Neun Tage nur noch. Ich denke, oder besser: Ich weiß, meine Freundin fiebert der Euro nicht so sehr entgegen wie ich es tue. Dass ab übernächsten Freitag die nächsten 12 Tage täglich zwei Fußballspiele über die Mattscheibe flimmern, kostet ihr bereits jetzt Nerven. Und dabei machte ich mir noch Gedanken, vielleicht nicht jedes Spiel zu verfolgen und stempelte die Eröffnungsgruppe A frühzeitig und unbedacht als subattraktiv ab. Zu wenig Glamour, zu wenig Qualität (relativ zu Deutschland oder Spanien), zu wenig Glanz und Gloria. Zugegeben, es gibt interessantere Teams als Griechenland. Doch gerade diese schiere Balance zwischen den vier Teilnehmern, macht die Gruppe zunehmend interessant.
Gastgeber Polen erhält auf Grund des Heimvorteils schon ein dickes Plus. Dass es aber auch anders geht, bewiesen Österreich und die Schweiz 2008. Das Dortmunder Trio Piszczek-Blaszczykowski-Lewandowski strotzt wegen des Doubles sicherlich vor Selbstvertrauen, danach ist die Decke aber vorallem offensiv sehr dünn. Brozek (Trabzonspor, Celtic) und Sobiech (Hannover) konnten sich bei ihren Klubs mit je 1 Saisontreffer nicht wirklich warmschießen. Lilles Jelen wurde erst gar nicht berücksichtigt, hatte aber auch nicht öfter genetzt. Die Defensive ist sicherlich nicht zu unterschätzen. Mit Wasilewski und Perquis stehen Teamchef Franciszek Smuda zwei erfahrene Abwehrleute zur Verfügung. Und mit Piszczek auf rechts, der bei Dortmund in 32 Ligaspielen 4 Tore erzielte und 8 servierte, einer der offensiv gefährlichsten Außenverteidiger Europas. Abschließend wartet mit Wojciech Szczesny Arsenals Nummer 1 zwischen den Pfosten. Im Mittelfeld verfügen die Polen mit Murawski, Obraniak, Polanski, Dudka und eben Blaszczykowski über einen routinierten Stamm aus den großen Ligen, die geballte Kreativität fehlt aber - mit Ausnahme einzelner Spieler - allen vier Teams.
Polens Auftaktgegner heißt Griechenland. Bei den Buchmachern zählen die Hellenen in dieser Gruppe als größter Außenseiter. Seit Fernando Santos das Zepter als Teamchef aber übernommen hat, haben die Griechen nur eines von 20 Spielen verloren. Die größten Kaliber unter den Gegnern hießen Russland, Polen, Kroatien, Belgien und Rumänien. Gegen letztere setzte es vergangenen November in Altach ein 1:3. Weiters interessant, dass gegen die aktuellen Endrundengegner Russland (1:1) und Polen (0:0) erst in den letzten 14 Monaten gestestet wurde. Mit Papadopoulos von Schalke und Sokratis von Werder sowie dem Olympiakos-Trio Holebas, Avraam und Torossidis verfügt Hellas bestimmt genug Qualität um die eher mauen Offensivgegner in der Vorrunde in Schach zu halten. Im Mittelfeld vertraut Teamchef Fernando Santos mit Karagounis und Katsouranis von Panathinaikos auf erfahrenen Typen, die schon beim EM-Triumpf 2004 mit von der Partie waren. Im Sturm sind auch die Hellenen relativ harmlos besetzt. Mit Konstantinos Mitroglou und dessen 17 Saisontreffer für Atromitos befindet sich nur ein Angreifer im Kader, der dieses Prädikat auch verdient. Der Rest lebt von seiner Vita: Gekas (7 Ligatore), Samaras (4), Salpingidis (5). Den Vogel schießt die Nominierung von Nikos Liveropoulos ab. Der 36-Jährige, der auch zur Euro 2008 Berücksichtigung fand und dort sogar zu einem Einsatz gegen Russland kam, schwimmt seit Jahren mit ein bis vier Länderspielen pro Saison mit und findet dank seiner heuer 7 erzielten Meisterschaftstreffer für AEK erneut einen Platz im EM-Aufgebot. Vielleicht gelingt den jungen Wilden Ninis und Fetfatzidis der internationale Durchbruch?
