum Akzente setzen konnte; die meisten Vorstöße über die rechte Seite kamen, über Guarin oder Hulk. Hulk war es, der in der Anfangsphase zweimal, dreimal gefährlich in den Strafraum ziehen konnte, seine Flanken und Schüsse verfehlten aber stets das Ziel. Braga zeigte indes Anflüge ihres gefährlichen Konterspiels, welche aber zu selten klug vorgetragen wurden. Zwar spielte man großteils über Portos vermeidliche schwächere linke Seite, mit Außenverteidiger Alvaro Perreira, Lima im Sturmzentrum war aber stets abgemeldet. So war es nicht weiter verwunderlich, dass Porto wenige Sekunden vor dem Pausenpfiff, durch einen Ballverlust des Gegners in Führung ging. Guarin flankte aus dem Stand vom Halbfeld punktgenau in den Strafraum, wo erneut Falcao in die Lüfte stieg und gefühlvoll den Ball zur Führung in die linke Torecke köpfelte.
Hugo Viana, einst als großes Talent gepriesen und bereits beim FC Valencia unter Vertrag, wurde auch gestern seinen Ansprüchen als Spielmacher nur selten gerecht, weswegen er zur Pause von Marcio Mossoro ersetzt wurde. Genau jener Mossoro war es, der bereits nach vierzig Sekunden einen Fehler der Porto-Innenverteidigung nutze und mutterseelenallein auf Keeper Helton zu sprintete. Im Abschluss verließen den neuen Mann aber die Nerven, sodass er direkt den Schlussmann anvisierte. Von Mossoro sah man im zweiten Abschnitt nur noch eine Szene, in der er sich heftig beim spanischen Unparteiischen echauffierte und zu Recht Gelb sah. Es wirkte als hätte Mossoros verpasse Möglichkeit Braga das Genick gebrochen, die restlichen Offensivbemühungen verpufften in verunglückten Torschussversuchen oder Fehlpässen ins Aus. Da hätte es wohl auch nicht geholfen, wenn Herr Velasco Carballo in der 70. Minute Rechtsverteidiger Sapunaru vorzeitig zum Duschen geschickt hätte. Ganz im Gegenteil hatte Braga noch Glück; Savios Attacke von hinten an Hulk hätte nach einer halben Stunde nicht minder mit Rot geahndet werden können.
Es hätte der bis dato beste Fußball im Aviva Stadium werden sollen, Zyniker meinen, dass es in Eire ja sowieso nur Rugby und eventuell Hurling gibt. Unterm Strich war das Finale aber genauso bescheiden wie viele bescheidene Finals zuvor auch. Der Unterschied lag aber darin, dass die Teams nicht einfach taktiert haben, wie sonst üblich, sondern Braga qualitativ tatsächlich auf einem sehr bescheidenen Niveau agierte. Porto hat seine Taktik an den Gegner angepasst und nicht unnötig auf Risiko gespielt. Wieso hätte Porto auf die Entscheidung drängen sollen, wenn klar ersichtlich war, dass Braga nie in die Gefahr des Ausgleichs kommen würde? Wieso hätte Porto auf die Entscheidung drängen sollen und Braga unnötig Platz für ihre überfallsartigen Konterattacken geben sollen? Deswegen ließ Villas-Boas - aus taktischen Gründen - die Partie zu Recht dahinplätschern und sich zum jüngsten Trainer, der je einen Europacup gewinnen konnte, krönen.
Fakt ist, dass Portos Weg nach Dublin weniger holprig verlief als jener des Finalneulings. Im Herbst spielte Braga noch in der Champions League, hatte gegenüber Partizan Belgrad die Nase klar vorne und konnte immerhin in der Europa League überwintern. Porto hingegen dominierte Gruppe L nach Belieben und ließ lediglich im Heimspiel gegen Besiktas zwei Punkte liegen - nachdem man aber bereits im Inönü 3:1 gewonnen hatte. Für Porto wurde es nur noch gegen den FC Sevilla eng. Sevilla - das von Finalgegner Braga in der Qualifikation zur Champions League besiegt wurde - bot einen heißen Tanz, die Mannen von Coach André Villas-Boas setzten sich auf Grund der Auswärtstorregel aber durch. In der Folge ging die Reise zweimal nach Moskau. Zuerst hatte ZSKA das Nachsehen (gesamt 3:1), anschließend wurde Martin Stranzels Ex-Klub Spartak Moskau vorgeführt. Allein der kolumbianischer Topstürmer Falcao markierte gegen die Moskowiter vier Treffer (H 5:1, A 5:2). Im Halbfinale ging die Falcao-Show weiter: Vier Tore im Hinspiel gegen Villareal bedeuteten faktisch den Finaleinzug. Dabei unterstrich der FC Porto eine weitere seiner Qualitäten: Die Gefährlichkeit im zweiten Durchgang. Auf dem gesamten Weg ins Finale nach Dublin netzte der FC Porto sechsunddreißig Mal; allein zwei Drittel der Treffer fielen in Halbzeit Zwei. Nur der FC Barcelona stellte vor elf Jahren eine gefährlichere Offensive (45 Tore).