Auch die Russen leben eher von ihrer defensive Organisation. Vor vier Jahren zog die Sbornaja noch ins Halbfinale ein, das Gros des aktuellen Kader verdient seine Heidelbeeren aber mittlerweile wieder in der heimischen Liga. Von den Offensivkräften kicken nurnoch Pavel Pogrebnyak und Marat Izmailov im Ausland. Alexandr Kerzhakov hat sein Gastspiel beim FC Sevilla bereits nach einem Jahr, und sogar noch vor dem heroischen Semifinalvormarsch, beendet; Roman Pavlyuchenko wechselte nach dreieinhalb eher durchwachsenen Jahren an der White Hart Lane zu Lok Moskau. Und auch Andrey Arshavin verließ die Gunners nach drei Jahren gen St. Petersburg und wird dort auch wohl nach der Euro bleiben. Für eine Goldene Generation dürfte es die letzte gemeinsame Möglichkeit bei einer Endrunde sein Edelmetall zu erringen, stehen die genannten großen Stützen bereits vor ihrem 30. Geburtstag. Ähnlich wie ihre Kameraden Yuri Zhirkov und Aleksey Berezutski, die defensivere Aufgaben erledigen. Alekseys Zwillingsbruder, Vasili, wurde für die Endrunde in Polen und der Ukraine erst gar nicht berücksichtigt, hatte im Frühjahr aber mit muskulären Probleme zu kämpfen. Die Mittelfeldspieler Shirokov, Zyryanov oder Semshov befinden sich mittlerweile sogar schon in ihren Dreißigern - der eine mehr, der andere weniger. Und auch die Abwehrrecken Anyukov, Sharonov und Ignashevich sind zwischen 29 und 35 Jahren alt. Zudem lag 2008 ein bedeutender Trumpf in der Vorbereitung. Diese absolvierte das Team unter Coach Guus Hiddink mit dem Fitnesstrainer Reymond Verheijen. Das niederländische Duo brachte 2002 schon die Südkoreaner in Topform, was sich im Einzug des WM-Semifinals wiederspiegelte. Die Zukunft gehört aber den Jungen. In wie fern die offensiven Jungspunde Alan Dzagoev (21 Jahre, ZSKA) und Aleksandr Kokorin (21 Jahre, Dinamo) aber zum Einsatz kommen oder als bloße Kaderergänzungen fungieren, bleibt abzuwarten. Gerade vom Burschen von ZSKA darf man jedoch einiges erwarten. Im Kasten seien noch Igor Akinfeev und sein langjähriger Ersatz Vyacheslav Malafeev erwähnt. Ersterer, der Iker Casillas des Osten, ist mittlerweile stramme 26 Lenzen alt und steht nach wie vor bei ZSKA Moskau zwischen den Pfosten. Womöglich für immer...
Und schließlich noch unsere Nachbarn aus Tschechien. Für die wird es nicht minder eine Heim-Euro, finden deren drei Gruppenspiele doch alle im südpolnischen Wroclaw statt, nur 280 Kilometer von Prag und 240 Kilometer von Ostrava entfernt. Wenn du dann noch einen Keeper wie Petr Cech zwischen den Pfosten stehen hast, kann dir ja eigentlich nur noch wenig passieren. Es sei denn der Powidl geht aus. Bei den Feldspielern jedenfalls fehlt der Schmackes vergangener Jahre. Mit Michael Kadlec von Leverkusen und Tomas Sivok von Besiktas haben die Tschechen brave Leute in der Abwehr, aber sicher keine Kaliber. Viel wird von Tomas Rosicky abhängen, der bei den Gunners eine gute Saison spielte. Jaroslav Plasil, Tomas Hübschman und Petr Jiracek werden dem ehemaligen Dortmunder bestimmt den Rücken frei halten. Wer vorne die Bälle dann reinmachen soll, bleibt noch ein Fragezeichen. Der Ex-Austrianer David Lafata zerbombt zumindest die heimische Gambrinus Liga und wurde mit 25 Treffern Schützenkönig. Milan Baros und Tomas Pekhart zeigten mit 8 bzw. 9 Buden durchschnittliche Qualitäten. Und Sturmtank Tomas Necid muss bei ZSKA Moskau sowieso froh sein, wenn er mal am Rasen stehen darf.
Insgesamt erwarte ich eher torarme Begegnungen, lasse mich aber gerne eines besseren belehren. Gefühlsmäßig werden mir die Polen etwas zu stark gesprochen. Viel wird für die Ausrichter vom ersten Spiel abhängen. Wenn dieses gegen Griechenland aber nicht gewonnen wird, wird's ganz schwierig. Und weil ich die Hellenen als die defensiv stärkste der vier Mannschaften einschätze, geht mein Gefühl auch in diese Richtung. Bei den Tschechen lastet offensiv, meiner Meinung, zu viel auf den Schultern von Tomas Rosicky. Bei der Sbornaja verteilt sich diese Last auf mehrere routinierte Spieler. Die Erfahrung spricht außerdem für Russland. Deswegen tipp ich auf ein Weiterkommen von Russland und Griechenland.
Mittwoch, 30. Mai 2012
Im tiefen Osten
Labels:
Euro2012,
Griechenland,
Polen,
Russland,
Tschechien
Montag, 28. Mai 2012
Vielleicht 2016...
Viel gebloggt habe ich in der entscheidenden Phase der
Saison ja nicht, das Geschehen in Österreich verdiente es aber auch nicht anders.
Der Europacupeinzug der Admira ist aller Ehren wert, Meisterschaft und Cup
gehen an Red Bull - alles andere wäre auch höchst erniedrigend für die
Salzburger gewesen - und die Nicht-Europacupteilnahem der Austria ist für einen
Grün-Weißen Balsam auf der Seele - nachdem wir vergangenes Jahr ähnliches
Schicksal erlitten.
Die Titelkämpfe im Resteuropa waren etwas brisanter. Das
Manchester-Duell hatte nach 20 Minuten Spielzeit schließlich doch Vorrang gegen
Kapfenberg-Rapid. Eines der aufreibendsten Spiele der Geschichte, traue ich mir
zu sagen. Manchester City gegen QPR! Nicht Kapfenberg-Rapid.
Cristiano Ronaldos Privatfehde gegen Lio Messi sei natürlich auch erwähnt. Auch gelobt. Juventus setzt sich gegen Milan durch. Auf Milan hatte ich im August noch spekuliert. Gegen einen Juventino, er sollte Recht behalten. Montpellier überflügelt die Scheichmillionäre von PSG. Und Kloppos Dortmunder toppen die letztjährige Meisterschaft mit dem Double.
Der sympathische Falcao zerlegt ein sympathisches Bilbao im
Alleingang. Im „wichtigeren“ Finale beweist Chelsea, dass eine einzige Ecke für
ein X reicht UND, dass eine englische Mannschaft im Elfmeterschießen sehr wohl
gewinnen kann. Und Arjen Robben, dass er keine entscheidenden Elfer schießen sollte.
Und jetzt steht noch die Euro vor der Türe, in 11 Tagen geht’s
los! Ich bin spitz wie Nachbars Lumpi. Zu gern würde ich nach Polen reisen, nur
das Studium macht mir einen Strich durch die Rechnung. Welcher Mensch setzt
eine Prüfung auch einen Tag nach den Halbfinals an?!
Dienstag, 10. April 2012
Trikotwerbung ganz ohne Bauchgefühl
Sponsoren fordern Klarheit: Lohnen die investierten Werbemillionen in den Sport?
RSMG ist ein globaler Marktforschungs-Riese für Sportsponsoring, für den Hunderte Spezialisten in Indien Datenbanken fütternBande oder Trikot, Fußball oder Cricket - die Firma verspricht, die weltweit beste Reklame exakt zu berechnen
Martin Greive, Stefan Merx
Die skeptische Frage bekam Henning Stiegenroth immer öfter zu hören. "Ist Sponsoring für uns wirklich ein gutes Kommunikationsinstrument?" Der Sportmarketing-Leiter der Deutschen Telekom brauchte allmählich eine belastbare Antwort: Rund 50 Mio. Euro im Jahr investiert die Telekom nach Branchenschätzungen in die FC-Bayern-Trikots, die DFB-Partnerschaft und andere Sponsorings. Geld, das man alternativ auch für Plakatkampagnen, Onlinewerbung und TV-Spots ausgeben könnte - oder schlicht streichen. Stiegenroth reagierte mit einem Forschungsauftrag an den Basler Marketingprofessor Manfred Bruhn. "Wir haben uns ergebnisoffen mit 24 anderen Kommunikationsinstrumenten unseres Konzerns vergleichen lassen", sagt Stiegenroth.
Bruhn ließ über 4000 Leute befragen - mit dem Ziel, eine Kausalkette mathematisch nachzuweisen zwischen dem Anblick einer Spielerbrust und dem Bestellen eines DSL-Anschlusses. Ein knappes Jahr später zügelt Stiegenroth seine Freude über die noch unveröffentlichten Studienergebnisse. Er will keine Neider auf den Plan rufen: "Sportsponsoring bleibt nicht nur gut in den Köpfen der Konsumenten hängen. Es beeinflusst auch sehr effektiv deren Verhalten - bis hin zum Kauf. Es hat sich als eines unserer drei effektivsten Kommunikationsinstrumente herausgestellt." Ob man den gesponserten Klub mag, ist nebensächlich. "Die Bayern-Hasser haben immer noch ein stärkeres Kaufverhalten gezeigt als solche, die unser Sponsoring nicht kennen", sagt Stiegenroth. Die Bruhn-Studie ist für ihn Gold wert. Sponsoringleiter anderer Unternehmen hätten gerne Ähnliches in der Schublade.
Der Rechtfertigungsdruck steigt: "Die Schauläufer haben es künftig schwerer", sagt Hartmut Zastrow, Vorstand der Sponsoringberatung Sport+Markt. Allein in Deutschland fließen rund drei Milliarden Euro im Jahr in die Sportwerbung, es ist nach den USA der zweitstärkste Markt, fünf bis zehn Prozent Wachstum sind üblich. Dennoch: Beim Branchenkongress Spobis kreisten die Diskussionen der Etatverantwortlichen um die zentrale Frage: Wie begründen wir wasserdicht die Werbemillionen im Sport, gerade in einer Zeit, da bei VIP-Einladungen vermutlich der Staatsanwalt lauert? Verkaufen wir über Banden mehr Autos, mehr Solarmodule, mehr Felljacken? Welcher Sport, welcher Klub passt zu meiner Markenbotschaft, habe ich im richtigen Kontext eine Story zu erzählen, die emotional verfängt und am Supermarktregal Impulse setzt? Mit zunehmender Professionalisierung im Sportbusiness macht auch die Sponsoringforschung große Fortschritte. Inzwischen werden Augenbewegungen der TV-Zuschauer aufgezeichnet, Millisekunden-Blicke auf Logos ausgewertet und Psychologen zeichnen mit neuronalen Methoden ganze Gefühlslandkarten, auf denen gezielt die hormonell-menschlichen Grundbedürfnisse mit den Abverkaufsbedürfnissen der Sponsoren zur Deckung gebracht werden.