Die Reise von Sporting Braga gestaltete sich nicht ganz so ansehnlich. Wie schon erwähnt, kam man über den „Umweg“ Champions League in den zweiten europäischen Cupbewerb, wo man sich gegen Lech Poznan und den FC Liverpool nur mit einem Treffer Differenz durchsetzen konnte. Im Viertel- und Halbfinale, gegen Dynamo Kiew und Benfica, reichte gar die Auswärtstorregel.
Vielleicht rührte die Favoritenrolle des FC Portos aber auch aus der Meisterschaft her. Nicht nur, dass Porto beide direkten Duelle gegen Braga für sich entscheiden konnte (H 3:2, A 2:0), gewann die Mannschaft aus der Stadt am Douro so was von überlegen die Meisterschaft, dass selbst das Wort „überlegen“ eine Untertreibung ist. Vierundachtzig von neunzig möglichen Punkten konnten eingeheimst werden, das sind dreiundneunzig Prozent des Punktemaximums. Lediglich dreimal wurde remisiert: am 7. Spieltag auswärts bei Vitoria Guimaraes 1:1, am 12. Spieltag auswärts bei Sporting Lissabon ebenfalls 1:1 und am 29. Spieltag - als die Meisterschaft bereits längst entschieden war - zuhause gegen Pacos de Ferreira 3:3, nach einer 3:1-Führung und in Überzahl. Der erste Verfolger, Benfica, wurde Zweiter mit einundzwanzig Punkten Rückstand. Braga hatte nach den dreißig Spieltagen achtunddreißig Zähler weniger und mehr als doppelt so viele Tore kassiert.
Dennoch muss sich Roland Linz in den vergangenen Tagen gekränkt haben, hatte er Braga vor zwei Jahren wegen finanzieller Aspekte doch Richtung Türkei verlassen. Gestern wäre er wohl ziemlich sicher zum Einsatz gekommen, offensiv blieben die Finalneulinge einiges schuldig. Dass Braga aber nicht als spielstarke Mannschaft zählt, war bereits vor Anpfiff bekannt. Wohl ein weiterer Grund für Portos Favoritenrolle. Custodio hatte nach vier Minuten eine Riesenchance, schloss aber per Direktabnahme zu hastig ab. In der Folge kam Porto besser in die Partie, Braga zog im Mittelfeld enge Kreise, sodass sich Joao Moutinho im Zentrum in Ballbesitz oft bis zu vier Gegenspielern gegenübersah. So blieb Porto nichts anderes übrig als über die Flanken gefährlich zu werden, wobei Varela auf links kaum Akzente setzen konnte; die meisten Vorstöße über die rechte Seite kamen, über Guarin oder Hulk. Hulk war es, der in der Anfangsphase zweimal, dreimal gefährlich in den Strafraum ziehen konnte, seine Flanken und Schüsse verfehlten aber stets das Ziel. Braga zeigte indes Anflüge ihres gefährlichen Konterspiels, welche aber zu selten klug vorgetragen wurden. Zwar spielte man großteils über Portos vermeidliche schwächere linke Seite, mit Außenverteidiger Alvaro Perreira, Lima im Sturmzentrum war aber stets abgemeldet. So war es nicht weiter verwunderlich, dass Porto wenige Sekunden vor dem Pausenpfiff, durch einen Ballverlust des Gegners in Führung ging. Guarin flankte aus dem Stand vom Halbfeld punktgenau in den Strafraum, wo erneut Falcao in die Lüfte stieg und gefühlvoll den Ball zur Führung in die linke Torecke köpfelte.
Hugo Viana, einst als großes Talent gepriesen und bereits beim FC Valencia unter Vertrag, wurde auch gestern seinen Ansprüchen als Spielmacher nur selten gerecht, weswegen er zur Pause von Marcio Mossoro ersetzt wurde. Genau jener Mossoro war es, der bereits nach vierzig Sekunden einen Fehler der Porto-Innenverteidigung nutze und mutterseelenallein auf Keeper Helton zu sprintete. Im Abschluss verließen den neuen Mann aber die Nerven, sodass er direkt den Schlussmann anvisierte. Von Mossoro sah man im zweiten Abschnitt nur noch eine Szene, in der er sich heftig beim spanischen Unparteiischen echauffierte und zu Recht Gelb sah. Es wirkte als hätte Mossoros verpasse Möglichkeit Braga das Genick gebrochen, die restlichen Offensivbemühungen verpufften in verunglückten Torschussversuchen oder Fehlpässen ins Aus. Da hätte es wohl auch nicht geholfen, wenn Herr Velasco Carballo in der 70. Minute Rechtsverteidiger Sapunaru vorzeitig zum Duschen geschickt hätte. Ganz im Gegenteil hatte Braga noch Glück; Savios Attacke von hinten an Hulk hätte nach einer halben Stunde nicht minder mit Rot geahndet werden können.
Es hätte der bis dato beste Fußball im Aviva Stadium werden sollen, Zyniker meinen, dass es in Eire ja sowieso nur Rugby und eventuell Hurling gibt. Unterm Strich war das Finale aber genauso bescheiden wie viele bescheidene Finals zuvor auch. Der Unterschied lag aber darin, dass die Teams nicht einfach taktiert haben, wie sonst üblich, sondern Braga qualitativ tatsächlich auf einem sehr bescheidenen Niveau agierte. Porto hat seine Taktik an den Gegner angepasst und nicht unnötig auf Risiko gespielt. Wieso hätte Porto auf die Entscheidung drängen sollen, wenn klar ersichtlich war, dass Braga nie in die Gefahr des Ausgleichs kommen würde? Wieso hätte Porto auf die Entscheidung drängen sollen und Braga unnötig Platz für ihre überfallsartigen Konterattacken geben sollen? Deswegen ließ Villas-Boas - aus taktischen Gründen - die Partie zu Recht dahinplätschern und sich zum jüngsten Trainer, der je einen Europacup gewinnen konnte, krönen.