Vorbei die großen Zeiten der Bauchentscheider und Business-Seat-Prasser. Die Antreiber einer neuen Nüchternheit, die die Branche erfasst, sind Unternehmensentscheider, die es aus anderen Werbeformen gewohnt sind, vergleichbare Tausenderkontaktpreise (TKP) zur Basis ihrer Investitionen zu machen. Der TKP gibt an, wie viel Geld in Werbung investiert werden muss, damit 1000 Personen erreicht werden. "Die ganze Industrie ruft nach Transparenz und einer verlässlichen Währung", sagt Sport+Markt-Chef Zastrow, der seit 1986 im Geschäft ist. Er schmunzelt, wenn er zurückdenkt. Da versenkte man Werbeetats im Sport auch mal weitgehend wirkungslos. Solange das Sponsoring aus Verbundenheit mit dem Standort geschah oder immerhin dem Lieblingsverein zugutekam, war der Chef trotzdem zufrieden. Zastrow holt nun zum großen Coup aus. Er geht auf Globalisierungskurs und will der Branche keine Wahl mehr lassen: "Wir werden einen Standard definieren, um Sponsoring zu messen, einheitlich zu bewerten und so auch vergleichbar zu machen mit klassischen Werbeformen", sagt er. Momentan setzten viele Rechtehalter den Wert und damit den Preis eines Sponsorings willkürlich fest. "Wer bisher Mist als Schokolade verkauft hat, bekommt Probleme." Je sparsamer und kritischer die Sponsoren werden, desto besser floriert das Geschäft mit der Business-Intelligenz. Nach dem Zusammenschluss mit dem amerikanisch-australischen Marktforscher Repucom zu RSMG Insights im November 2010 hat Sport+Markt noch mehr globales Wissen auf Lager. Und das soll kapitalisiert werden. Die gemeinsame Datenbank, gefüttert von 450 Analysten im indischen Bangalore, vergleicht Leistungsdaten von Sponsoring auf Knopfdruck - international und quer durch alle Sportarten. Multinationale Unternehmen greifen schon zu: Sie können nun abwägen, was ein investierter Euro an Sichtbarkeit bei den L.A. Lakers bringt, alternativ zu einem Engagement in der indischen Cricket-Liga oder einem Sticker auf einem F1-Boliden. Zastrow will mit seinen RSMG-Boardkollegen Paul Smith und Torsten Zoëga zur Zentralinstanz der Branche werden: Denn das Wissen bestimmt am Ende die Preise. Seit dieser Woche kann das Trio noch zuversichtlicher sein, dass es gelingt, den eigenen Bewertungsstandard global durchzusetzen. Denn RSMG verleibt sich seinen bisher größten Konkurrenten ein: Die IFM Gruppe inklusive der britischen Marktforschungstochter IFM SMS wird nach Informationen der "Welt" unter dem Dach der in Amsterdam gelisteten RSMG-Holding integriert. Damit vollzieht sich nach Jahren erbitterter Konkurrenz und Preiskämpfen eine gravierende Konzentration: RSMG Insight ist nun unangefochtener Branchenführer auf dem Gebiet der Sportmarktforschung und steuert nach eigenen Angaben Projekte in über 170 Ländern. Den IFM-Kauf mitfinanziert hat das New Yorker Private Equity Unternehmen GF Capital, das schon beim Repucom-Merger 2010 Kapital einlegte.
GF Capital residiert in New York im noblen GM-Building, direkt am Central Park. Aus dem 46. Stock schaut Erik Baker auf die anderen Hochhäuser herunter. "Mit der Übernahme von IFM haben wir einen globalen Marktführer geschaffen", sagt Baker. Er ist der Mann hinter den Kulissen, seine Firma hat errechnet, ob sich die Übernahme lohnt. Wie viel Geld GF Capital selbst bereitgestellt hat, verrät Baker nicht. Aber seit 2010 soll das Finanzunternehmen zu rund einem Drittel an der RSMG-Holding beteiligt sein. Die anderen Anteile halten überwiegend Smith, daneben Zastrow und Zoëga. "Keiner der Gesellschafter hat eine alleinige Mehrheit", sagt Zastrow.
Baker gibt sich zurückhaltend, seine Firma redet sonst nicht mit der Presse. Der Sportbusiness-Markt biete große Wachstumschancen, vor allem die Nachfrage nach der Erfolgsmessung werde immer größer, sagt er. "Wir sind für global agierende Unternehmen interessant, die Sponsoring auf der ganzen Welt betreiben", sagt Baker. Er denkt schon über den Sportmarkt hinaus: Die Unterhaltungsindustrie biete große Entwicklungsmöglichkeiten für RSMG. "Wir untersuchen, wie wir am Wachstum dieser Branche teilhaben können", sagt Baker. Auch ein Börsengang könnte laut Zastrow eine Option sein, jedoch erst ab Umsätzen von 200 Mio. Dollar. Für 2011 beziffert Zastrow den Gruppenumsatz auf 60 Mio. Dollar, wovon ein Viertel auf IFM falle. 2012 dürften es 70 Mio. werden. Das Tempo ist hoch: "Mittelfristig halten wir 15 bis 25 Prozent Umsatzwachstum für realistisch", sagt Zastrow. Er baut vor allem auf das schlummernde Potenzial der Sportwerbung in amerikanischen und asiatischen Märkten. Auch sein Kollege Paul Smith lobt den IFM-Kauf, wenngleich der Übernommene zuletzt wirtschaftlich nach Experteneinschätzung nicht sonderlich prosperierte: "Wir sind unserem Ziel näher gekommen, eine globale, transparente Plattform zur Sponsoringbewertung zu etablieren", sagt Smith.
Oliver Kaiser, der IFM 1988 gegründet hat, ist nach dem Verkauf all seiner Firmenanteile guter Dinge. Über den Kaufpreis mag er nach der "freundlichen Übernahme" (Zastrow) nicht sprechen. Mit rund einem Dutzend Mitarbeitern aus seinem Frankfurter Büro baut Kaiser jetzt eine Strategieberatung auf. "Die Konsolidierung war überfällig", sagt er - und sieht seine neue Geschäftschance in der Verknüpfung von Fakten mit strategischem Know-how. "RSMG schafft den globalen Datenpool, wir setzen ihm das Stammhirn auf, mit dem Sponsoren und Rechteinhaber die zentralen Entscheidungsgrundlagen erhalten. Wer allein auf Basis von Reichweiten-Werten und TKPs sein Sponsoring managt, handelt noch immer im Blindflug."
Mit markigen Thesen hatte Kaiser auch schon mal die Verantwortlichen der Fußball-Bundesliga aufgeschreckt. Vom Herdentrieb der Geldgeber war die Rede, von Reizüberflutung der Zuschauer. Deshalb braucht es kreative Ideen. Kaiser nennt ein Beispiel, um zu zeigen, wie sich mit intelligent-subtilen Konzepten viel erreichen lässt: Das Online-Portal fluege.de schaffte einen passgenauen und einprägsamen Auftritt, als es sich die Werbeflächen unter den Skiern von Springern der Vierschanzentournee gesichert hatte. Immer im Moment des Abhebens vom Schanzentisch war "fluege.de" an den Skispitzen hochassoziativ im Bild. Auch an Kaisers neuer Firma hält RSMG eine Minderheitsbeteiligung.
Ob die neue Allianz der Dienstleister auch der Kundschaft schmeckt? Der Kölner Sportökonomie-Professor Christoph Breuer hat Zweifel: "In jeder Branche hat der Abnehmer Nachteile, wenn durch eine fast monopolartige Stellung die Marktmacht auf Anbieterseite liegt." Breuer bemüht die Wettbewerbstheorie: Preise tendierten dann nach oben, der Innovationsdruck dürfte sinken. Eine reine Reichweitenbewertung hält Breuer für viel zu kurz gegriffen: Es geht Sponsoren längst um mehr als bloße Sichtbarkeit am Rande des Platzes. Man möchte Aufmerksamkeit erregen, am Image schrauben, Verhaltensänderungen und Geschäfte anstoßen. Breuer rät dazu, vor allem zu analysieren, welche Werbemittel man nutzt. "Wer es geschickt anstellt, kann auch mit geringer Sichtbarkeit beachtliche Aufmerksamkeit erzielen. Anders herum gilt: Wer keine Aufmerksamkeit erzielt, darf vom Sponsoring überhaupt nichts erwarten." Ein Logo an der Trainerbank könne viel wirksamer sein als eine lange Bandenwerbung. Gerade bei Strafraum-Aktionen haftet der Blick eben am Ball - und kaum anderswo.
Nur dabei zu sein, nützt nicht viel. Ein Sponsor wie Yingli Solar, der 2010 als erster Chinese beim Fußball-Primus Bayern München einstieg, bringt es nach Auskunft der Sponsoringagentur Ledavi heute nur auf magere Erinnerungswerte von 0,1 Prozent. Und wer erinnert sich noch an die Firma Avaya? Der US-Telekomkonzern zahlte 40 Mio. Euro für die Werberechte bei der Fußball-WM 2006 - und ging, weil ohne sinnvolle Strategie gestartet, mitten im schönsten Sommermärchen völlig unter.
Quelle: Die Welt von Samstag, 3. März 2012; Seite 12
Sonntag, 25. März 2012
Land der Äcker
Die Bundesliga-Trainer beschweren sich über die mangelnde Qualität der Plätze in Innsbruck, Kapfenberg und Hütteldorf. Gerade in diesen Minuten kann sich der Zuschauer auf Sky über den unrühmlichen Rasen am Tivoli fremdschämen. Gerechtfertigt wird der inakzeptable Zustand der Plätze mit dem Argument des Fehlens der nötigen finanziellen Mittel. Dass die exemplarisch angeführten Methoden aus England, wo mit Infrarotstrahlern gearbeitet, oder Deutschland, wo der Rasen zweimal pro Saison schlicht gewechselt wird, nicht zwingend notwendig wären, zeigen zahlreiche Beispiele aus unteren österreichischen Klassen. In den Sky-Berichten wurde schließlich eine Summe von 70.000 Euro genannt, welche zur „Restauration“ des Innsbrucker Geläufs nötig wären. Präventiv könnte auch bloß die Rasenheizung für eine einstellige Tausender-Summe pro Tag laufen. Hierfür müssten die Vereine ihre Kader um einen Spieler mit einem Monatsgehalt von etwas unter 5.000 Euro brutto reduzieren. Dies scheint ein uneinbringbarer Kompromiss für eine funktionierende Infrastruktur.
Umsetzungssache
Fünf Jahre wird der Übergangszeitraum andauern bis das von der Uefa initiierte Financial Fairplay (FFP) ab der Saison 2018/19 schließlich in Kraft tritt. Bis dahin dürfen die Ausgaben der Klubs deren Einnahmen weiterhin übersteigen, bis 2015 um 45 Millionen Euro pro Spielzeit. Schrittweise muss dieses Defizit auf 30 Millionen Euro zurückgeschraubt werden. Ab Inkrafttreten des FFP darf der Jahresfehlbetrag maximal fünf Millionen Euro betragen.
Für die wenigsten Vereine außerhalb der Big Five dürften diese Regelungen also von besonderer Relevanz sein. Das wären eine Handvoll weniger Großer aus der Peripherie - Porto, Ajax, Anderlecht oder die russischen Großklubs -, die zum Großteil aber schon jetzt zunehmend auf eigenständige Spielerentwicklung setzen, anstatt fertiges Personal anzuheuern. Und auch Klubs, welche unter Mäzenschutz stehen - Salzburg beispielsweise - dürften die neuen Regelungen tangieren. Lokeren, Nijmegen oder Vitoria Guimaraes dürften auf Grund ihrer bescheidenen Budgets wohl eher keine Kandidaten für Defizite in solchen Höhen sein.