Montag, 16. Mai 2011
Der Kampf um’s nackte Überleben
38. Spieltag
Manchester United (1.) - Blackpool
Stoke (9.) - Wigan
Wolverhampton - Blackburn
Tottenham (5.) - Birmingham
Die Meisterschaft ist zwar entschieden, der Abstiegskampf ist aber noch im vollen Gange. Gleich fünf Teams bekämpfen sich am letzten Spieltag der Premier League in vier Fernduellen und einem direkten um die noch zwei verbleibenden Abstiegsränge. Favoriten auszumachen, fällt an Hand der aktuellen Lage und des Programms für Sonntag (Anpfiff: 17 Uhr MEZ) schwer. Ein kleiner Lagebericht verdeutlicht dies.
Blackburn: Die Rovers haben es im direkten Duell gegen die Wolves selbst in der Hand. Mit einem Sieg würden die Senioren von Toni Vastic in der höchsten Spielklasse bleiben. Und selbst bei einem Remis stünden die Chancen nicht all zu schlecht, da Wolverhampton nach wie vor hinter Blackburn bliebe. Und wohl auch die restlichen Abstiegskonkurrenten, da keinem der übrigen Dreien ein Punkt reichen würde. Gegen Blackburn spricht aber die eklatante Auswärtsschwäche. Insgesamt wurden gerade mal zwölf von möglichen vierundfünfzig Punkten in der Fremde ergattert.
Wolverhampton: Für den Verein von Stefan Maierhofer zählt das Selbe wie für Sonntags-Gegner Blackburn: Mit einem Sieg wäre man durch. Genauso würde ein Remis den Wanderers sehr helfen. Die Heimstärke könnte da zum Trumpf werden. Immerhin konnten acht von bislang achtzehn Spielen im heimischen Molineux gewonnen werden, was für den Abstiegskampf keine all zu schlechte Bilanz darstellt. Zum Vergleich: Birmingham konnte auf heimischem Terrain nur sechs Spiele gewinnen, Wigan und Blackpool gar nur fünf. Das wirft die Frage auf, was wäre bei einem Nicht-Angriffspakt zwischen den Wolves und den Rovers? Beide Teams wären wohl so gut wie durch. Verlassen werden sich darauf aber weder Mick McCarthy, noch sein Gegenüber Steve Kean. Sollte nämlich tatsächlich der unwahrscheinliche Fall eintreten, dass sowohl Blackpool, Wigan als auch Birmingham gewinnen, würden Wolverhampton und Blackburn als die Deppen der Nation dastehen.
Birmingham: City ist kommenden Sonntag wohl am ehesten von den Ergebnissen der Konkurrenz abhängig. Zwar gastiert Blackpool zeitgleich bei Manchester United, bei den Tangerines lebt aber wenigstens noch die Hoffnung, dass die Red Devils bereits mit angezogener Handbremse spielen, da der Titel beschlossene Sache ist. Für den Gegner von Birmingham, Tottenham, geht es indes noch um alles oder nichts. Im Fernduell gegen Liverpool (bei Aston Villa) geht es um den fünften Rang und damit um die Qualifikation zur Europa League. Manchester City hat zwar den Cup gewonnen, anders als in Österreich, rutscht der zusätzliche Europacup-Startplatz in der Tabelle nicht einen Rang nach unten, sondern erhält ihn der zweite Cup-Finalist, in diesem Fall Stoke City. Zusätzliche Brisanz erhält die Konstellation dadurch, dass Villa ein Liverpool-Sieg wohl nicht Unrecht käme. So müssten sich wiederum die Spurs mehr reinhängen und könnten im selben Atemzug Aston Villas verhassten Stadtrivalen in die zweite Liga schießen.
Blackpool: Angesichts der Offensive steht der Premier-League-Neuling zu Unrecht unten drin. Charlie Adam und Co. stellen den sechstbesten Angriff der Liga. Die Abwehr ist aber mir Abstand die qualitativ schwächste (durchschnittlich zwei Gegentreffer pro Partie). Nüchtern betrachtet, ist der Abstieg für die Tangerines beschlossene Sache. Gegner im Abschlussspiel ist Manchester United. Dass die Gastgeber eventuell nicht mehr zu hundert Prozent bei der Sache sein werden, ist für Blackpool eine Minihoffnung. Eher zählt da schon die Auswärtsstärke des Aufsteigers. Mit fünf Siegen in der Fremde erzielte man genauso viele Siege wie Liverpool oder Man United selbst. Zudem gibt das direkte Duell ein klein wenig Anlass zur Hoffnung, konnte Blackpool gegen den Meister im Jänner zumindest die erste Halbzeit mit 2:0 gewinnen. Endstand 2:3. Ein Oben-Bleiben wäre für Blackpool bei einem Remis nur möglich, wenn gleichzeitig Birmingham an der White Hart Lange baden geht und Wigan kein besseres Ergebnis als Blackpool gelingt. Reintheoretisch könnte selbst eine Niederlage reichen, unter der Vorraussetzung, das Wigan ebenfalls verliert und Birmingham mit einem Tor mehr als Blackpool.