Ob das FFP die finanziellen Exzesse am Transfermarkt in den Griff bekommen wird, wage ich zu bezweifeln. Der Kritikpunkt, welcher für ein reibungsloses Ablaufen teilweise diversifiziert werden müsste, sind die Sponsoringeinnahmen. In Anbetracht des Anteils der Sponsoringeinnahmen an den Gesamtbudgets, ist nur all zu verständlich, dass dieser Posten in die Kalkulation aufgenommen wird. Fakt ist aber auch, dass Gelder von Mäzenen, welche grundsätzlich nicht in der FFP-Einnahmenkalkulatur berücksichtigt werden sollten, als getarnte Sponsoringposten sehrwohl dort auftauchen könnten. Insofern würde dies die Position von Mäzenvereinen am Transfermarkt auf Grund einer nach oben gepushten Ausgabengrenze deutlich stärken.
Sollte es tatsächlich zu diesem Szenario kommen, dürfte der langfristige Trend so aussehen, dass sich immer mehr Vereine in Abhängigkeit eines geldstarken Besitzers oder Konsortiums veräußern. Dies würde zusätzliches Geld in den Markt pumpen und hätte wiederum zur Folge, dass sich die Potenziale sämtlicher Vereine auf einem höheren finanziellen Niveau befänden und letzten Endes das FFP nur ein sehr schwaches Mittel zur Bändigung überbordender Ablösesummen und Gehaltszahlungen wäre. Auf kurze Sicht mag dies dennoch attraktiv wirken, da im möglichen Falle einer Insolvenz ein vermeidlich liquider Geldgeber einspringen könnte. Die Beispiele Portsmouth, oder jüngst Xamax Neuchatel und Servette Genf beweisen jedoch das Gegenteil. Außerdem herrscht stets Ungewissheit - sofern nicht rechtlich vorab geklärt -, wie die in die Höhe getriebenen Gehälter bei einem Rückzug des Eigners weiter finanziert werden sollten.
Grundsätzlich gibt das FFP aber den richtigen Weg vor. Andere Ideen hören sich nett an, schaffen aber entweder im Wettbewerb zwischen den Spielern (Kaderrestriktionen) oder zwischen den Ligen (Salary Caps) massive Benachteiligungen. Was jedoch viel wichtiger wäre, ist ein rigoroses Lizenzverfahren, welches mehrmalige Verluste nicht billigt. Und keinen Unterschied zwischen Tradition und Retorte kennt.
Für die wenigsten Vereine außerhalb der Big Five dürften diese Regelungen also von besonderer Relevanz sein. Das wären eine Handvoll weniger Großer aus der Peripherie - Porto, Ajax, Anderlecht oder die russischen Großklubs -, die zum Großteil aber schon jetzt zunehmend auf eigenständige Spielerentwicklung setzen, anstatt fertiges Personal anzuheuern. Und auch Klubs, welche unter Mäzenschutz stehen - Salzburg beispielsweise - dürften die neuen Regelungen tangieren. Lokeren, Nijmegen oder Vitoria Guimaraes dürften auf Grund ihrer bescheidenen Budgets wohl eher keine Kandidaten für Defizite in solchen Höhen sein.
Ob das FFP die finanziellen Exzesse am Transfermarkt in den Griff bekommen wird, wage ich zu bezweifeln. Der Kritikpunkt, welcher für ein reibungsloses Ablaufen teilweise diversifiziert werden müsste, sind die Sponsoringeinnahmen. In Anbetracht des Anteils der Sponsoringeinnahmen an den Gesamtbudgets, ist nur all zu verständlich, dass dieser Posten in die Kalkulation aufgenommen wird. Fakt ist aber auch, dass Gelder von Mäzenen, welche grundsätzlich nicht in der FFP-Einnahmenkalkulatur berücksichtigt werden sollten, als getarnte Sponsoringposten sehrwohl dort auftauchen könnten. Insofern würde dies die Position von Mäzenvereinen am Transfermarkt auf Grund einer nach oben gepushten Ausgabengrenze deutlich stärken.
Sollte es tatsächlich zu diesem Szenario kommen, dürfte der langfristige Trend so aussehen, dass sich immer mehr Vereine in Abhängigkeit eines geldstarken Besitzers oder Konsortiums veräußern. Dies würde zusätzliches Geld in den Markt pumpen und hätte wiederum zur Folge, dass sich die Potenziale sämtlicher Vereine auf einem höheren finanziellen Niveau befänden und letzten Endes das FFP nur ein sehr schwaches Mittel zur Bändigung überbordender Ablösesummen und Gehaltszahlungen wäre. Auf kurze Sicht mag dies dennoch attraktiv wirken, da im möglichen Falle einer Insolvenz ein vermeidlich liquider Geldgeber einspringen könnte. Die Beispiele Portsmouth, oder jüngst Xamax Neuchatel und Servette Genf beweisen jedoch das Gegenteil. Außerdem herrscht stets Ungewissheit - sofern nicht rechtlich vorab geklärt -, wie die in die Höhe getriebenen Gehälter bei einem Rückzug des Eigners weiter finanziert werden sollten.
Grundsätzlich gibt das FFP aber den richtigen Weg vor. Andere Ideen hören sich nett an, schaffen aber entweder im Wettbewerb zwischen den Spielern (Kaderrestriktionen) oder zwischen den Ligen (Salary Caps) massive Benachteiligungen. Was jedoch viel wichtiger wäre, ist ein rigoroses Lizenzverfahren, welches mehrmalige Verluste nicht billigt. Und keinen Unterschied zwischen Tradition und Retorte kennt.
Samstag, 24. März 2012
Donnerstag, 8. März 2012
Beira-Mar und die Parallelen zu Servette
Auch am Engagement Majid Pishyars in Portugal wachsen die Zweifel
Nach dem Super-League-Aufstieg Servettes 2011 übernahm Majid Pishyar auch in Portugal einen Klub. Er versprach vieles – aber die Misstöne häufen sich.
Georg Bucher, Aveiro
Am 23. Februar 2012 wurde Aveiro nostalgisch. Die zwischen Porto und Coimbra gelegene Stadt gedachte eines berühmten Sohns. Der Barde Zeca Alfonso war vor 25 Jahren gestorben, sein Chanson «Grândola morena» hatte 1974 die friedliche Revolution eingeleitet und begleitet. Aber mehr Aufsehen erregt ein Ausländer: Majid Pishyar, der am Donnerstag die Bilanz von Servette deponieren liess und vor acht Jahren schon den Konkurs von Admira Wacker Mödling zu verantworten hatte.
Seit Pishyar im Sommer 2011 die Macht im hochverschuldeten Fussballklub Beira-Mar übernommen hat, ist der Iraner in Aveiro in aller Munde. Wer die Fäden zwischen Beira-Mar und Pishyar knüpfte, wird nicht bestätigt, liegt aber nahe: der ehemalige Servette-Trainer João Alves, den Pisyhar im letzten Herbst entliess, obwohl der Coach im Team beliebt war. Alves wuchs in einem Dorf bei Aveiro auf, erlangte Bekanntheit als Fussballer von Benfica Lissabon und Paris Saint-Germain und ist international vernetzt. Über die Probleme Beira-Mars war Alves im Bild. Mehrfach war der Verein dem Konkurs entgangen, mit Geldspritzen hatte ihn Mano Nunes oft über Wasser gehalten. Nun zählt der Reeder und langjährige Chairman zur Gläubiger-Gemeinde.
Die vierte Kraft
Pishyar übernahm nicht die Präsidentschaft des polysportiven Klubs, sondern steuerte eine Million Euro zur Gründung der Kapitalgesellschaft (SAD) bei, die den Profibetrieb der Fussballer finanziert. Eine Million Euro entsprach 85 Prozent des Gesamtbetrags, also der klaren Mehrheit. Bei der Antrittsrede sagte Pishyar, bestehende Schulden würden bezahlt, aber nicht vollständig. Zudem gab er der Absicht Ausdruck, Beira-Mar unter die besten vier Teams des Landes zu führen, hinter die traditionsreichen Vereine Benfica Lissabon, Sporting Lissabon und Porto. Solche Worte erinnern an Pishyars grossspurige Ankündigung in Genf, Servette bis 2018 zum Gewinn der Champions League zu führen.
Seit Pishyars Antritt ist gut ein halbes Jahr vergangen und weniger Geld geflossen als erhofft. Der Präsident spielt auf Zeit, lässt sich selten in Aveiro blicken und vertröstet die Gläubiger. Immerhin wurden im Februar ausstehende Löhne und Prämien beglichen. Dennoch schwindet das Vertrauen; Misstöne zwischen der SAD und dem von städtischen Subventionen abhängigen Gesamtverein häufen sich.
Die Meinungsverschiedenheiten kulminierten, als die klubeigene Halle gepfändet wurde. Der Leiter der Fussball-Akademie im alten Stadion, Mario Duarte, bringt die Stimmung auf den Punkt: «Im letzten Sommer waren wir alle begeistert, ein Aufatmen ging durch die Stadt. Jetzt sieht es so aus, als würden die Felle davonschwimmen.» Klarheit bringt vielleicht die Generalversammlung vom 5. März, an der Pishyar erwartet wird. Laut dem Fachblatt «Record» verbreitet der neue Klubpräsident António Regala Zuversicht: «Pishyar hat mir gesagt, dass er sein Engagement in der SAD aufrechterhalte und dass der Konkurs von Servette keinen Einfluss auf die Geschäfte in Portugal habe. Es seien grundverschiedene Fälle. In Genf habe die Unterstützung der Stadt gefehlt, in Aveiro sei sie gegeben.»
Mit Verweis auf den Erfolg mit Servette im Frühling 2011 (Super-League-Aufstieg) strebte Pishyar mit Beira-Mar nicht nur nach der Rolle des Verfolgers von Benfica, Sporting und Porto, sondern kündigte auch den Bau eines «Fussball-Dorfs» und einer Geschäftszone um das neue Stadion ausserhalb der Stadt an. Diese Pläne liegen in der Schublade – und die vor der Europameisterschaft 2004 errichtete Arena gilt als Zankapfel. Pishyar will sie in Eigenregie führen, die Stadt als Eigentümerin legt sich quer. Hohe Unterhaltskosten verursacht das Stadion ohnehin. Viele sehen Parallelen zu Leiria, wo das EM-Stadion zum Verkauf ausgeschrieben ist. Auch in Aveiro war die Resonanz mit durchschnittlich 4000 Zuschauern in der Saison 2010/11 unbefriedigend.