Wigan: Und selbst Wigan könnte bei einer Niederlage in Stoke oben bleiben. In diesem Fall müssten Blackpool und Birmingham aber eine mindestens zwei Tore höhere Klatsche kassieren, was angesichts der Gegner aber kein Ding der Unmöglichkeit ist. Die Heimstärke der Potters spielt dem Ex-Klub von Paul Scharner nicht gerade in die Karten, von den fünf potenziellen Abstiegskandidaten, kassierte Wigan aber bislang die wenigsten Auswärtspleiten.
tracklist #2: Leggitima Offesa - Birra a fiumi
Nomen est omen! Nach Ried waren’s acht. Bei dem Hundskick der Grün-Weißen aber all zu verständlich, wenn man versucht sich die Leistung „schön“ zu saufen. Ähnlich wie bei manchen Frauen…
Samstag, 14. Mai 2011
Verkaufen und Kaufen
Dass für Grün-Weiß die Saison nicht gerade glücklich verlaufen ist, liegt auf der Hand. Die erste Konsequenz der Misere war der Rauswurf des Sportdirektors Hörtnagel, Trainer Pacult folgte ihm nur Tage später in unrühmlicher Manier. Seitdem sind sechs Spiele unter Interimstrainer Barisic bestritten. Der kurz aufbrausende Sturm, entpuppte sich als laues Lüftlein; der Trainereffekt nach bereits zwei Spielen dahin. Kurzfristig bilanziert Barisic ausgeglichen: Drei Siegen stehen zwei Niederlagen gegenüber und ebenso viele Unentschieden; zwölf geschossene Tore gegen sechs bekommene. Eine makellose Bilanz sieht anders aus, dass das Ruder aber nicht abrupt umgerissen werden konnte, sollte klar gewesen sein. Nett wäre es aber doch gewesen, hätte Barisic die Schäfchen noch ins Trockene gebracht, soll heißen, sich für die Europacup-Qualifikation qualifiziert. In der Theorie ist die Chance nach wie vor intakt, wenn gegen Kapfenberg und Mattersburg remisiert wird, sollte man sich zum Abschluss aber keine all zu große Leistungssteigerung mehr erhoffen. Und weil eben die Leistung über die gesamte Saison hinweg ziemlich überschaubar blieb, wird es diesen Sommer wohl auch keine Transferbomben geben, die Hütteldorf wie die vergangenen Sommer erschüttert. Selbst Veli Kavlak, der neben Yasin Pehlivan, noch am ehesten für einen Auslandstransfer in Frage gekommen wäre, relativiert das Ganze und sieht einem Sommertransfer - auch auf Grund seiner Knieprobleme im Frühjahr - düster entgegen.
Die finanzielle Decke für Neuverpflichtungen ist also dünn. Europacup- bzw. Transfereinnahmen wird es eher kaum geben. Ressourcen können aber auch gewonnen werden, indem man sich von bisweilen mitgeschleppten Dingen trennt. Dober wird Rapid verlassen, aus dem alternden Innenverteidigerduo Patocka-Soma könnte man auch ruhig mindestens einen hergeben (wenn nicht gleich beide), zumal noch Sonnleitner parat steht, Eder im Sommer aus Dänemark zurückkehrt und der junge Weißrusse Lebedew bis heute noch keine Chance in der Kampfmannschaft erhalten hat. Der längst nimmer fitte Katzer könnte meiner Ansicht auch gehen; zu solchen Konditionen sollte man frischeres Blut bekommen. Petar Zanev von Litex Lovech zum Beispiel. Der 25-jährige Nationalspieler wurde mit seinem Verein vergangene Saison Meister und wird es aller Vorrausicht nach auch heuer wieder. Außerdem wäre er im Sommer ablösefrei zu haben.
Das Überangebot im Mittelfeld ist ein weiteres Gräuel. Heikkinens Vertrag zu verlängern, stellt doch eine sehr gewagte Handlung dar, zumal der Finne nicht mehr jünger wird und seine Leistungen bestimmt keinen Topverdieneranspruch mehr gerecht werden. Hinum hat sich in seiner ersten Saison sehr schwer getan, wobei auch bestimmt sein Handbruch nicht gerade förderlich für seine Integration ins Mannschaftsgefüge war. Kulovits sollte man indes verlängern. Dass die Kampfgelse durch und durch Rapidler ist, hat er nicht nur die letzten Spiele bewiesen.
Woran es aber wirklich fehlt, ist Kreativität. Das Spiel mir Hofmann als einziger Anspielstation ist zu durchschaubar, zumal er sich vom rechten Flügel immer wieder ins Zentrum fallen lässt, rechts aber stets ein Loch bleibt - ein Problem, dass praktisch mit Pacult kam. Gil Vermouth (25) von Hapoel Tel-Aviv oder Aviram Baruchyan (26) von Beitar Jerusalem wären sicher nicht uninteressant und ablösefrei. Genauso der ehemalige niederländische Nationalspieler Romeo Castelen (28), der sich beim HSV nie richtig einleben hat können. Oder Darko Tasevski (26) von Levski Sofia, der diese Saison bereits 13 Torvorlagen auf seinem Konto verzeichnet.
Im Sturm ist der einzige mit Anspruch auf sein Leiberl Hamdi Salihi. Nuhiu beim Spielen zuzusehen tut teilweise weh und Gartler ist zu wenig giftig. Mit Vennegoor of Hesselink tue ich mir persönlich schwer. Wenn er spielte, schien er durchaus bemüht. Das Problem ist, dass er auf Grund seiner Verletzungsanfälligkeit kaum zum Einsatz kommt. 718 Minuten und zwei Tore sprechen eine deutliche Sprache.
In den vergangenen Transferperioden waren Benjamin Lauth (29) von 1860 und Mikael Forsell (30) von Hannover stets ein Thema in den Klatschkolumnen. Diesen Sommer wären sie ablösefrei zu haben. Ein Auge könnte man vielleicht auch auf den Uruguayer Sebastian Ribas (23) werfen, der in der zweiten französischen Liga alles zerbombt und bereits 20 Tore markierte. Auch interessant könnte der 25-jährige Guyon Fernandez von Excelsior Rotterdam sein, der momentan bei elf Saisontreffern steht. Oder aber auch der erst 22-jährige Slowake Frantisek Kubik von ADO Den Haag. Zwar erzielte der erst acht Treffer, aber immerhin auch gegen Ajax, Twente und PSV.
Insofern besteht, solange Augen und Lauscher offen gehalten werden, vielleicht doch noch eine Chance auf den einen oder anderen Sommer-Zugang, der doch überzeugen kann. Denn wenn nicht, wird Barisic bzw. seinem Nachfolger Schöttel, kaum Besserung bevor stehen.
Die finanzielle Decke für Neuverpflichtungen ist also dünn. Europacup- bzw. Transfereinnahmen wird es eher kaum geben. Ressourcen können aber auch gewonnen werden, indem man sich von bisweilen mitgeschleppten Dingen trennt. Dober wird Rapid verlassen, aus dem alternden Innenverteidigerduo Patocka-Soma könnte man auch ruhig mindestens einen hergeben (wenn nicht gleich beide), zumal noch Sonnleitner parat steht, Eder im Sommer aus Dänemark zurückkehrt und der junge Weißrusse Lebedew bis heute noch keine Chance in der Kampfmannschaft erhalten hat. Der längst nimmer fitte Katzer könnte meiner Ansicht auch gehen; zu solchen Konditionen sollte man frischeres Blut bekommen. Petar Zanev von Litex Lovech zum Beispiel. Der 25-jährige Nationalspieler wurde mit seinem Verein vergangene Saison Meister und wird es aller Vorrausicht nach auch heuer wieder. Außerdem wäre er im Sommer ablösefrei zu haben.
Das Überangebot im Mittelfeld ist ein weiteres Gräuel. Heikkinens Vertrag zu verlängern, stellt doch eine sehr gewagte Handlung dar, zumal der Finne nicht mehr jünger wird und seine Leistungen bestimmt keinen Topverdieneranspruch mehr gerecht werden. Hinum hat sich in seiner ersten Saison sehr schwer getan, wobei auch bestimmt sein Handbruch nicht gerade förderlich für seine Integration ins Mannschaftsgefüge war. Kulovits sollte man indes verlängern. Dass die Kampfgelse durch und durch Rapidler ist, hat er nicht nur die letzten Spiele bewiesen.
Woran es aber wirklich fehlt, ist Kreativität. Das Spiel mir Hofmann als einziger Anspielstation ist zu durchschaubar, zumal er sich vom rechten Flügel immer wieder ins Zentrum fallen lässt, rechts aber stets ein Loch bleibt - ein Problem, dass praktisch mit Pacult kam. Gil Vermouth (25) von Hapoel Tel-Aviv oder Aviram Baruchyan (26) von Beitar Jerusalem wären sicher nicht uninteressant und ablösefrei. Genauso der ehemalige niederländische Nationalspieler Romeo Castelen (28), der sich beim HSV nie richtig einleben hat können. Oder Darko Tasevski (26) von Levski Sofia, der diese Saison bereits 13 Torvorlagen auf seinem Konto verzeichnet.
Im Sturm ist der einzige mit Anspruch auf sein Leiberl Hamdi Salihi. Nuhiu beim Spielen zuzusehen tut teilweise weh und Gartler ist zu wenig giftig. Mit Vennegoor of Hesselink tue ich mir persönlich schwer. Wenn er spielte, schien er durchaus bemüht. Das Problem ist, dass er auf Grund seiner Verletzungsanfälligkeit kaum zum Einsatz kommt. 718 Minuten und zwei Tore sprechen eine deutliche Sprache.
In den vergangenen Transferperioden waren Benjamin Lauth (29) von 1860 und Mikael Forsell (30) von Hannover stets ein Thema in den Klatschkolumnen. Diesen Sommer wären sie ablösefrei zu haben. Ein Auge könnte man vielleicht auch auf den Uruguayer Sebastian Ribas (23) werfen, der in der zweiten französischen Liga alles zerbombt und bereits 20 Tore markierte. Auch interessant könnte der 25-jährige Guyon Fernandez von Excelsior Rotterdam sein, der momentan bei elf Saisontreffern steht. Oder aber auch der erst 22-jährige Slowake Frantisek Kubik von ADO Den Haag. Zwar erzielte der erst acht Treffer, aber immerhin auch gegen Ajax, Twente und PSV.