Der Rettungsspezialist
Die von Pishyar erhoffte Verdoppelung der Zuschauerzahl liegt ausser Reichweite, denn Attraktionen fehlen. Gut in die Meisterschaft gestartet, befindet sich Beira-Mar im freien Fall. Letzten Sonntag hätte gegen Vitória de Setúbal die Wende gelingen sollen, doch das Team des Tabellenletzten legte drei Tore vor und verteidigte in Unterzahl den 3:2-Sieg. Danach demissionierte der Beira-Mar-Trainer, der frühere Nationalspieler Rui Bento. Ein Punkt trennt die Equipe von einem Abstiegsplatz; der neue Coach, Ulisses Morais, ist Rettungsspezialist und befreite schon fünf Klubs aus brenzliger Lage. Der Abstieg wäre verheerend. Laut Berechnungen der SAD muss Beira-Mar sieben Jahre die höchste Klasse halten, sonst scheitert das Konzept. Bei der Finanzierung des Budgets (3,2 Millionen Euro) sind TV-Übertragungsrechte der wichtigste Posten. Ein Silberstreif am Horizont ist die kürzlich geschlossene Partnerschaft mit einem Technologieunternehmen.
Etwas Luft verschaffte Beira-Mar der Wegzug von Rui Sampaio. Cagliari zahlte 600 000 Euro Ablöse für den Juniorennationalspieler. Wird der Finanzengpass nicht behoben, gäbe es die Möglichkeit, Zhang zu transferieren. Am Offensivspieler sind chinesische Klubs interessiert. «Klappt der Deal, sind wir bis Mai aus dem Schneider», meint ein Klubmitglied. Von Pishyar werden keine Wunder erwartet. Beira-Mar müsse sich selber aus der Klemme ziehen und gegebenenfalls ins alte Stadion zügeln. So wäre der 1922 gegründete Verein wieder näher bei der Basis und seiner eigenen Identität.
Quelle: Neue Zürcher Zeitung von Samstag, 03. März 2012; Seite 52
Mittwoch, 7. März 2012
Freitag, 2. März 2012
Donnerstag, 1. März 2012
Kapfenberg und Kharkiw
Kharkiw sei nur Peripherie. Geografisch und im Bezug auf Europa mag dies stimmen. Im Fußballgeschäft spielt Metalist jedoch eine bedeutendere Rolle als österreichische Vertreter. Hört sich hart an, ist aber so. Leider. Seit dem Einstieg von Dietrich Mateschitz in Salzburg hat der Mäzen hunderte Millionen Euro in den Fußball investiert. Rausgekommen ist noch nicht viel. Die angestrebte nationale Dominanz wurde bislang nicht erreicht. Und der internationale Durchbruch scheiterte nun bereits zum zweiten Mal je in der Runde der letzten Zweiunddreißig. Dass in Kolumnen über Metalist abfällig als eine südamerikanische Legionärself berichtet wurde, ist angesichts der auf Salzburger Seiten nicht bedeutend geringeren Anzahl an Gastarbeitern, paradox. War aber wohl mehr der Neid, dass Mäzen Olexandr Jaroslawsky Spieler aus Argentinien und Brasilien importiert, welche durchaus noch Potenzial haben. Im Gegenteil zu den Red-Bull-Spielern, welche in der Bundesliga oder Eredivisie kein Leiberl mehr hatten.
Transfertechnisch mehr Konzept beweist sogar der Rest der hiesigen Liga. Klammert man mal den winterlichen Kaufanfall Kapfenbergs aus. Wobei in der Obersteiermark reger Aktionismus die letzte Hoffnung dem Abstieg zu entrinnen zu sein scheint. Gegen die Austria hat’s jedenfalls genügt. Wobei am Verteilerkreis wiederum, nach den Verkäufen von Junuzovic und Barazite, eine Winterschlaf ähnliche Lethargie zu erkennen war. Im Grunde hat das Credo „Ja zu A“ aber national Einzug gefunden. Was in den vergangenen Monaten sogar der Deutschen Bundesliga zum Vorteil wurde. Und schließlich - im gestrigen Spiel gegen Finnland zumindest in ersten Ansätzen - auch dem Nationalteam. Und irgendwann könnten sich Mattersburg (5 Legionäre), Innsbruck (6) - und wenn sie die Liga halten – auch Kapfenberg (mittlerweile 11) anstatt der Gastarbeiter ja dann auch die Rasenheizung leisten…
Transfertechnisch mehr Konzept beweist sogar der Rest der hiesigen Liga. Klammert man mal den winterlichen Kaufanfall Kapfenbergs aus. Wobei in der Obersteiermark reger Aktionismus die letzte Hoffnung dem Abstieg zu entrinnen zu sein scheint. Gegen die Austria hat’s jedenfalls genügt. Wobei am Verteilerkreis wiederum, nach den Verkäufen von Junuzovic und Barazite, eine Winterschlaf ähnliche Lethargie zu erkennen war. Im Grunde hat das Credo „Ja zu A“ aber national Einzug gefunden. Was in den vergangenen Monaten sogar der Deutschen Bundesliga zum Vorteil wurde. Und schließlich - im gestrigen Spiel gegen Finnland zumindest in ersten Ansätzen - auch dem Nationalteam. Und irgendwann könnten sich Mattersburg (5 Legionäre), Innsbruck (6) - und wenn sie die Liga halten – auch Kapfenberg (mittlerweile 11) anstatt der Gastarbeiter ja dann auch die Rasenheizung leisten…
Abonnieren
Posts (Atom)