Insofern besteht, solange Augen und Lauscher offen gehalten werden, vielleicht doch noch eine Chance auf den einen oder anderen Sommer-Zugang, der doch überzeugen kann. Denn wenn nicht, wird Barisic bzw. seinem Nachfolger Schöttel, kaum Besserung bevor stehen.
Mittwoch, 11. Mai 2011
The Weakest Link
Im englischen Fernsehen gibt es eine Quizshow mit demselben Namen. Ziel des Spiels ist es als Gruppe durch Wissensfragen so viel Geld wie möglich zu sammeln. Zum Ende jeder Runde wird ein Spieler von seinem Team abgewählt und jener, der übrig bleibt, gewinnt die ganze Marie. Im Deutschen - vielleicht auch im Englischen - gibt es eine Redewendung, „die Gruppe ist nur so stark wie ihr schwächstes Glied“.
Während in Europas Topligen je ein Klub - oder maximal ein Duo – das Tableau überlegen anführt, sei es nun Dortmund, Milan, Manchester United/Chelsea oder Barca/Real, spielt in Österreich lange Zeit die halbe Liga um den Titel. Die Ligastärke aber auf die Qualität der Ligaspitze zu minimieren, finde ich etwas gar kurzsichtig. In Zeiten der Abramowitschs und Mateschitz’ kann man sich Erfolg ja ohnehin leicht erkaufen, sollte man meinen. Zumindest der Sprung ins Spitzenfeld gelingt aber jedenfalls, bestes Beispiel Manchester City. Die Homogenität im Abstiegskampf ist da, denke ich, eine weit intaktere. Denn in den Tiefen der Abstiegssümpfe gibt es nur selten Scheichs aus Emiraten, die ihr scheinbar überflüssiges Geld in Dorfklubs oder Vereine aus tristen Industrieperipherien pulvern. Der FC Malaga möge da ein Gegenbeweis sein, aber immerhin bestätigen Ausnahmen ja die Regel (und ist Malaga ja auch ein schönes Städtchen!). Dementsprechend könnte man die Qualität einer Liga ja wohl am ehesten an der Attraktivität und Ausgeglichenheit ihres Abstiegskampfes messen. Wenige irrationale finanzielle Einflussfaktoren von Außen, lassen das Rennen um la salvezza, wie der Ligaverbleib in Italien genannt wird, noch authentisch bleiben.
Doch wie sieht authentischer Abstiegskampf aus? Ich habe mir die Abstiegskämpfe der letzten vier Spielzeiten und der aktuellen aus England, Deutschland, Italien, Spanien, Frankreich, der Schweiz und natürlich Österreich angesehen und ein wenig analysiert. Stichtag ist genau jener Spieltag, den wir momentan in den jeweiligen Ligen haben, umso die Zahlen vergleichen zu können. Und aufgefallen ist, dass keiner der sieben Abstiegskämpfe so langweilig ist, wie jener in der österreichischen Bundesliga. Der abgeschlagene Letzte ist aber kein österreichisches Phänomen. Vor allem in Frankreich ist dies gut erkennbar, wo heuer mit Arles (26 Punkte Rückstand ans rettende Ufer), vor zwei Jahren mit Le Havre (9) und das Jahr zuvor mit Metz (18) jeweils Aufsteiger gnadenlose Rückstande gegenüber der Konkurrenz aufrissen. Vorige Saison hatte überdies Grenoble vier Spieltage vor Schluss einen 17-Punkte-Rückstand auf den ersten Nicht-Abstiegsplatz. Ein weiteres französisches Unikum ist, dass beinahe die halbe Liga im Abstiegsschlammassel steckt. Sicher muss man nun etwas vorsichtig sein; wenn man sich die aktuelle Tabelle ansieht, fällt aber auf, dass – den Spielplan nicht berücksichtigt – sogar der Sechste, Sochaux, reintheoretisch noch absteigen könnte.
In Deutschland wie in Italien ist der Abstiegskampf nicht minder turbulent. Was in Deutschland auffällt ist, dass selbst der Vorletzte zum letzten Spieltag meist noch Chancen auf den Ligaverbleib hat. Zum selben Zeitpunkt hatten in Italien (hier waren noch zwei Spieltage verbleibend) vergleichsweise nur zwei Teams dieselbe Chance (Reggina in der Saison 08/09 und Empoli im Jahr davor). Was in Italien eher auffällt ist die geringe Fluktuation im Abstiegskampf. Mit Parma, Bologna, Catania, Livorno, Torino oder Reggina gibt es gleich sechs Mannschaften die in den letzten vier Jahren und heuer gleich dreimal in Abstiegsnöte geraten waren oder sogar von selbigem ereilt wurden.
England und Spanien zeigen aber wohl die beeindruckendsten Abstiegsspektakel. In beiden Ländern haben selbst die Vorletzten noch zwei Spieltage vor Schluss zu achtzig bzw. sechzig Prozent eine theoretische Chance; der Achtzehnte ist in vier von fünf Fällen sogar nur maximal einen Punkt unter dem Strich. Bei den Letztplatzierten gibt es keine klare Tendenz. Portsmouth mit 18, Derby mit 22 und Watford mit immerhin noch elf Punkten Rückstand (zwei Spieltage vor Ende der Meisterschaft) waren schon arg abgeschlagen, der heurige Letzte West Ham oder vor zwei Jahren West Brom haben/hatten vergleichsweise minimale vier bzw. drei Zähler Rückstand. In Spanien ein ähnliches Bild: Almeria hat heuer bereits 14 Punkte Rückstand, Levante hatte 2008 ebenso viele, Gimnastic ein Jahr davor zwei weniger. Ein weiteres Indiz für einen spannenden Abstiegskampf sind die teilnehmenden Mannschaften. Auf der Insel, genauso wie in Spanien, sind etwa sechs bis sieben Mannschaften, also gut ein Drittel der ganzen Liga zum Ende der Saison nach wie vor in Turbulenzen.
Um zu enttäuschen muss die T-Mobile-Bundesliga den Vergleich mit den großen Ligen aber erst gar nicht antreten. Die schweizerische Super League beweist uns genauso, dass es auch anders ginge. Ebenfalls eine Zehnerliga, steigt auch der Letzte fix ab, der Vorletzte spielt allerdings in einer Barrage gegen den Zweiten aus der zweiten Liga. Ob sich aktuell Mattersburg gegen Altach durchsetzen würde? Der Letzte war in der Schweiz nicht minder oft mit nicht minder großen Punkteabstand abgeschlagen wie bei uns; durch die Relegation gestaltete der Neunte aber einen, wenn auch inszenierten, Abstiegskampf etwas spannender. So hatte lediglich vorige Saison Bellinzona einen Batzenrückstand als Vorletzter auf den Achten; ansonsten betrug dieser zum letzten Mal 06/07 mehr als zwei Punkte, bei immer noch vier verbleibenden Paarungen. Der Rest der Super League tat ihr bestes nicht unter den Strich zu rutschen, heuer sind nach wie vor der Achte Xamax und theoretisch auch noch der Siebte Grasshoppers in Abstiegsgefahr.
In unserer Liga ist wohl die Grüppchenbildung eine Spezialität. Die Endtabelle der vergangenen Meisterschaft zeigte das Spitzentrio Red Bull, Austria und Rapid innerhalb von drei Punkten. Sturm hatte als Vierter schon 15 Punkte Rückstand auf Rapid, Magna wiederum elf auf Sturm. Mattersburg und der LASK lagen dann beide bei 41 und 40 Zählern, Ried bei 38 zusammen, Kapfenberg dann aber wieder weiter zurück mit 33. Der Abstieg der Kärntner mit mickrigen 15 Zählern war schon zur Winterpause beschlossene Sache.
Lösungen oder ob man überhaupt eine Lösung für den fehlenden Abstiegskampf braucht, ob man überhaupt einen Abstiegskampf braucht, amerikanische Vorbilder ohne Abstieg, traurig aber wahr, es wurde alles schon diskutiert. Ich denke, dass es dem österreichischen Fußball gut tun würde, mehr Fluktuation in die Liga zu bringen. Die finanzielle Sicherheit der Klubs muss gleichzeitig aber gegeben werden, sonst erhöht sich die Zahl der Insolvenzen genauso.
Während in Europas Topligen je ein Klub - oder maximal ein Duo – das Tableau überlegen anführt, sei es nun Dortmund, Milan, Manchester United/Chelsea oder Barca/Real, spielt in Österreich lange Zeit die halbe Liga um den Titel. Die Ligastärke aber auf die Qualität der Ligaspitze zu minimieren, finde ich etwas gar kurzsichtig. In Zeiten der Abramowitschs und Mateschitz’ kann man sich Erfolg ja ohnehin leicht erkaufen, sollte man meinen. Zumindest der Sprung ins Spitzenfeld gelingt aber jedenfalls, bestes Beispiel Manchester City. Die Homogenität im Abstiegskampf ist da, denke ich, eine weit intaktere. Denn in den Tiefen der Abstiegssümpfe gibt es nur selten Scheichs aus Emiraten, die ihr scheinbar überflüssiges Geld in Dorfklubs oder Vereine aus tristen Industrieperipherien pulvern. Der FC Malaga möge da ein Gegenbeweis sein, aber immerhin bestätigen Ausnahmen ja die Regel (und ist Malaga ja auch ein schönes Städtchen!). Dementsprechend könnte man die Qualität einer Liga ja wohl am ehesten an der Attraktivität und Ausgeglichenheit ihres Abstiegskampfes messen. Wenige irrationale finanzielle Einflussfaktoren von Außen, lassen das Rennen um la salvezza, wie der Ligaverbleib in Italien genannt wird, noch authentisch bleiben.
Doch wie sieht authentischer Abstiegskampf aus? Ich habe mir die Abstiegskämpfe der letzten vier Spielzeiten und der aktuellen aus England, Deutschland, Italien, Spanien, Frankreich, der Schweiz und natürlich Österreich angesehen und ein wenig analysiert. Stichtag ist genau jener Spieltag, den wir momentan in den jeweiligen Ligen haben, umso die Zahlen vergleichen zu können. Und aufgefallen ist, dass keiner der sieben Abstiegskämpfe so langweilig ist, wie jener in der österreichischen Bundesliga. Der abgeschlagene Letzte ist aber kein österreichisches Phänomen. Vor allem in Frankreich ist dies gut erkennbar, wo heuer mit Arles (26 Punkte Rückstand ans rettende Ufer), vor zwei Jahren mit Le Havre (9) und das Jahr zuvor mit Metz (18) jeweils Aufsteiger gnadenlose Rückstande gegenüber der Konkurrenz aufrissen. Vorige Saison hatte überdies Grenoble vier Spieltage vor Schluss einen 17-Punkte-Rückstand auf den ersten Nicht-Abstiegsplatz. Ein weiteres französisches Unikum ist, dass beinahe die halbe Liga im Abstiegsschlammassel steckt. Sicher muss man nun etwas vorsichtig sein; wenn man sich die aktuelle Tabelle ansieht, fällt aber auf, dass – den Spielplan nicht berücksichtigt – sogar der Sechste, Sochaux, reintheoretisch noch absteigen könnte.
In Deutschland wie in Italien ist der Abstiegskampf nicht minder turbulent. Was in Deutschland auffällt ist, dass selbst der Vorletzte zum letzten Spieltag meist noch Chancen auf den Ligaverbleib hat. Zum selben Zeitpunkt hatten in Italien (hier waren noch zwei Spieltage verbleibend) vergleichsweise nur zwei Teams dieselbe Chance (Reggina in der Saison 08/09 und Empoli im Jahr davor). Was in Italien eher auffällt ist die geringe Fluktuation im Abstiegskampf. Mit Parma, Bologna, Catania, Livorno, Torino oder Reggina gibt es gleich sechs Mannschaften die in den letzten vier Jahren und heuer gleich dreimal in Abstiegsnöte geraten waren oder sogar von selbigem ereilt wurden.
England und Spanien zeigen aber wohl die beeindruckendsten Abstiegsspektakel. In beiden Ländern haben selbst die Vorletzten noch zwei Spieltage vor Schluss zu achtzig bzw. sechzig Prozent eine theoretische Chance; der Achtzehnte ist in vier von fünf Fällen sogar nur maximal einen Punkt unter dem Strich. Bei den Letztplatzierten gibt es keine klare Tendenz. Portsmouth mit 18, Derby mit 22 und Watford mit immerhin noch elf Punkten Rückstand (zwei Spieltage vor Ende der Meisterschaft) waren schon arg abgeschlagen, der heurige Letzte West Ham oder vor zwei Jahren West Brom haben/hatten vergleichsweise minimale vier bzw. drei Zähler Rückstand. In Spanien ein ähnliches Bild: Almeria hat heuer bereits 14 Punkte Rückstand, Levante hatte 2008 ebenso viele, Gimnastic ein Jahr davor zwei weniger. Ein weiteres Indiz für einen spannenden Abstiegskampf sind die teilnehmenden Mannschaften. Auf der Insel, genauso wie in Spanien, sind etwa sechs bis sieben Mannschaften, also gut ein Drittel der ganzen Liga zum Ende der Saison nach wie vor in Turbulenzen.
Um zu enttäuschen muss die T-Mobile-Bundesliga den Vergleich mit den großen Ligen aber erst gar nicht antreten. Die schweizerische Super League beweist uns genauso, dass es auch anders ginge. Ebenfalls eine Zehnerliga, steigt auch der Letzte fix ab, der Vorletzte spielt allerdings in einer Barrage gegen den Zweiten aus der zweiten Liga. Ob sich aktuell Mattersburg gegen Altach durchsetzen würde? Der Letzte war in der Schweiz nicht minder oft mit nicht minder großen Punkteabstand abgeschlagen wie bei uns; durch die Relegation gestaltete der Neunte aber einen, wenn auch inszenierten, Abstiegskampf etwas spannender. So hatte lediglich vorige Saison Bellinzona einen Batzenrückstand als Vorletzter auf den Achten; ansonsten betrug dieser zum letzten Mal 06/07 mehr als zwei Punkte, bei immer noch vier verbleibenden Paarungen. Der Rest der Super League tat ihr bestes nicht unter den Strich zu rutschen, heuer sind nach wie vor der Achte Xamax und theoretisch auch noch der Siebte Grasshoppers in Abstiegsgefahr.
In unserer Liga ist wohl die Grüppchenbildung eine Spezialität. Die Endtabelle der vergangenen Meisterschaft zeigte das Spitzentrio Red Bull, Austria und Rapid innerhalb von drei Punkten. Sturm hatte als Vierter schon 15 Punkte Rückstand auf Rapid, Magna wiederum elf auf Sturm. Mattersburg und der LASK lagen dann beide bei 41 und 40 Zählern, Ried bei 38 zusammen, Kapfenberg dann aber wieder weiter zurück mit 33. Der Abstieg der Kärntner mit mickrigen 15 Zählern war schon zur Winterpause beschlossene Sache.
Lösungen oder ob man überhaupt eine Lösung für den fehlenden Abstiegskampf braucht, ob man überhaupt einen Abstiegskampf braucht, amerikanische Vorbilder ohne Abstieg, traurig aber wahr, es wurde alles schon diskutiert. Ich denke, dass es dem österreichischen Fußball gut tun würde, mehr Fluktuation in die Liga zu bringen. Die finanzielle Sicherheit der Klubs muss gleichzeitig aber gegeben werden, sonst erhöht sich die Zahl der Insolvenzen genauso.
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